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Wachkoma Wenn Menschen nicht mehr aufwachen


Der niederländische Prinz Johan Friso hat bei seinem Lawinenunfall einen schweren Hirnschaden erlitten und liegt im Wachkoma. Was ist das überhaupt? Und wie können Angehörige helfen?

Der bei einem Lawinenunglück in Österreich schwerverletzte niederländische Prinz Johan Friso hat dauerhafte "massive Schäden" im Gehirns erlitten. Es sei unklar, ob er je wieder aus dem Koma erwache, sagte der behandelnde Arzt Wolfgang Koller in Innsbruck.

Der zweitälteste Sohn von Königin Beatrix war beim Skifahren abseits der gesicherten Pisten im österreichischen Lech in Vorarlberg unter eine Lawine geraten. Zwar konnten ihn die sofort verständigten Bergretter nach 25 Minuten bergen, sein Gehirn sei wegen eines Herzstillstands jedoch 50 Minuten lang nicht mit Sauerstoff versorgt worden, so Koller.

Der Prinz befindet sich nun in einem sogenannten Wachkoma. Doch was ist das eigentlich? stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was versteht man unter Wachkoma?

Beim Wachkoma (Fachbegriff: apallisches Syndrom) fallen die Betroffenen in einen Dämmerschlaf. Ihr Zustand schwebt im Grunde zwischen einer tiefen Bewusstlosigkeit (Koma) und einem bewussten Wachsein. Da die Patienten keine Nahrung mehr zu sich nehmen können, müssen sie künstlich ernährt werden. Ansonsten haben sie aber alle vitalen Funktionen, manche reagieren sogar auf Reize.

Wann können Menschen in ein Wachkoma fallen?

Oft sind Unfälle die Ursache für ein Wachkoma - etwa, weil dadurch das Gehirn verletzt wurde oder die Sauerstoffzufuhr zum Hirn unterbrochen war. Aber auch eine Gehirnblutung, ein Schlaganfall oder ein längerer Herzstillstand können ein Wachkoma auslösen. Und oft folgt auf den Wachkoma-Zustand ein richtiges Koma.

Wie viele Wachkomapatienten gibt es?

In Deutschland fallen jedes Jahr zwischen 3000 und 5000 Menschen ins Wachkoma. Manche bleiben Wochen, manche sogar Jahre in diesem Dämmerzustand. Etwa 12.000 Patienten dämmern dauerhaft vor sich hin.

Gibt es Menschen, die wieder aufwachen?

Ja. Es gibt zahlreiche Fälle, in denen Menschen wieder aufgewacht sind. Andererseits bleiben aber auch viele von ihnen im Wachkoma und wachen gar nicht mehr auf.

Wie sollten sich Angehörige verhalten?

Je umfassender die Betreuung, umso besser. Angehörige sollten viel mit den Patienten sprechen und sich von den Pflegern zeigen lassen, wie man richtig mit den Wachkoma-Patienten umgeht. Jedoch sollten sie immer beachten, dass es Monate dauern kann, bis sich erste Erfolge zeigen. Aber: Schon kleinste Bewegungen können ein Anzeichen dafür sein, dass der Patient wieder aufwacht.

Wo bekommen Betroffene Rat und Hilfe?

Ausführliche Informationen und Beratung zum Thema gibt es beim Verband "Schädel-Hirnpatienten in Not e.V.":
www.schaedel-hirnpatienten.de Ausführliche Informationen für Angehörige von Komapatienten hat auch das Seelsorgezentrum am Klinikum der Universität München-Großhadern zusammengestellt:
www.traumland-intensivstation.de Hilfe für Familien mit Kindern im Wachkoma:
www.lumiastiftung.de

san/Reuters Reuters

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