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Transplantation: Neue Hände - nach 28 Jahren

Vor 28 Jahren verlor Alba L. beide Hände bei einem chemischen Experiment. Nun haben Ärzte der Kolumbianerin die Hände einer Toten verpflanzt - sie ist die erste Frau, bei der eine solche Transplantation vorgenommen wurde.

Wo andere Menschen ihre Hände haben, hatte Alba nur zwei Stümpfe. 28 Jahre lang konnte die in Spanien lebende Kolumbianerin nichts anfassen und war auf Hilfe angewiesen. Ihre beiden Hände hatte sie in der Schule bei einer Explosion im Chemieunterricht verloren. Fast drei Jahrzehnte später hat die mittlerweile 47-Jährige wieder Hände. Sie wurden ihr bei einer Doppeltransplantation in Valencia angenäht.

Knochen mit Scheiben und Schrauben fixiert

"Es sind wunderschöne Hände", sagte Alba überglücklich. "Für mich beginnt jetzt ein neues Leben." Sie ist weltweit die erste Frau, die zwei fremde Hände erhielt. Bisher gab es nach spanischen Angaben nur sechs Transplantationen dieser Art in Frankreich, Österreich und China - alle bei Männern. Albas neue Hände stammen von einer Frau, die bei einem Verkehrsunfall gestorben war und in der Größe und Hautfarbe zur Empfängerin passte.

"In zwei Wochen wird Alba die Hände ein wenig bewegen können", sagt der Chirurg Pedro Cavadas, der die zehnstündige Operation in der Nacht zum 1. Dezember geleitet hatte. "In sechs Monaten wird sie etwas Gefühl in den Händen entwickeln." Die Operation selbst beschrieb der Arzt mit markigen Worten: "Zuerst wurden die Teile so geschnitten, dass sie aneinander passten. Die Knochen wurden mit Scheiben und Schrauben fixiert. Die Arterien, Venen und Nerven wurden unter dem Mikroskop verbunden, ähnlich wie elektrische Kabel. Dann wurde die Haut geschlossen, und die Patientin konnte aus der Narkose aufwachen."

Ein Leben lang Medikamente nehmen

Alba wird ihr Leben lang Medikamente nehmen müssen, um zu verhindern, dass das Abwehrsystem ihres Körpers die fremden Gliedmaßen abweist. Zudem wird sie in den transplantierten Händen nie jene Kraft und Beweglichkeit entwickeln, die sie früher in ihren eigenen hatte. "Die Technik der Transplantation ist aber immer noch besser als eine Prothese", meint Cavadas. Allerdings räumt er ein, dass das Verfahren sich noch in einer "Experimentierphase" befinde.

Umstrittene Transplantation

Unter Medizinern sind solche Transplantationen vielfach umstritten, weil die Medikamente und das unterdrückte Immunsystem chronische Schäden und mitunter sogar Tumore auslösen können. In London hatten Ärzte vor knapp sechs Jahren einem Neuseeländer eine Hand abnehmen müssen, die ihm zweieinhalb Jahre zuvor nach einer bahnbrechenden Operation in Lyon angenäht worden war. Der Mann hatte das Organ als "die Hand des toten Mannes" abgelehnt.

"Es gibt aber Menschen, für die ist das Leben ohne die beiden Hände nicht lebenswert", sagte der Generalsekretär der Deutschen Transplantationsgesellschaft, Bernhard Krämer von der Universitätsklinik Regensburg. Diese nähmen mitunter bewusst in Kauf, dass sich ihr Leben durch die Folgen eines solchen Eingriffes verkürze. "Es ist wie immer ein Abwägen zwischen Nutzen und Risiko."

DPA / DPA
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