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Zulassung in USA: Ein neues Medikament soll jungen Müttern bei Wochenbett-Depressionen besser helfen

Warum junge Mütter so häufig unter Depressionen leiden, erforschen Wissenschaftler schon seit vielen Jahren. In den USA wurde jetzt ein Medikament zugelassen, das in depressiven Phasen deutlich schneller wirken soll als aktuelle Präparate. Die Sache hat allerdings einen Haken.

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Allein in Deutschland erlebt etwa jede siebte Mutter, in den Tagen und Wochen nach der Geburt depressive Momente. Sind diese stärker ausgeprägt, helfen häufig nur Antidepressiva.

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Experten schätzen, dass allein Deutschland etwa jede siebte junge Mutter in den Wochen nach der Geburt ihres Babys gegen teils schwere Depressionen kämpft. In den USA sollen rund 400.000 Frauen von der auch als Wochenbett-Depression bekannten Krankheit betroffen sein, die sehr unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Die Dunkelziffer soll deutlich höher sein. Wie die "New York Times" berichtet, hat die für Arzneimittel zuständige U.S. Food & Drug Administration am Dienstag ein Medikament zugelassen, das unter postpartaler Depression leidenden Müttern besser, und vor allem schneller, helfen soll als die Antidepressiva, die derzeit auf dem Markt angeboten werden. Demnach sei es das erste Präparat, das für diese Form der Wochenbett-Depression entwickelt wurde.

Hormon soll Aktivität in Nervenzellen dämpfen

Brexanolone könnte die neue Hoffnung für junge Mütter sein. Was verbirgt sich hinter dem Medikament, das vom US-Pharmaunternehmen Sage Therapeutics unter dem Namen Zulresso vermarktet wird? Brexalonon ist die synthetische Form des Hormons Allopregnanolon, das im Gehirn mithilfe von Progesteron produziert wird. Wie Dr. Samantha Meltzer-Brody von der University of North Carolina berichtet, kann es Depressionen und Angstzustände lindern, indem es die Aktivitäten in den Nervenzellen dämpft. Meltzer-Brody ist Direktorin des perinatalen Psychiatrieprogramms in Chapel Hill und war Leiterin der Brexanolon-Studien. 

Für die Studien verabreichten Wissenschaftler knapp 250 zufällig ausgewählten Schwangeren Brexanolon oder ein Placebo. Alle bekamen binnen sechs Monaten nach der Infusion ein Baby und klagten im letzten Drittel der Schwangerschaft oder innerhalb der ersten vier Wochen nach der Geburt über mittelschwere oder schwere Depressionen. Unter ihnen auch Frauen, die sich mit suizidalen Gedanken beschäftigten. Sowohl bei den Placebo-Patientinnen als auch bei den mit Brexanolon behandelten Frauen schwächten sich die Symptome ab, berichteten die US-Wissenschaftler.

Erste Wirkung bereits nach 48 Stunden

Im Falle von Depressionen offenbar ein typisches Phänomen, wobei die Brexanolon-Patientinnen laut Meltzer-Brody signifikant bessere Ergebnisse erzielten. Denen gelang es den Forschern zufolge dann aber, die negativen Gedanken auch einen Monat nach der Behandlung noch in Schach zu halten. Vermutlich einer der entscheidenden Punkte auf dem Weg zur Zulassung des Medikaments. Im Vergleich zu Antidepressiva, die aktuell verschrieben werden und häufig erst nach zwei Wochen zu Verbesserungen führen, soll das neue Medikament binnen 48 Stunden erste Wirkung zeigen. Wichtig: Brexanolone gelangt nur in sehr geringen Mengen in die Muttermilch. 

60 Stunden Infusion kosten 30.000 Dollar

Mindestens einen Haken hat die gute Nachricht aus den USA aber noch. Die insgesamt über zweieinhalb Tage verabreichte Infusion soll laut Sage Therapeutics rund 34.000 Dollar, derzeit knapp 30.000 Euro, kosten. Doch auch hier gibt es Hoffnung. US-Forscher tüfteln an einer Pille, die aus einem ähnlichen Molekül hergestellt wird und in klinischen Studien vielversprechende Ergebnisse erzielt hat. Bis das Medikament in dieser Form auf den Markt kommt, könnte es allerdings noch einige Jahre dauern.

In Deutschland sind rund 15 Prozent, bei knapp 800.000 Geburten also etwa 120.000 junge Mütter, von Depressionen betroffen. Wobei hier die Spanne vom eher harmlosen, sogenannten "Baby Blues", bis zu schweren psychischen Problemen reicht. Behandelt werden die Frauen hierzulande im Fall von postpartaler Depression mit Antidepressiva – Experten empfehlen aber auch therapeutische Gespräche oder Selbsthilfegruppen.

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