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Zähne: Loch an Loch

Ihr Schmelz ist die härteste Substanz, die der Körper bilden kann - aber selbst den kriegen wir kaputt. Millionen Deutsche leiden an Karies und Parodontitis.

Der Generalangriff beginnt in dem Moment, in dem der Mahlzahn das Halbdunkel der Mundhöhle erblickt. Er kommt in feindliches Terrain. An die 500 Arten von Bakterien hausen hier, bis zu einer Milliarde in einem Milliliter Speichel. Säuren verrichten ihr Zerstörungswerk. Und gewaltige Kräfte wirken auf den Zahn ein. Während eines 50-jährigen Daseins wird er mehr als 20 Tonnen Nahrung in annähernd hunderttausend Mahlzeiten zerkleinern müssen.

Eigentlich ist er für diesen Kampf gut gerüstet. Zähne und Kiefer sind so stark, dass ein Erwachsener damit problemlos ein Gewicht von 80 Kilogramm halten kann. Und während etwa die Hände nicht in der Lage sind, ein Steak zu zerteilen, ist das für intakte Zähne eine leichte Übung. Der Schmelz auf der Zahnoberfläche ist die härteste Substanz, die der menschliche Körper bildet. Er besteht aus Mineralkristallen, hauptsächlich aus Calcium und Phosphor. Aber er enthält keine lebenden Strukturen, kann sich also nicht regenerieren: Ein abgebrochenes oder von Karies zerfressenes Stück Zahnschmelz ist unwiederbringlich dahin. Das kann die Biografie unseres Mahlzahns, der auch Backenzahn oder - im Fachjargon - Molar genannt wird, aufs Unerfreulichste verkürzen.

Kariesfrei bleibt meist fromme Hoffnung

Etwa im sechsten Lebensjahr des Menschen bricht der erste bleibende Molar hinter den Zähnen des Milchgebisses durch das Zahnfleisch. Wie die anderen 31 Zähne unserer zweiten Kaugarnitur soll er ein Leben lang halten. So umfangreich sind die Kenntnisse der Zahnmedizin, so ausgefeilt die Angebote der Prophylaxe, so variantenreich die Möglichkeiten der Therapie, dass dieses Ziel keine Utopie mehr ist - aber bei den meisten Menschen dennoch, wie jedermann weiß, eine fromme Hoffnung bleibt. Bräuchte es sonst einen "Club der Cariesfreien", dessen Mitglieder ihr jungfräuliches Gebiss zum Vereinszweck erhoben haben und der von Zahnpasta-Herstellern dabei begeistert unterstützt wird?

Nein, Karies - der deutsche Begriff "Zahnfäule" klingt unangenehm drastisch - ist bei Molaren die Regel und auch im Rest des Gebisses häufig. Dabei wirken drei Ursachen zusammen: der Zahn und seine Umgebung, die Bakterien im Biotop Mundhöhle sowie die Nahrung.

Hat unser Beispiel-Molar tief eingezogene Rillen auf den Kauflächen, so genannte Fissuren, ist er schon gefährdet. Besiedeln besonders viele Bakterien, darunter vor allem der üble Streptococcus mutans, die Mundhöhle, fördert auch das die Zahnfäule. Dient schließlich der Mund häufig als Transitbahnhof für Karamelbonbons, Bananen und Cola, ist Karies die logische Konsequenz. Das hält der stärkste Molar nicht aus.

Streptococcus mutans liebt Zucker

Und so nimmt das Drama seinen Anfang: Im Zahnbelag, der aus den eiweißhaltigen Ablagerungen des Speichels besteht, siedeln sich Bakterien an. Sie überlagern sich in immer mehr Schichten, heißen jetzt Plaque, wobei die Sauerstoffkonzentration in diesem Belag zum Zahn hin immer weiter abnimmt. Das liebt der Streptococcus mutans: Er ernährt sich vorzugsweise von Zucker - nicht nur Haushalts-, sondern auch Frucht- und Traubenzucker -, verdaut aber auch andere Kohlenhydrate etwa aus Nudeln. Und er scheidet Milchsäure aus, die dem Zahnschmelz heftig zusetzt.

Die Säure löst zunächst die Mineralkristalle aus dem Schmelz, wodurch dieser porös wird. Die ätzende Substanz kann nun in tiefere Schichten eindringen und dort Calcium und Phosphor freisetzen. Der Schmelz bekommt kreidig-weiße Flecken. Nach einiger Zeit sind diese Flecken so mürbe, dass die Oberfläche einbricht: Das Loch ist da, und seine rauen Ränder sind wiederum ideale Nistplätze für Bakterien, die in bewährter Manier weitermachen - unterstützt durch Lakritz, Trockenfrüchte und Honigbrote. Unser Molar hat seine Jungfräulichkeit verloren. Er mag gerade drei Jahre alt sein.

