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TV-Kritik

"Sommerhaus der Stars": Sex, Silikon-Brüste und abgesaugtes Fett - oder: Weiter runter geht's nicht

Im "Sommerhaus" tummelt sich wieder alles, was keinen Rang und Namen hat. Die Gespräche der "Stars" drehen sich um Sex, Silikon-Brüste und abgesaugtes Fett. Weiter runter geht's nicht.

Von Mark Stöhr

Sommerhas der Stars

Preisfrage (ohne Preis): Wie schäumt man die Milch für seinen Latte Macchiato ohne Aufschäumer? Mit dem Finger – falsch. Mit dem Löffel – lächerlich. Richtig ist: Man hält einen Pürierstab tief in den Milchtopf und schaltet ihn auf die maximale Stufe. Das spritzt wie Sau und macht tierisch Lärm, garantiert aber einen wunderbaren Morgenlatte. So kann der Tag beginnen – im Sommerhaus in Portugal, wo ein paar fertige deutsche Touristen abgestiegen sind.

Lärm, Latte, Abstieg – das sind die drei Stützpfeiler, auf denen dieses bankrotte, durch und durch verkommene Fernseh-Universum aufgebaut ist. Die Hausbewohner schreien sich meistens an, und wenn sie mal sprechen, sprechen sie über Sex oder Brust-OPs. Alle wissen: Weiter runter geht’s nicht mehr. Wer im Sommerhaus eincheckt, ist im untersten Untergeschoss angekommen. Zehn Etagen unterm Dschungelcamp, fünf unter "Promi Big Brother", eine über der Hölle. Ihr armen, armen Menschen.

Latin Labersack Aurelio

Das schlägt natürlich auf die Stimmung. Privat scheitern ist schon schlecht. In aller Öffentlichkeit mit der Karre im Dreck stecken, führt zu irrationalen Dynamiken. Vor allem Aurelio Savina, von anderen Müll-Formaten bereits gut eingeführt als Latin Labersack, ging bereits in der Auftaktfolge auf dem Zahnfleisch.

Erst pumpte er sich auf, als seine Begleitung, eine österreichische, auf stumm geschaltete Silikon-Sissi, von einem Schlagersänger – zum Googeln echt zu billig – vermeintlich zum Geschlechtsakt eingeladen wurde („Isch kann net schlafe“). Um dann, puff, zu explodieren, als ihn eine Schlagersängerin – nie gesehen, Name sofort vergessen – darauf hinwies, dass er seinen Käsekuchenteller wegräumen soll. Saubere Replik von Mister Stumpfsinn: „Erziehe deine Zunge!“

Die erste Frage, die sich bei solchen Shows stellt, ist immer: Wer sind diese Leute? Wo kommen die her? Was machen die beruflich? Gut, Giulia Siegel, Autorin eines Sex-Ratgebers („Quick-Change-Löchern finden viele Frauen eklig“), kennt man. Auch Nico Schwanz, Erstplatzierter beim großen Nacktrodeln in Altenberg 2013, ist Boulevardfans ein Begriff. Bei seiner On-Off-Freundin Saskia Sonstwie hört es aber schon auf. Sie litt früher, erfuhr man, sehr unter ihren Brüsten, weil sie nach unten zeigten. Jetzt zeigen sie nach oben. Außerdem ließ sie sich fünf Kilo Fett aus den Oberschenkeln absaugen. Ihre Denkgeschwindigkeit wirkt insgesamt reduziert.

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Der Poolbereich des "Sommerhaus der Stars"

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Die Semmelrogges müssen vom "Sommerhaus" zurück in die Privatinsolvenz

Rasch stellte sich heraus, dass diese Leute sich nicht mal gegenseitig kennen. Als der Schauspieler Martin Semmelrogge, immerhin bekannt durch seine Rolle als Bösewicht Cornel Brinkley bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg 2009, den Berg zum Haus hochschnaufte, rief jemand: „Da kommt Peter Maffay!“

Die Semmelrogges hatten sowieso einen schweren Stand. Insbesondere Sonja Semmelrogge trampelte dem Rest der Sommerfrischler geradezu mit Skischuhen auf den Nerven rum. Was für ein Bunker sprengendes Organ! Sie war es auch, die den Einfall mit dem Pürierstab hatte. Morgens um sieben.

Von Anfang an schlüpfte sie in die Rolle der Ich-weiß-gar-nicht-was ich-hier-soll-Intellektuellen. Damit macht man sich in Gruppenzusammenhängen ja traditionell sehr beliebt. Als sie wie aus dem Nichts den Schopenhauerischen Satz „Der Horror liegt immer bei den Menschen“ auf ihre sexsüchtigen und schönheitsoperierten WG-Kollegen losließ, herrschte tiefe Ratlosigkeit. Nico Schwanz, Mr. Model of the World 2003, konnte sich den philosophischen Anfall nur mit Alkohol erklären: „Sag mal, hast du den Kanal schon voll?“

Die Semmelrogges mussten bereits nach der ersten Folge wieder ihre Sachen packen. Zurück in die Privatinsolvenz, zurück in ihre bescheidene Finca auf Mallorca, wo sie sich, glaubt man Uwe Ochsenknecht, genüsslich schmatzend in ihre geklauten Gartenmöbel sinken lassen. Den Tagessieg trugen gestern Helena Fürst und ihr schmieriger Schlagerheini („Wir tanzen Cha Cha Cha, oh ja ja ja“) davon. Sie konnten bei einem Deppenspiel die meisten Fragen richtig beantworten. Fragen der Kategorie: Wie viele der deutschen Männer wechseln jeden Tag ihre Unterhosen? 62 Prozent übrigens. 38 Prozent also nicht. Es geht immer noch schlimmer.

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