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Gefährlicher Schönheitstrend Wie Menschen mit Iris-Implantaten ihre Gesundheit aufs Spiel setzen

Youtube-Star Khalil Underwood hat jetzt blaue Augen
Youtube-Star Khalil Underwood (l.) hat jetzt blaue Augen
Wie krank der Schönheitswahn mancher Menschen ist, zeigt ein neuer Trend: Iris-Implantate, die ins Auge eingepflanzt werden. Eine unschöne Prozedur - und laut Medizinern höchst riskant.

Die junge Frau schaut in die Kamera und strahlt. "Ich habe Menschen mit blauen Augen schon immer beneidet." Dilan heißt die Französin, und sie erzählt auf Youtube davon, wie eine Operation ihr Leben verändert hat. Vor einiger Zeit ließ sie sich in Tunesien in beide Augen eine künstliche Iris implantieren. Nun hat sie nicht mehr braune, sondern hellblaue Augen. "Ich bin jetzt attraktiver, mehr Männer schauen mich an. Ein neues Leben hat begonnen."

Auf dem Youtube Kanal der Firma "Bright Ocular" ist Dilan eine von vielen Testimonials. Es sind überwiegend junge Menschen, die den Eingriff vornehmen lassen. Sie kommen aus allen Teilen der Welt: US-Amerikaner (darunter der bekannte Youtube-Star Khalil Underwood), Bulgaren, Neuseeländer, Brasilianer, Mexikaner, Australier. Die meisten hatten vor dem Eingriff dunkle Augen. Nun sind sie "Eisgrau", "Babyblau", "Meeresgrün", "Olivgrün" oder "Türkisgrün". Iris-Implantate haben sich binnen weniger Jahre zu einem globalen Schönheitstrend entwickelt - der große Risiken birgt.

Operationen auf Youtube zu sehen

Ein Fremdkörper, der ins Auge eingepflanzt wird? Das klingt zunächst unschön - und der Eingriff ist tatsächlich alles andere als nett anzusehen. Der behandelnde Arzt setzt mit einem Skalpell einen Schnitt in die Hornhaut. Das Silikonimplantat führt er gefaltet ins Auge ein und platziert es anschließend über der Iris.

"Das Verfahren ist ambulant, kurz, sicher und schmerzlos", schreibt "Bright Ocular" auf seiner Webseite. Angeblich dauert es nur 15 Minuten pro Auge. Nach der Operation kann es demnach zu leichtem Kratzen und Tränen am Auge kommen. "Nach ein paar Tagen sollte jegliches Unwohlsein verschwunden sein", heißt es.

Achtung, dieses Video ist nichts für schwache Nerven:

Iris-Implantate wurden ursprünglich zu medizinischen Zwecken entwickelt: Zum Beispiel für Menschen, die von Natur aus keine Iris haben oder deren Iris verletzt oder zerstört wurde. Vor einigen Jahren entwickelte ein Chirurg aus Panama die ersten kosmetischen Iris-Implantate und setzte diese auch zahlreichen Patienten ein. Aufgrund häufiger Komplikationen darf diese Art von Implantaten jedoch nicht mehr verwendet werden, wie es in einem Fachaufsatz aus dem Jahr 2015 heißt

"Ich sehe aus wie ein Vampir"

Welche Folgen ein solcher Eingriff haben kann, erzählt eine US-Amerikanerin auf Youtube. Im Jahr 2014 reiste sie nach Panama, um sich blaue Iris-Implantate einsetzen zu lassen. Nur kurz nach dem Eingriff lud sie zahlreiche Videos hoch, in denen sie anderen von der Operation abriet. 8000 Dollar kostete der Eingriff, 10.000 inklusive aller Ausgaben. Das Resultat war alles andere als so, wie sie es sich vorgestellt hatte.

"Ich sehe aus wie ein Vampir", sagt die Afro-Amerikanerin, die nun hellblaue Augen hat. Ihre Pupillen würden sich nicht mehr weiten. "Kleine Kinder haben Angst vor mir." Hinzu kämen die gesundheitlichen Probleme. "Als ich dorthin kam, fragte ich den Doktor, ob ich den Rest meines Lebens von Medikamenten abhängig sein würde. Er sagte nein. Er gab mir Augentropfen, für den Fall, dass sie sich einmal trocken anfühlen sollten."

Das klang harmlos, doch die Realität sah anders aus. Sie habe Schmerzen, ihre Augen seien lichtempfindlich und gerötet, sie sehe verschwommen. "Ich fühle mich hintergangen." Die Implantate wolle sie sich entfernen lassen, müsse jedoch erst für den Eingriff sparen, da dieser nicht von ihrer Krankenkasse übernommen werde. Ihr Rat an all jene, die über ähnliche Implantate nachdenken: "Bitte, tut das nicht!"

Entzündungen, grüner Star, Blindheit

"Bright Ocular" wirbt damit, dass die Implantate schonender und besser seien als jene, die in Panama verwendet wurden. Unbedenklich ist der Eingriff aber noch lange nicht. In den USA und Europa sind derartige Operationen nicht zugelassen, sie werden in Ländern wie der Türkei, Libanon, Jordanien oder Tunesien durchgeführt.

Mediziner warnen ausdrücklich vor den Risiken. "Ich würde jedem dringlichst davon abraten, sich so einer Prozedur zu unterziehen", sagte der renommierte Londoner Augenchirurg Ali Mearza zum stern. Die möglichen Folgen: Schäden an Hornhaut, Iris oder Linse, chronischen Entzündungen, grüner Star. "In der Literatur wird sogar von Fällen berichtet, in denen die Menschen ihr Augenlicht komplett verloren."

Wie schädlich die Implantate für das Auge sein können, zeigt ein Video: Ein Implantat wird aus dem Auge eines Patienten entfernt - zurück bleibt eine völlig deformierte Iris.

kis

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