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TV-Magazin ZDF Wiso: Das Geschäft mit den Vitaminen: So sinnlos sind Supplemente

Vitaminpillen werden zahlreiche gesundheitliche Wirkungen zugeschrieben. Doch was taugen die Präparate wirklich? Dieser Frage sind die "Wiso-Konsumagenten" nachgegangen und sagen, welche Vitamine man wirklich braucht – und wann eine Überdosis schaden kann.

Eine Vitamintablette in der Hand einer Frau

Teuer und nach Auffassung der TV-Experten überwiegend sinnlos: Vitaminpräparate

Brausetabletten mit Vitamin C, Kapseln mit Magnesium oder Kombi-Präparate: Der Markt für Vitaminpillen ist groß und kaum zu überblicken. Die Hersteller bewerben ihre Produkte meist offensiv und stellen auch gesundheitliche Wirkungen in Aussicht. Einige Tabletten sollen für volleres Haar sorgen, andere die Leistungsfähigkeit steigern oder das Immunsystem unterstützen. Die "Wiso-Konsumagenten" des ZDF sind diesen Versprechen nachgegangen und haben mit Ernährungswissenschaftlern gesprochen: Wie sinnvoll sind die Supplemente wirklich? Braucht man die oft teuren Präparate überhaupt?

Fakt ist: Vitamine sind lebensnotwendig. Die organischen Substanzen sind an vielen wichtigen Abläufen des Körpers beteiligt. Sie sind beispielsweise unerlässlich für den Stoffwechsel, die Knochen und das Gewebe. Vitamine können meist nicht vom Körper selbst gebildet werden und müssen daher über die Nahrung zugeführt werden. Eine Ausnahme ist Vitamin D: Der Körper bildet die Substanz mittels Sonnenlicht in der Haut.

Vitaminmangel heutzutage kaum noch ein Problem

Wer über einen längeren Zeitraum zu wenige Vitamine zu sich nimmt, kann krank werden. Das bekannteste Beispiel hierfür ist die Seefahrerkrankheit Skorbut: Weil sich Matrosen in früheren Zeiten mangels Konservierung nur von Pökelfleisch und Zwieback ernähren konnten, fehlte ihnen das Vitamin C. Nach einigen Monaten auf See bekamen sie deshalb Fieber, Zahnfleischbluten und Schwindelanfälle. Die Symptome konnten allerdings gut durch die Gabe von Vitamin C-haltigen Zitrusfrüchten behandelt werden.

In Industrieländern spielen Skorbut und auch andere Vitamin-Mangelzustände kaum noch eine Rolle. Der Grund hierfür ist die gute Versorgung mit Lebensmitteln: Frisches Obst, Gemüse und Vollkornprodukte stehen rund um das Jahr zur Verfügung. In Deutschland gebe es keinen Vitaminmangel, "der klinisch relevant wäre", erklärt ein Sprecher des Max-Rubner-Instituts auf Wiso-Anfrage. Anderweitige Behauptungen würden gezielt durch die Hersteller der Präparate gestreut und so Geschäftsinteressen verfolgt. Der Rat des Experten: Wer sich ausgewogen ernährt, muss sich nicht zusätzlich mit Vitaminpräparaten eindecken.

Diese Meinung teilt auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): "Deutschland ist kein Vitaminmangelland", heißt es etwa auf deren Homepage. Krankheiten im Zusammenhang mit zu wenigen Vitaminen seien deshalb "äußerst selten". Ein Sonderfall sei jedoch Vitamin D. Da in den Wintermonaten die Sonneneinstrahlung nicht ausreicht, um den Stoff in der Haut zu bilden, könnte es bis zum Frühjahr zu einem vorübergehenden Mangel kommen. Auch mit zunehmendem Alter lässt die Fähigkeit der Haut nach, Vitamin D zu bilden. Ob die Einnahme eines Vitamin D-Präparats im Einzelfall sinnvoll ist, kann im Gespräch mit dem Hausarzt geklärt werden.

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Zu viele Vitamine können auch schaden

Die "Wiso"-Experten raten, Nahrungsergänzungsmittel nur nach Rücksprache mit dem Arzt einzunehmen. Denn ein zu viel an Vitaminen kann mitunter mehr schaden als nutzen. Wer beispielsweise zu viel Vitamin A aufnimmt, kann Kopfschmerzen bekommen. Eine Überdosis Vitamin D führt zu Vergiftungserscheinungen und trägt dazu bei, dass Organe verkalken. Dafür müssen allerdings beträchtliche Mengen des Stoffes eingenommen werden.

Ebenfalls kritisch sehen die befragten Experten den Zusatz von Vitaminen in Fruchtbonbons und Süßigkeiten. Dabei handele es sich um nichts anderes als einen "Werbegag", erklärt eine Ernährungswissenschaftlerin. Zugesetzte Vitamine sollen an sich ungesunden Lebensmitteln einen gesunden Anstrich verleihen und zum Kauf anregen. Zur Gesundheit tragen sie jedoch nicht bei.

Auch die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch kritisiert bereits seit längerem den Zusatz von Vitaminen in Süßigkeiten. In einer Untersuchung mit 214 Produkten erfüllten fast 90 Prozent nicht die WHO-Kriterien für ausgewogene Lebensmittel: Sie waren entweder zu süß, zu fettig oder zu salzig.

ikr

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