Dabei wäre es gar nicht so schwer gewesen, ihm seine Unschuld zu erhalten. Er hatte ja Verbündete:

Den Speichel

Er enthält Mineralstoffe, die beginnender Karies entgegenwirken können, sowie Substanzen, die in der Lage sind, Säuren in der Mundhöhle unschädlich zu machen. Alles, was den Speichelfluss anregt, hilft den Zähnen (zum Beispiel Kaugummis, allerdings zuckerfrei!). Das Zähneputzen zur Nacht ist deswegen so wichtig, weil nachts viel weniger Speichel produziert wird, Säuren also ungehemmter ätzen können.

Zahnbürste, Zahnseide und Zahnpasta

Ein sauberer Zahn, dreimal am Tag nach den Hauptmahlzeiten gründlich geputzt, bekommt keine Karies. Zudem härtet das Fluorid in der Reinigungscreme den Zahnschmelz. Fluoridtabletten für Kinder haben sich dank der weiten Verbreitung fluoridierter Zahnpasten als überflüssig herausgestellt, sie sollten nur noch in Ausnahmefällen verordnet werden.

Die Eltern

Idealerweise lutschen sie weder Schnuller noch Löffel ab, damit keine Streptococcus mutans von ihrem Mund in den ihres Kindes umziehen. Sorgen sie außerdem dafür, dass der Sprössling sich regelmäßig und gründlich die Zähne putzt, ausreichend Calcium für den Aufbau von Kieferknochen und Zahnsubstanz zu sich nimmt und gesunde Sachen isst, sinkt das Kariesrisiko drastisch. Dabei kommt es nicht nur auf den weitgehenden Verzicht auf Süßigkeiten an, sondern auch darauf, wie oft das Kind isst und trinkt. Fünf Mahlzeiten am Tag sind optimal, aber prinzipiell gilt: Je häufiger die Bakterien in der Mundhöhle Nachschub bekommen, umso heftiger können die Säuren ätzen.

Den Zahnarzt

Wenn er gut ist, versiegelt er die Fissuren in den Kauflächen, um die Angriffspunkte für Karies zu reduzieren. Er kümmert sich schon um kleinste Beschädigungen des Zahnschmelzes, die so genannten kleinen Demineralisationen oder Läsionen. Er versorgt schon die ersten Zähne wie die bleibenden, weil die Bakterien, die einen faulenden Milchzahn besiedeln, auch jeden bleibenden Zahn, der durchbricht, sofort attackieren. Ein intaktes Milchgebiss hat entscheidende Bedeutung für die weitere Entwicklung eines Kindes: Es begünstigt die Entwicklung des Kiefers, der Sprache und des Essverhaltens.

Wird er von vornherein von Eltern, Kind und Fachmann richtig versorgt, kann ein Molar ein Leben lang seinen Dienst verrichten (das älteste Mitglied im "Club der Cariesfreien" ist 78 Jahre alt). Ein gewaltiger Fortschritt: Erst seit dem 19. Jahrhundert gehört Zahnhygiene überhaupt zum festen Bestandteil der Körperpflege. Noch im 18. Jahrhundert galten Männer, die zur Bürste griffen, als dekadent.

Vor allem die ausgefeilte Prophylaxe, die in Deutschland Kindern zuteil wird, hilft so manchem Molar durch die ersten Jahre. So ist bei Zwölfjährigen dank gründlicher Schulungen in Mundhygiene und regelmäßiger Untersuchungen beim Zahnarzt der Kariesbefall zwischen 1989 und 1999 um 56 Prozent zurückgegangen. Aber im Erwachsenenalter endet offenbar die Sorgfalt: Höchstens zwei Drittel aller Deutschen putzt sich zweimal täglich die Zähne, klagen Zahnmediziner. Zwölf Zähne mit Defekten trägt der Durchschnittsdeutsche im Mund, statt sechs Zahnbürsten pro Jahr kauft er nur 1,4. Und lediglich in 14 Prozent der Haushalte wird mit Zahnseide gefädelt. So ist die weitere Karriere unseres Molars vorgezeichnet: ein Leidensweg.

Dann kommt der Schmerz

Ist das erste Loch da, haben die Karies-Bakterien schnell das Zahnbein erreicht - dann kommt der Schmerz. Der Zahnarzt bohrt den von Fäule zerfressenen Teil des Molars heraus und füllt die Lücke. Das dafür seit dem 19. Jahrhundert verwendete Amalgam ist allerdings ins Gerede gekommen: Es sieht hässlich aus und enthält zudem Quecksilber - Nachteile, die den Vorzug seiner langen Haltbarkeit (acht bis zehn Jahre) in den Hintergrund gerückt haben. Gesundheitlich unverdächtig sind Füllungen aus Kunststoff. Sie kosten etwa 150 Euro pro Zahn und gehören bei den Frontzähnen zu den Mitteln der Wahl, taugen aber für Backenzähne nur bedingt, weil sie längst nicht so haltbar sind wie Amalgam. Die Alternative hier: Inlays aus Gold oder Keramik, gegossene Füllungen, die nahtlos in den Zahn eingepasst werden.

