Tuberkulose Jeden Tag 4400 Tote


Die Ausbreitung resistenter Bakterienstämme behindert den Kampf gegen Tuberkulose - vor allem in Europa, wo die Krankheit unter Kontrolle schien. Immer noch sterben jeden Tag 4400 Menschen an TB, oft in tödlicher Kombination mit Aids.

Die Ausbreitung extrem resistenter Bakterienstämme schwächt den weltweiten Kampf gegen Tuberkulose. Es habe im Jahr 2005 weltweit Fortschritte bei der Bekämpfung der Krankheit gegeben, einige Regionen, darunter Europa, hätten die internationalen Ziele jedoch nicht erreicht, schreibt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrem Welttuberkulosebericht, der am Donnerstag in Genf veröffentlicht wurde. Demnach sind 1,6 Millionen Menschen im Jahr 2005 an der Bakterieninfektion gestorben, 195.000 davon waren zusätzlich mit dem Aidserreger HIV infiziert.

In Europa schlägt die Behandlung oft fehl

Die Europäische WHO-Region habe im Rahmen der internationalen Strategie "Stopp der TB" die niedrigste Entdeckungsrate bei infektiösen TB-Fällen und die höchste Rate an Behandlungsmisserfolgen, berichtete das WHO-Regionalbüro für Europa. Auf Grund der unzureichenden Therapie seien in den baltischen Staaten, in Osteuropa und in Zentralasien inzwischen etwa 15 Prozent aller neuen TB-Fälle durch multiresistente Tuberkulose-Erreger (MDR-TB) ausgelöst. Diese Rate sei drei Mal so hoch wie in irgendeiner anderen Region der Welt. Die höchste Rate extrem resistenter TB- Erreger (XDR-TB) habe Lettland, berichtete die WHO im Vorfeld des Welttuberkulosetages am 24. März.

Dennoch ist die Organisation auch optimistisch: Die Zahl der neuen TB-Fälle sei im Jahr 2005 nur ganz leicht gestiegen, sogar langsamer als die Weltbevölkerung. Im Jahr 2005 habe es 8.787.000 neue Fälle gegeben, 2004 seien es 8.718.000 gewesen.

Jeden Tag 4400 Tote durch TB

Die Spendengelder zur Tuberkulosekontrolle seien seit 2002 auf zwei Milliarden US-Dollar (1,5 Milliarden Euro) zwar stark gewachsen, es seien jedoch noch 1,1 Milliarden Dollar für das Jahr 2007 nötig, um den globalen Plan zum Stopp der Tuberkulose bis 2015 zu erfüllen. Nach diesem soll die Zahl der TB-Fälle und der TB-Toten von 1990 bis 2015 halbiert werden. Regionen wie Amerika und Südost-Asien seien auf gutem Weg, dieses Ziel zu erreichen, Europa und Afrika allerdings nicht.

"Wir sehen derzeit beides: Die Früchte der weltweiten Anstrengung, TB zu kontrollieren, und die tödliche Natur des anhaltenden Krankheitsverlaufs", sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. "Fast 60 Prozent der Tuberkulosefälle weltweit sind entdeckt, und die große Mehrzahl von diesen ist geheilt." Im vergangenen Jahrzehnt erhielten laut WHO 26 Millionen Patienten eine effektive Behandlung. "Aber die Krankheit tötet weiterhin jeden Tag 4400 Menschen."

Tödliche Kombination mit Aids

Die Hilfsorganisation Care Deutschland machte auf die enge Verknüpfung der Tuberkulose mit der Aidsepidemie aufmerksam. "Tuberkulose ist Todesursache Nummer eins für HIV-Infizierte im südlichen Afrika", berichtete Hauptgeschäftsführer Wolfgang Jamann in Bonn. "70 Prozent der Menschen, die mit TB infiziert sind, haben auch Aids." In Afrika wachse die Krankheit um ein Prozent pro Jahr, berichtete Jamann.

Die Organisation Ärzte ohne Grenze verwies auf jährlich 420.000 TB-Fälle mit multiresistenten Erregern. In einem Behandlungsversuch mit 570 Patienten hätten nur 55 Prozent eine aufwendige Therapie erfolgreich abgeschlossen. Die anderen seien gestorben, hätten auf die Medikamente nicht angesprochen oder die Therapie auf Grund starker Nebenwirkungen abgebrochen.

DPA DPA

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