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Medizinischer Durchbruch : Forscher reaktivieren die Gehirne von 300 toten Schweinen

Forschern der Yale Universität ist ein medizinischer Durchbruch gelungen. Sie haben die Gehirne von 300 geschlachteten Schweinen wiederbelebt. Ihre Studie wirft Fragen über die Grenze zwischen Leben und Tod auf. 

Das Foto zeigt ein nach dem Tod unbehandeltes Schweinegehirn und eines von den Wissenschaftlern bearbeitetes

Ein nach dem Tod unbehandelten Schweinegehirn (links) und die Neuronen in einem von den Wissenschaftlern mit ihrem System bearbeiteten Schweinegehirn (rechts)

AFP

Wann gilt jemand als hirntot und wo liegt die Grenze zwischen Leben und Tod? Eine neue US-Studie wirft Fragen auf. Forschern der Yale Universität ist es gelungen, die Gehirne von 300 toten Schweinen wiederzubeleben. 

Für ihren Versuchen entnahm das Team um den Forscher Nenad Sestan die Gehirne von Schweinen, die vier Stunden zuvor geschlachtet worden waren, wie das Wissensmagazin "Nature" berichtet. Mit einer eigens entwickelten Maschine, die sie "BrainEx" nennen, pumpten sie im zweiten Schritt eine blutähnliche Speziallösung durch die Hauptarterien des Gehirns. 

Sechs Stunden später stellten sie fest, dass einige Zellfunktionen noch immer erhalten waren. So waren einzelne Nervenzellen noch an Synapsen aktiv, Blutgefäße reagierten noch auf Arzneimittel und auch Stoffwechselaktivitäten liefen weiter ab, wie zum Beispiel der Verbrauch von Glukose und Sauerstoff. Die Forscher betonten jedoch, dass es keine Anzeichen für Wahrnehmung oder Bewusstsein gegeben habe. 

Forscher könnten jetzt den Zeitpunkt bis zum Hirntod verlängern

Aber, was sie bisher nicht wussten: "Das intakte Gehirn eines gesunden Säugetiers enthält noch mehrere Stunden nach einem Kreislauf-Stillstand eine bislang unterschätzte Fähigkeit zur Wiederherstellung der Durchblutung und gewisser molekularer und zellulärer Aktivitäten", sagt Nenad. 

Bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass Nervenzellen ohne Blutversorgung und Sauerstoff innerhalb weniger Minuten absterben. Durch die neuen Forschungserkenntnisse stellt sich nun noch drängender die Frage, ab wann ein Mensch tatsächlich hirntot ist.

Der Zeitpunkt des Hirntods könnte möglicherweise verlängert werden, sagen die Forscher. Mehr wollen sie sich erst einmal nicht von den Erkenntnissen versprechen. Die Bioethiker Stuart Youngner und Insoo Hyun von der Case Western Reserve University in Cleveland warnen im Magazin "Nature": "Forscher sind noch weit davon entfernt, bei Menschen, die heute für tot erklärt werden, Hirnstrukturen und -funktionen wiederherzustellen." 

Quellen: "Nature"

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ame

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