Inlays aus Gold werden ebenfalls seit hundert Jahren eingesetzt. Sie sind mit einer Haltbarkeit von bis zu 15 Jahren nicht nur die widerstandsfähigsten, sondern zugleich besonders gewebeverträglich. Ihr Nachteil: Sie blitzen auffällig, wenn man den Mund aufmacht und kosten ab etwa 200 Euro pro Zahn. Inlays aus Keramik entsprechen perfekt dem Ideal vom jungfräulichen Gebiss. Sie sind allerdings stärker bruchgefährdet als Goldfüllungen und kosten noch mehr: ab etwa 250 Euro aufwärts.

Jedes Loch schwächt die Substanz

Je besser unser angegriffener Molar versorgt wird, umso günstiger für seine Lebenserwartung. Jedes Loch, das gefüllt, jede Füllung, die gegen eine neue ausgetauscht werden muss, schwächt seine Substanz. Irgendwann ist dann der kritische Punkt erreicht, an dem die Zahnfäule den Nerv erreicht hat. Er entzündet sich, und eine Wurzelbehandlung wird fällig: Der Zahnarzt muss den Nerv aus den Wurzelkanälen herausholen.

Dazu gibt es keine Alternative. Nicht nur, dass Zahnentzündungen unerträgliche Schmerzen auslösen können, von hier aus gelangen auch Bakterien und Giftstoffe über die Blutbahn in den ganzen Körper. Besonders, wenn die Abwehr geschwächt ist, können so Nierenleiden, Gelenk- und Kopfschmerzen sowie gefährliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstehen. Wahrlich Grund genug, den vergifteten, entzündeten Nerv auszukratzen.

Aber was bedeutet das? Der Molar haucht sein Leben aus. Von jetzt an ist er ein toter Zahn. Er wird nicht mehr versorgt und färbt sich irgendwann schwarz. Damit er nicht als unansehnlicher Stumpen den Anblick des Gebisses versaut, muss er überkront werden: je nach Geschmack und Geldbeutel mit einer Goldkrone ab etwa 300 Euro oder mit einer Keramikkrone ab etwa 750 Euro. So kann der dahingeschiedene Molar, anständige Pflege vorausgesetzt, etliche Jahre weiter Fleisch zerkleinern und auf Nüssen herumknacken.

Heute weiß man, dass ein wurzelbehandelter eigener Zahn deutlich größere Belastungen aushält als ein Implantat oder eine Brücke. Die in den sechziger und siebziger Jahren geübte Praxis, tote Zähne grundsätzlich gegen Zahnersatz auszutauschen, hat sich inzwischen weitgehend erledigt und gilt Fachleuten vor allem als Rezept, dem Zahnarzt das Konto zu füllen. Heute werden deutlich mehr Zähne erhalten als früher.

Mundgeruch aus der Zahnfleischtasche

Allerdings droht dem überkronten Molar weitere Gefahr: Parodontitis, die Entzündung des Zahnfleisches, landläufig Parodontose genannt (womit Ärzte den tatsächlichen Schwund des Zahnfleisches und -betts bezeichnen). Schon bei 35- bis 40-Jährigen ist sie die häufigste Ursache für den Verlust von Zähnen. Jeder weiß, welches Symptom die Parodontitis ankündigt: Zahnfleischbluten. Die Bakterien im Plaque greifen nämlich nicht nur den Schmelz an, sondern auch das Zahnfleisch. Es rötet sich, schwillt an, schmerzt, lässt um die Zähne herum kleine Taschen entstehen, im fortgeschrittenen Stadium sorgt es für kräftigen Mundgeruch.

Es ist eine Mär, dass übler Atem bei den meisten geplagten Zeitgenossen aus dem Magen aufsteige. In der Regel sind Bakterien in der Mundhöhle schuld, die sich mit Vorliebe auf der Zunge, aber auch gern auf Speiseresten tummeln, welche sich in Zahnzwischenräumen und Zahnfleischtaschen festgesetzt haben - zumeist als Ergebnis von Parodontitis.

Raus mit dem Störenfried

Wird diese nicht behandelt, greifen die von den Bakterien ausgeschiedenen Giftstoffe die Wurzelhaut des Zahns an und schwächen damit seinen Halt im Zahnbett. So können weitere Taschen entstehen, die Infektion verstärkt sich. Und jetzt beginnt das Immunsystem des Körpers sich zu wehren: Es baut den Halteapparat des Zahns weiter ab, um den Herd der Infektion loszuwerden: raus mit dem Störenfried.

Schade um ihn. Schließlich ist ein Molar eigentlich ein anspruchsloser Verbündeter: Er zerkleinert klaglos Tonnen von Nahrung, sieht gut aus, kostet kein Geld und tut nicht weh. Dafür will er jeden Tag ausführlich geputzt werden, die Nachbarschaft mit Zahnseide gereinigt sehen und würde gern alle sechs Monate dem Zahnarzt vorgeführt. Das ist doch ein fairer Deal, oder?

Sven Rohde; Mitarbeit: Ingrid Lorbach Beratung: Dr. Lutz Laurisch, Zahnarzt und Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(