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Mit und ohne Maßnahmen Wie sich das Coronavirus daheim, in der Kneipe und im Klassenzimmer verbreitet: drei Szenarien

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In geschlossenen Räumen ist die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus am höchsten. Wie sehr wird das Risiko durch Maßnahmen wie Masken und Lüften reduziert? 

Die spanische Zeitung "El Pais" hat simuliert, wie groß das Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus in geschlossenen Räumen ist. Dafür wurden drei Alltagsszenarien angelegt: Ein Treffen zu Hause, ein Barbesuch und Unterricht in der Schule. Die Berechnungen basieren auf dem "Covid-19 Airborne Transmission Tool" (mehr Infos zur Methodik ganz unten), das federführend vom Chemie-Professor José Luis Jiménez an der University of Colorado entwickelt wurde. Jiménez gilt als Experte für die Dynamik von Luftpartikeln. 

Und über eben jene verbreitet sich das Coronavirus vor allem, durch Tröpfchen und Schwebeteilchen. Die kleinsten Partikel, Aerosole, können sich lange in der Luft halten und sich über den ganzen Raum verteilen. Je nachdem, ob wir nur ausatmen, sprechen oder gar schreien, stoßen wir unterschiedlich viele dieser Partikel aus. Entgegenwirken kann man ihnen zum Beispiel mit dem Tragen von Masken, Lüften, Abstand halten. Auch das Zeitfenster spielt eine Rolle. 

Hintergrund: Mehr über die Ausbreitung von Aerosolen in einem geschlossenen Raum erfahren Sie im Artikel "Hohes Corona-Risiko: In welchen Situationen Abstand halten nicht mehr ausreicht" und im untenstehenden Video.

Die Autoren spielten verschiedene Situationen durch. Je nachdem, ob verschiedene Schutzmaßnahmen beachtet wurden, stieg oder sank das Infektionsrisiko in den Szenarien teils dramatisch. Untenstehend finden Sie eine Zusammenfassung. Im Originalartikel von "El Pais" (hier in Englischer Sprache zu finden) werden die Ergebnisse durch anschauliche Infografiken verdeutlicht. 

Szenario 1: Ein Treffen daheim im Wohnzimmer

Beschreibung: Sechs Leute treffen sich in einer privaten Wohnung und sitzen im Wohnzimmer. Einer von ihnen ist mit dem Coronavirus infiziert. So stellt sich die Situation dar ...

Setting

Ergebnis

... wenn vier Stunden lang keine Schutzmaßnahmen beachten werden

Alle haben sich infiziert: Selbst wenn Abstand gehalten wurde, haben die Menschen die Zeit zusammen verbracht, laut gesprochen, keine Maske getragen, nicht gelüftet

... wenn vier Stunden lang Masken getragen wurden, aber nicht gelüftet wird

Wenn Masken getragen wurden, haben haben sich dem Szenario zufolge vier Personen neu infiziert. Der Mundnasenschutz alleine bewahrt nicht vor Ansteckung, wenn man den Aerosolen so lang ausgesetzt ist

... wenn Masken getragen werden, gelüftet wird und das Treffen auf zwei Stunden beschränkt ist

Das Infektionsrisiko fällt laut der Berechnungen auf eine oder gar keine neu infizierte Person

Szenario 2: Eine Bar oder ein Restaurant

Beschreibung: In der Simulation wurde das Gästeaufkommen in einer Bar um 50 Prozent reduziert. Es sind 15 Besucher im Raum verteilt und drei Mitarbeiter hinterm Thresen. Ein Gast ist infiziert. Es gibt keine automatische Lüftung. So stellt sich die Situation dar ...

Setting

Ergebnis

... wenn vier Stunden lang keine Schutzmaßnahmen beachten werden

 In diesem Worst-Case-Szenario haben sich 14 Besucher der Bar neu infiziert, also alle bis auf einer

... wenn vier Stunden lang Masken getragen wurden*, aber nicht gelüftet wird.

Wenn Masken getragen wurden, fällt das Risiko auf acht Neuinfizierte

... wenn Masken getragen werden, gelüftet wird und die Zeit in der Bar auf zwei Stunden beschränkt ist

Das Infektionsrisiko fällt laut der Berechnungen auf eine neuinfizierte Person

* Es darf sicher davon ausgegangen werden, dass die Mundschutze zum Essen oder Trinken abgenommen wurden, dies wird jedoch nicht explizit erwähnt. Es heißt lediglich, die Masken seien "konsistent" getragen worden.

Szenario 3: Ein Klassenraum in einer Schule

Beschreibung: 24 Schüler sitzen an Einzeltischen in einem Klassenraum. Der Lehrer ist mit dem Coronavirus infiziert. So stellt sich die Situation dar ...

Setting

Ergebnis

... wenn zwei Stunden lang keine Schutzmaßnahmen beachten werden, um den Aerosolen entgegenzuwirken

Nach zwei Stunden mit einem unterrichtenden infizierten Lehrer besteht das Risiko, dass sich zwölf Schüler angesteckt haben, also die Hälfte

... wenn alle Schüler zwei Stunden lang Maske tragen

Wenn Masken getragen wurden, fällt das Risiko auf fünf Neuinfizierte. Da die Aerosole durch den ganzen unbelüfteten Raum wabern, spielt die Nähe zum Lehrer keine Rolle

... wenn Masken getragen werden, der Raum gelüftet wird und der Unterricht auf eine Stunde beschränkt ist

Das Infektionsrisiko fällt laut der Berechnungen dramatisch auf eine neuinfizierte Person oder keine

Methodik: Das "Covid-19 Airborne Transmission Tool" berechnet das Infektionsrisiko für eine Coronainfektion für ausgewählte Situationen, darunter etwa eine Fahrt im Bus, Unterricht in der Schule oder Singen im Chor. Es können verschiedene Settings simuliert werden, etwa, ob Alltagsmasken getragen werden oder nicht oder Räume belüftet sind. Laut den Machern wurde das Modell von anderen Wissenschaftlern begutachtet (sogenannte "Peer-Reviews), ist aber in seiner Genauigkeit begrenzt, weil es auf unsichere Faktoren vertraut, zum Beispiel darüber, wie viele ansteckende Partikel eine infizierte Person tatsächlich ausstößt oder wie verlässlich verschiedene Formen von Alltagsmasken tatsächlich sind. Das Modell geht außerdem davon aus, dass niemand im Setting immun ist. Das Tool kann hier heruntergeladen werden

Quellen: "El Pais", Universitiy of Colorado

rös

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