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Polizei-Satire CSU löscht Tweet zu "taz"-Kolumne wieder – und entschuldigt sich

CSU-Generalsekretär Markus Blume
CSU-Generalsekretär Markus Blume verteidigte die inhaltliche Kritik, entschuldigte sich aber für die Form des Tweets
© Lino Mirgeler / DPA
Auf Twitter hatte die CSU Name und Foto der Autorin einer umstrittenen Kolumne in der "taz" veröffentlicht. Darin ging es um die Abschaffung der Polizei. Generalsekretär Blume musste allerdings schnell zurückrudern.

Eine Kolumne von Hengameh Yaghoobifarah in der "taz" hat in den vergangenen Tagen für viel Wirbel gesorgt. In dem satirischen Text unter der Überschrift "All cops are berufsunfähig" sinniert die Autorin über die Abschaffung der Polizei und nennt die "Mülldeponie" als geeignete berufliche Alternative für Polizisten.

Auch der CSU ist der Beitrag sauer aufgestoßen. "Die hässliche Fratze der hasserfüllten Linken in Deutschland zeigt sich: In der @tazgezwitscher sollen unsere Polizistinnen und Polizisten wie Abfall auf der Müllhalde entsorgt werden. Das ist schäbige und niederträchtige Hetze!", wurde Generalsekretär Markus Blume auf dem Twitter-Account der Partei zitiert. Zudem veröffentlichte die CSU in dem Tweet den Namen und ein Foto der Autorin. Nach scharfer Kritik in den sozialen Medien wurde der Tweet allerdings wieder gelöscht, Blume entschuldigte sich.

CSU-Generalsekretär Blume: "Kritik war richtig, die Form war es nicht"

"Es darf nie einen Grund geben, Menschen auf die Müllhalde zu wünschen. Unsere Kritik an  @tazgezwitscher  ist richtig, die Form war es nicht. Für Letzteres bitte ich um Entschuldigung", schrieb der CSU-Generalsekretär auf seinem eigenen Twitter-Profil.

Auf dem CSU-Account war das Foto der Autorin mit dem Schriftzug versehen: "Hengameh Yaghoobifarah hetzt in der taz. SIE will Polizisten als Abfall auf der Müllhalde entsorgen!" Zudem war in dem mittlerweile gelöschten Tweet ein Foto von den G-20-Krawallen in Hamburg 2017 zu sehen und der Satz "Polizei vor linker Hetze schützen!"

Viele User hatten den Christsozialen daraufhin vorgeworfen, ähnliche Methoden wie rechte Gruppierungen zu nutzen. "Ganz ehrlich, das ist einfach verantwortungslos und gefährlich sowas als Parteiaccount rauszuhauen. Man kann die Kolumne bewerten wie man möchte – geschenkt. Rechtfertigt das als Partei eine Journalistin so anzuprangern?", schrieb beispielsweise die Vizepräsidentin des Landtags in Schleswig-Holstein, Aminata Touré. "Das ist wirklich heftig! Sie sollten sich schämen." Der Tweet wurde nach einigen Stunden wieder entfernt.

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Deutsche Polizeigewerkschaft erstattet Anzeige

Yaghoobifarah hatte in ihrem Text über andere Berufsfelder nachgedacht, in denen sich Polizisten betätigen könnten, wenn die Polizei abgeschafft würde. "Spontan fällt mir nur eine geeignete Option ein: die Mülldeponie. Nicht als Müllmenschen mit Schlüsseln zu Häusern, sondern auf der Halde, wo sie wirklich nur von Abfall umgeben sind. Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten", heißt in der Satire.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft bezeichnete den Text als "Schlag ins Gesicht" und erstattete Anzeige wegen Volksverhetzung gegen die Zeitung. "taz"-Chefredakteurin Barbara Junge stellte klar: "Menschen als Müll zu bezeichnen, widerspricht dem Selbstverständnis einer Zeitung, die sich einer menschlicheren Gesellschaft verschrieben hat." Gleichzeitig verteidigte sie die Veröffentlichung mit Hinweis auf die Satirefreiheit: "Satire darf fast alles – und greift manchmal in seiner Wortwahl daneben. Niemand in der taz bezeichnet Menschen ernsthaft als Abfall."

Quellen: Markus Blume auf Twitter / Aminata Touré auf Twitter / "taz" / "taz"

epp

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