VG-Wort Pixel

Frankfurter Buchmesse "Für mich untragbar": Grünen-Politikerin Touré wütend über Debatte um rechten Verlag

Aminata Touré
Die Grünen-Politikerin Aminata Touré hat sich mit deutlichen Worten zur Buchmesse geäußert
© Marcus Brandt/ / Picture Alliance
Mit einem emotionalen Statement auf Instagram hat die Grünen-Politikerin Aminata Touré auf den Punkt gebracht, worum es in der Debatte um einen rechten Verlag auf der Buchmesse geht. Warum sie die Veranstaltung wohl trotzdem nicht boykottieren wird.

Wirbel um die Frankfurter Buchmesse: Gleich mehrere prominente Gäste haben ihren Auftritt dort kurzfristig abgesagt, darunter der Influencer Riccardo Simonetti und die Schauspielerin Nikeata Thompson. Sie zeigen sich so solidarisch mit der schwarzen Autorin und Aktivistin Jasmina Kuhnke, die aus Angst vor rechtsextremen Übergriffen ihre Zusage zurücknahm. Nun hat sich die Grünen-Politikerin Aminata Touré auf Instagram zu der Debatte geäußert.

"Ich habe eine Wut im Bauch", begann sie einen langen, emotionalen Post. Dann deklinierte die Vizepräsidentin des Landtags in Schleswig-Holstein anschaulich durch, warum die Situation so fatal ist. "Die Dynamik, die nun entsteht, ist folgende: Gerade Schwarze und POC Autor*innen sind vor die Wahl gestellt, solidarisch zu sein, indem sie absagen und unsolidarisch, indem sie teilnehmen. Die Unmöglichkeit von Schattierungen bedeutet das. Es bedeutet, dass gerade diejenigen, die an solchen Orten sonst nicht stattfinden und diesmal vermehrt die Möglichkeit gehabt hätten, es wahrscheinlich nicht tun werden", schrieb Touré. Das sei traurig.

Es mache sie wütend, dass es vor allem schwarze Frauen seien, die jetzt vor diese Entscheidung gestellt würden, Kämpfe, die eigentlich die gesamte Gesellschaft führen sollten, alleine zu führen. Diese Frauen könnten nun nicht ihr Buch vorstellen, sich freuen, darüber diskutieren. 

An dieser Stelle hat unsere Redaktion Inhalte aus Instagram integriert.
Aufgrund Ihrer Datenschutz-Einstellungen wurden diese Inhalte nicht geladen, um Ihre Privatsphäre zu schützen.
DATENSCHUTZ-EINSTELLUNGEN
Hier können Sie die Einstellungen für die Anbieter ändern, deren Inhalte sie anzeigen möchten. Diese Anbieter setzen möglicherweise Cookies und sammeln Informationen zu Ihrem Browser und weiteren, vom jeweiligen Anbieter bestimmten Kriterien. Weitere Informationen finden Sie in den Datenschutzhinweisen.

Die Buchmesse beruft sich auf die Meinungsfreiheit

Auf der Messe stellen auch rechte Verlage aus, vor allem der Verlag Jungeuropa, der vom Rechtsextremen Philipp Stein geleitet wird, ist in der Kritik. Stein soll unter anderem die "Abschiebung" Kuhnkes gefordert haben.  Die Buchmesse hatte sich in einem Statement auf die Publikations- und Meinungsfreiheit berufen und auf rechtliche Gründe hingewiesen. Die Aussteller dort kommen nicht auf Einladung, sondern kaufen sich ein. Neu ist dieses Jahr jedoch, dass der Jungeuropa-Verlag einen besonders guten Platz direkt gegenüber einer der Hauptbühnen des ZDFs bekam. Aminata Touré kritisiert die Reaktion der Veranstalter scharf. "Ich verstehe die Statements der Buchmesse nicht und sie sind für mich nicht tragbar. Seit Jahren scheint genau das immer wieder Thema zu sein, dass Rechte dort sind und es tätliche Auseinandersetzungen gegeben hat." 

Außerdem teilte Touré ihre Gedanken zum Thema Boykott mit ihren Fans auf Instagram und betonte, dass sie ihren Job gar nicht machen könnte, würde sie alle Räume mit Rechten meiden. "Ich sage euch ehrlich, ich weiß noch nicht, ob ich teilnehmen werde. Ich denke noch nach. Ich bin eine Schwarze Politikerin, die regelmäßig im Parlament und auf Veranstaltungen in Anwesenheit von Rechten für Themen wie Antidiskriminierung streitet. Es ist mein Alltag. Damit auch Anfeindungen."

Sie könne es absolut nachvollziehen, wenn man sich selbst und auch die eigene Familie diesem Risiko nicht aussetzen möchte. "Ich bin mit jeder Person solidarisch, die das nicht tun möchte, so wie Jasmina Kuhnke. Es ist fatal, dass es Menschen in unserer Gesellschaft gibt, die das abwägen müssen und andere nicht", endet ihr eindringliches Statement.

Quellen: Instagram, Taz, Twitter

sst

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker