HOME

"Panikparty" in Düsseldorf: Udo Lindenberg vergrätzt 45.000 Fans

Frust bei Fans des Panikrockers: Udo Lindenbergs Auftakt-Konzert zu seiner ersten Stadiontour begann mit drei Stunden Verspätung. Er ließ 45.000 Zuschauer warten. Dafür gab es Pfeif-Konzerte.

Panikrocker Udo Lindenberg hat bei seinem Tour-Auftakt in Düsseldorf für reichlich Unmut bei seinen Fans gesorgt: 45.000 Zuschauer seiner "Panikparty" mussten drei Stunden warten, bevor das Konzert losging, berichtet RP Online. Eigentlich sollte es um 18 Uhr losgehen, damit auch Kinder und Rentner die Rockshow besuchen könnten, die früh zu Hause sein wollten oder mussten. Doch schnell stellte sich bei vielen Frust ein, als Lindenberg immer länger auf sich warten ließ. Zunächst wurde ein Auftritt einer Vorband angekündigt, einen Grund für die Verspätung erfuhren die Konzertgäste aber nicht. Zwischenzeitlich gab es Pfeifkonzerte der verärgerten Fans, bis Panikrocker Udo sich gegen 21 Uhr auf die Bühne begab. Als die spektakuläre und symbolgeladene Show endlich begann, hatten einige Fans ihre Karten zurückgegeben und das Konzertgelände bereits wieder verlassen.

Auf Facebook schrieb der Altrocker später: "Tut mir ja echt leid, ich würde meine Fans nie warten lassen." Er habe die Ansage gehabt, die Panik-Show starte um 21.00 Uhr. Von dem Debakel habe er hinter der Bühne "gar nix mitgekriegt".

Für Lindenberg war der Auftritt am Samstagabend der Start der ersten Stadion-Tournee seiner jahrzehntelangen Musikkarriere. Während sich ein riesiger Schiffsdampfer aus einem tosenden Meer heraus auf die Bühne schob, schwebte der 68-jährige Deutschrockstar zum Song "Odyssee" in einer Stahlgondel über die Fans hinweg auf die Bühne der ausverkauften Düsseldorfer Esprit Arena. Der "Rockliner" hatte angelegt - und mit ihm das legendäre Panikorchester sowie eine riesige Crew aus Tänzern und Musikern, um bei hochsommerlichen Temperaturen ein rund dreistündiges Rockspektakel zu feiern.

"Ein panikhistorisches Wochenende"

"Es ist ein panikhistorisches Wochenende", sagte Lindenberg zum Start seines ersten von zwei Shows am Samstag und Sonntagabend in Düsseldorf. Mit der Stadiontour ist für den 1946 in Gronau geborenen Musiker ein "westfälisch-amerikanischer Traum" in Erfüllung gegangen, der die seit seinem Comeback mit dem Album "Start wie Zwei" anhaltende Erfolgswelle krönt.

Das Konzert gestaltete sich als eine Reise durch die lange Musikkarriere Lindenbergs, der mit dem Konzert an die Wurzeln seines beruflichen Weges zurückkehrte. Als Page, Tellerwäscher und Liftboy hatte er 1962 im Hotel Breidenbacher Hof seine berufliche Laufbahn gestartet, um von dort aus - zunächst als Schlagzeuger und später als Sänger - die deutschsprachige Rockszene zu erobern. Seine ersten großen Erfolge aus den 1970er sind auch heute noch präsent - begeistert sangen die Fans unter anderem bei "Alles klar auf der Andrea Doria" oder "Cello" mit, das Udo Lindenberg gemeinsam mit Popsänger Clueso vortrug.

Wie schon bei seinem MTV-Unplugged-Auftritt 2011 im Hamburger Hotel Atlantic, deren Aufzeichnung sich zu einem großen Verkaufserfolg entwickelte, hatte Lindenberg auch am Samstagabend wieder zahlreiche Gäste mitgebracht. Neben Clueso waren unter anderem Peter Maffay, Max Herre, Helge Schneider und Otto Waalkes mit von der Partie.

Lindenberg: "Betreutes Rocken"

Im Gegensatz zum eher ruhigen Unplugged-Auftritt ließ es Lindenberg bei seiner ersten Stadion-Tour richtig krachen. Musikalisch bestimmt war der Auftritt vom vollen Rocksound seines Panikorchesters – und natürlich dem gewohnt schnoddrigen Gesang Lindenbergs. Der Panikrocker zeigte, dass trotz gehobenem Rockeralters noch jede Menge Energie in ihm steckt. Nahezu unermüdlich tanzte und rannte er schwitzend mit schwarzer Sonnenbrille und Hut über die Bühne. Zwischenzeitlich ölte er sich dann mit Eierlikör seine Stimmbänder, gönnte sich eine Zigarre oder holte sich von seinen knapp bekleideten Tänzerinnen Küsse ein.

Wiederholt nahm er aber auch sein Alter auf die Schippe, unter anderem als er sich zu seinem Song "Der Greis ist heiß" mit Otto Waalkes und einer Truppe Senioren im Rollstuhl über die Bühne schieben ließ.

"Betreutes Rocken" betitelte Lindenberg in einer Ansprache sein Konzertkonzept, das mit vielen spektakulären Einlagen aufwartete. Zum Song "Gerhard Gösebrecht" ließ er etwa ein Ufo mit Aliens vonStadiondecke auf die Bühne herunterschweben, zur "Klavierlehrerin" spielte ein Matrose an einem aufblasbaren Riesenklavier - und am Ende der Show durften natürlich auch Feuerfontänen nicht fehlen.

Zudem zeigte sich Lindenberg jedoch auch als politischer Künstler. Gemeinsam mit Max Herre propagierte er eine "Bunte Republik Deutschland", mit Gast Peter Maffay rockte er gegen Rechtsextremismus und mit einem Kinderchor stimmte der das Friedenslied "Wozu sind Kriege da?" an. Für Pfingstmontag kündigte er zudem einen Auftritt bei einem Gedenkkonzert zum 10. Jahrestag des Nagelbombenanschlags in der Köln-Mülheimer Keupstraße an.

mka/DPA / DPA