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Reportage von National Geographic: Mit 18 verliert Katie ihr Gesicht – eine Transplantation schenkt ihr ein neues Leben

Das neue Cover der National Geographic geht um die Welt. Journalisten und Fotografen haben die unglaubliche Geschichte von Katie Stubblefield dokumentiert, die ein neues Gesicht bekam. Und damit eine zweite Chance.

Links ist Katie Stubblefield 17 – acht Monate vor ihrer Selbstverletzung. Rechts ist Katie 22 – 13 Monate nach ihrer Gesichtstransplantation.

Links ist Katie Stubblefield 17 – acht Monate vor ihrer Selbstverletzung. Rechts ist Katie 22 – 13 Monate nach ihrer Gesichtstransplantation.

"Es ist hart, sich diese Geschichte anzusehen." Mit diesen Worten beginnt National Geographic USA die Titelstory der September-Ausgabe: "The Story of a Face". Und ja, die Bilder und Details, die gleich folgen, sind nur schwer zu ertragen. 

Sie handeln von einer jungen Frau, die ihr Gesicht verliert, als sie 18 Jahre alt ist.

Das Cover der September-Ausgabe der amerikanischen National Geographic mit der Titelgeschichte "The Story of a face" 

Das Cover der September-Ausgabe der amerikanischen National Geographic mit der Titelgeschichte "The Story of a face" 

Mit 21 geben Ärzte ihr ein neues Gesicht. Zwei Jahre lang haben Redakteure und Fotografen Katie Stubblefield begleitet: Trauma, Identität, Unverwüstlichkeit, Hingabe und atemberaubende medizinische Wunder – es ist die Geschichte einer zweiten Chance auf ein Leben.

2014 – Ein verlorenes Jahr

An das Jahr 2014 hat Katie keine Erinnerung. Nicht an den Tag im März, als sie versucht, sich umzubringen. Sie war 18 Jahre alt; ihr älterer Bruder Robert hörte den Schuss, trat die Tür zum Badezimmer ein und fand Katie, blutüberströmt. "Und ihr Gesicht war weg", erinnert sich Robert. Sie hatte sich durch das Kinn geschossen. Eine Impulsentscheidung, sagt Alesia, Katies Mutter, der berichtenden Autorin von National Geographic: "Es war ein Moment. Ein Moment, 20 Sekunden, der unser Leben veränderte."

Katie überlebte – knapp. "Vergesst die Gesichtstransplantation; es ging zunächst ums blanke Überleben", wird Brian Gastman im Artikel zitiert. Er ist der erste Arzt, der sich Katie in einer auf diese Fälle spezialisierten Klinik in Cleveland annimmt. Eine schlimmere Gesichtsverletzung habe er noch nie zuvor gesehen.

Als Autorin Joanna Connors ihn nach seinem Verhältnis zu Katie fragt, sagt er: "Ich fühle mich sehr verantwortlich für sie. Das ist meine Lebensaufgabe." Gemeinsam mit seinem Team flickt er Katies Gesicht so zusammen, dass es funktioniert. Dass sie weiter lebt. Katie hat dieses – ihr zweites – Gesicht, nie gesehen. Sie nannte es "Shrek". Auch an die zahlreichen Operationen, die der Selbstverletzung folgten, erinnert Katie sich nicht. 

Die Gesichtstransplantation

"Das Gesicht liegt auf einer Operationstablett, die Augen leer und blind, mit offenem Mund, als ob er ein 'Oh!' ausruft": So beschreibt Connors den unglaublichen Anblick, der sich am Tag von Katies Transplantation in Operationsraum 19 in der Cleveland Klinik bot.

Das Gesicht auf dem Tablett gehörte einer 31-Jährigen Frau, die vor wenigen Tagen an einer Überdosis Drogen gestorben war. Ihre Großmutter entschied, das Gesicht ihrer Enkelin zur Transplantation freizugeben. Sie wird die Spenderin für Katie, die seit März 2016 auf einer Warteliste für ein neues Gesicht eingetragen ist. 

So beginnt am 4. Mai 2017 um 7.30 Uhr Morgens mit Katies Operation die 40. Gesichtstransplantation, die jemals durchgeführt wurde. 

Der Eingriff dauerte 31 Stunden. Elf Chirurgen arbeiten an Katies neuem Gesicht. Dazwischen nahmen die Ärzte immer wieder Kontakt zu Katies Eltern auf, zeigten ihnen Bilder von der laufenden Operation auf ihren Smartphones, klärten sie über Risiken und Möglichkeiten auf, beruhigten sie: "Jede Entscheidung, die ihr jetzt machen werdet, wird die richtige sein", sagte Gastman zu ihnen.

Ein Jahr und einen Tag vor der Transplantation liegen Katie und ihre Eltern, Robb und Alesia Stubblefield, in einem Park in der Nähe der Klinik in Cleveland und machen ein Nickerchen.

Ein Jahr und einen Tag vor der Transplantation liegen Katie und ihre Eltern, Robb und Alesia Stubblefield, in einem Park in der Nähe der Klinik in Cleveland und machen ein Nickerchen.

Bei einer Gesichtstransplantation wird ein gesamtes Gesicht (beziehungsweise Teile) übertragen, inklusive Knochen, Nerven und Adern. Es geht vor allem darum, die Funktionalität des Gesichts wiederherzustellen: die Fähigkeit zu essen, zu sprechen, durch die Nase zu atmen, zu zwinkern. Katies Eltern mussten die Entscheidung treffen, ob nur Teile des Spendergesichts oder das gesamte Gesicht transplantiert werden soll. Das ganze Gesicht sei ein höheres Risiko für Infekte und somit eine gesteigerte Gefahr, dass es nicht vom Körper angenommen wird; eine partielle Transplantation würde dazu führen, dass Teile des Gesichts nicht zu Katies Hautfarbe passen, das Gesicht sähe "zerstückelter" aus. Schließlich entscheiden Katies Eltern sich für die Transplantation des gesamten Gesichts.

Ein Krankenhausmitarbeiter hält vorsichtig Katies Kopf nach der 31-stündigen Operation. Um ihre Augen zu schützen wurden die Augenlider zugenäht. 

Ein Krankenhausmitarbeiter hält vorsichtig Katies Kopf nach der 31-stündigen Operation. Um ihre Augen zu schützen wurden die Augenlider zugenäht. 

Katie: "Es fühlt sich unglaublich an"

"Ich kann jetzt mein Gesicht berühren und es fühlt sich unglaublich an", sagte Katie National Geographic. Sie hat noch Schwierigkeiten, deutlich zu sprechen. Ihr Vater, Robb, übersetzte einige ihrer Gefühle: "Du nimmst es als selbstverständlich hin, die einzelnen Komponenten deines Gesichts – die Knochen, das Gewebe, die Muskeln, alles – aber wenn all das weg ist, wird dir klar, wie sehr du das brauchst. Wenn du dann eine Transplantation bekommst, bist du so dankbar."

Am 1. August 2017 wurde Katie aus der Klinik entlassen. Sie wird ihr ganzes Leben Medikamente nehmen, die das Risiko eindämmen sollen, dass ihr neues Gesicht vom Körper abgestoßen wird. Außerdem macht sie weiterhin Physiotherapie, Beschäftigungstherapie, arbeitet mit einem Sprachtherapeuten und erlernt die Blindenschrift. Katie plant, online zu studieren, um vielleicht Beraterin und Motivations-Sprecherin zu werden: "So viele Menschen haben mir geholfen; jetzt will ich anderen Menschen helfen."

Anmerkung der Redaktion: National Geographic hat Katie und ihre Familie über drei Jahre lang begleitet. Ihre ganze Geschichte lesen Sie hier. Die deutsche National Geographic veröffentlicht die Reportage ebenfalls als Titelgeschichte, wird jedoch ein anderes Cover-Motiv wählen. Das Heft ist ab dem 24. August am Kiosk erhältlich. Katie wird auf der Titelseite vor ihrer Selbstverletzung abgebildet sein. Die Geschichte um Katies Schicksal wird in der deutschen Fassung um einen zweiten Artikel ergänzt, der die grundsätzliche Bedeutung des Gesichts für uns Menschen beleuchtet: mit der neuesten Forschung zu Themen wie Identität und Emotionen und deren Verankerung in unseren Gesichtern.

Wenn Sie oder Freunde von Ihnen suizidale Gedanken haben, wenden Sie sich bitte an die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.