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Auf der Hollywoodschaukel mit... Clueso: "Perfekt ist der Sommer, an den man sich erinnert"

Was war der Sommer ihres Lebens? Sänger Clueso übers Chillen auf dem Autodach, öffene Türen und die perfekte Party.

Auf der Hollywoodschaukel: Clueso: Der Sommer meines Lebens

Clueso, aka Thomas Hübner, ist gerade mal 34 Jahre alt, stammt aber schon aus dem vergangenen Jahrhundert. Ende der Neunziger hat der Erfurter angefangen, Musik zu machen. Unter Vertrag genommen wurde er 2000. Über die erfolgreichen Jahre wurde der HipHopper zum Singer-Songwriter, er war Vorband von Herbert Grönemeyer und den Fantastischen Vier, und er hat mit Udo Lindenberg gesungen. Gerade erscheint sein achtes Album: "Stadtrandlichter".

Kommt der Name tatsächlich von Inspektor Clouseau?

Ja, den haben mir Freunde gegeben, weil ich extrem tolpatschig bin. Sie meinten, der passt zu mir, weil ich trotzdem am Ende immer zum Ziel komme. Das sei voll Clouseau-mäßig.

Was war denn Ihr bisher größtes Missgeschick?

Ich habe mal im Studio bei jemand anderem ein Bier übers Mischpult geschüttet. Das war das teuerste und schlimmste. Aber eigentlich meint "Clouseau-mäßig" eher eine Bauchsache: Zuerst kann man mir nicht folgen, aber am Ende geht es immer auf.

Das Goethe-Institut hat Sie mal um die Welt geschickt. Wie fühlt man sich als Kulturbotschafter?

Sehr gut! Weil ich immer Sachen machen konnte, die die Autoritäten vor Ort nicht machen konnten. Ich hatte den Künstlerbonus. Ich habe mit Schülern Workshops gemacht. Die wussten sofort, wer ich bin. Schön war auch, dass der Lehrer ja bisher mein Feind war, und jetzt stand ich plötzlich selbst da und wollte den Schülern etwas beibringen – nämlich eine Fremdsprache und Wissen über Deutschland: dass wir hier nicht nur Lederhosen tragen und dass es nicht nur Adolf Hitler gab, sondern dass wir eine schöne Kultur haben, dass es Musik gibt und Kunst. Das hat mir schon Spaß gemacht.

Das neue Album erscheint erstmals auf Ihrem eigenen Label. Was bedeutet das für die Musik?

Für die Musik erstmal gar nicht so viel, aber da geht ein Raum auf, der kreativer ist als bisher. Das ist eine Spielwiese und die Möglichkeit, dass ich mit meinen Freunden rund um die Musik alles frei entscheiden kann. Es ist aber auch ein schwieriger Weg, denn es gibt nicht mehr die anderen, sondern nur noch uns. Wir achten sehr auf die Marke Clueso, denn ich habe keinen Bock, für 1-Euro-Burger Werbung zu machen. Ich nehme lieber die Route durch schönere Landschaften und arbeite mehr. Das ist es mir wert.

Was ist Ihre liebste Sommerbeschäftigung?

Eigentlich Musikmachen, egal ob Sommer oder Winter. Aber ich liebe es, im Sommer die Türen offen zu lassen, draußen zu sitzen, am liebsten am Abend, wenn die ganzen Fragen im Kopf aufhören, wenn die Berühmtheit keine Rolle mehr spielt und ich keine Antworten mehr geben muss. Dann kann ich einfach Musik machen.

Haben Sie einen Sommerlieblingssong? Gern auch was Peinliches?

Ist nicht so peinlich, aber "It's Automatic" von Zoot Woman. Ein Freund hatte einen alten Feuerwehrbus gekauft, wir haben eine Anlage reingeschmissen, sind auf sämtliche Feldwege rund um Erfurt gefahren und haben da gechillt oder auch mal auf dem Dach übernachtet.

War das der perfekte Sommer?

Perfekt ist immer der Sommer, an den man sich erinnert. Und der Sommer, bei dem man es gar nicht merkt, dass er perfekt ist. Das ist wie die perfekte Party: Das ist nie Silvester, sondern die ungeplante Party. Und am nächsten Tag denkt man "Mensch, war das geil".