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Jörg Fauser: Dichter der Dämmerung

Vor 20 Jahren starb der Schriftsteller Jörg Fauser. Nachts, zu Fuß auf einer Autobahn. Er hatte gerade seinen 43. Geburtstag begossen. stern-Reporter Werner Mathes erinnert an seinen einstigen Kollegen und Trinkkumpanen.

"Die längsten Reisen", schrieb er mal, "fangen an, wenn es auf den Straßen dunkel wird." Seine längste und seine letzte Reise begann, als es gerade hell wurde über der A 94 bei München. Vor 20 Jahren, im Morgengrauen des 17. Juli 1987, genau um 4.10 Uhr, starb Jörg Fauser. Er war zu Fuß unterwegs gewesen auf der rechten Spur der Autobahn, zwischen den Ausfahrten Riem und Feldkirchen. Bis ihn ein Laster mit voller Wucht erwischte. Stunden zuvor hatte der Schriftsteller in einer Münchner Bar mit Freunden seinen 43. Geburtstag gefeiert. Bis heute ist nicht geklärt, wie er damals auf die A 94 kam. Am 16. Juli dieses Jahres wäre Jörg "Joe" Fauser 63 geworden.

Zum 20. Todestag Fausers bringt der Berliner Alexander Verlag im Herbst die letzten beiden Bände seiner Jörg-Fauser-Edition heraus: "Der Strand der Städte", seine gesammelten journalistischen Beiträge von 1959 bis 1987, und das Fragment seines letzten (leider unvollendeten) Romans "Die Tournee". Nach einer Gesamtausgabe seines Werks im Verlag Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins (1990) ist der für ein großes Publikum erst spät erschlossene Autor nun ein zweites Mal mit einer Neuauflage seiner gesammelten Arbeiten gewürdigt worden - darunter sein autobiografischer Roman "Rohstoff" von 1984, den die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" in ihrem "Kanon für die Gegenwart" zu den 25 neuen Klassikern zählt. Empfehlenswert bleibt nach wie vor auch die ausgezeichnete Fauser-Biografie "Rebell im Cola-Hinterland" von Matthias Penzel und Ambros Waibel, die vor drei Jahren in der Berliner Edition Tiamat erschien.

Außenseiter und Einzelgänger

So viel Aufmerksamkeit ist erstaunlich für einen Autor, der schon lange nicht mehr lebt. Und der lange nach seinem Tod plötzlich so gefragt ist, wie er es zu Lebzeiten nie war. Der 1981 mit seinem Kokain-Roman "Der Schneemann" - vier Jahre später mit Marius Müller-Westernhagen verfilmt - einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde, aber es dennoch kaum in die Feuilletons der großen Blätter schaffte. Denn Fauser war immer ein Außenseiter, Eigenbrötler und Einzelgänger gewesen. "Ich bin kein netter Mensch, sondern Schriftsteller", schrieb er, "einer der Dunkelmänner also, die beim ältesten Verfassungsschutz der Welt angestellt sind - beim Verfassungsschutz für Sprache und Zweifel."

1979 begegnete ich ihm zum ersten Mal. Ich war damals 25 und Chefredakteur des Berliner Stadtmagazins "tip", er gerade 35. Wir hatten ihm damals einen Flug von München nach Berlin spendiert, weil wir seinen Roman "Der Schneemann" vorab drucken wollten. Ich hatte fast alles von ihm gelesen, was bis dato veröffentlicht war. Aus seinem Essay-Band "Der Strand der Städte" klebte damals ein Satz über meinem Schreibtisch: "Leben ist nichts, wenn es nicht Rebellion ist."

Aber am Flughafen Tegel kam einer an, der nicht aussah wie ein Rebell. Fauser schwitzte, war verlegen. Trug einen Anzug mit grauenhafter Strickkrawatte, und überm Arm hing ein heller Trenchcoat. So hatte er es schon immer gehalten: Mach nie das, was andere von dir erwarten.

Radikal subjektiv, leidenschaftlich

Er zog bald um von München nach Berlin. Ließ sich beim "tip" als Redakteur anstellen, schrieb eine 14-tägliche Kolumne, Essays, Reportagen und empfahl vor allem Bücher - von Klassikern wie George Orwell, Graham Greene, Ted Allbeury oder John le Carré, aber auch von deutschen Außenseitern wie Karl Günter Hufnagel oder Hans Frick. Aber so, wie wir es noch nie gelesen hatten: radikal subjektiv, leidenschaftlich, dabei moralisch bis zum Pathos. Seine Arbeiten aus dieser Zeit fehlen in keiner Gesamtausgabe.

Wir waren Freunde geworden, wohnten im selben Haus in Berlin-Schöneberg. Seine geräumige Dreizimmerwohnung, nur spärlich möbliert, war für ihn "Intensivstation Incommunicado", in der er, Pfeife rauchend, die Schreibmaschine traktierte. In der Redaktion ließ er sich beibringen, wie Schlagzeilen und Vorspänne gemacht werden. Er war neugierig, lernte, hatte Spaß. Wenn er arbeitete, war Alkohol für ihn tabu.

Wir tranken - nach Feierabend - in der Kreuzberger "Hasenburg", versackten im "Nevada" an der Potsdamer Straße oder aßen bei den beiden Libanesen an der Goebenstraße. Wir trainierten und boxten im winzigen Studio des ehemaligen Europameisters Frank Wissenbach, der uns, mit Blei um den Handgelenken, durch den benachbarten Victoriapark hetzte. Fauser pflegte alte Freundschaften, traf sich mit Kollegen wie Einar Schleef (der nach ein paar Gläsern überhaupt nicht mehr stotterte) oder Detlef Blettenberg, Lektoren, Weggefährten. Biograf Ambros Waibel ist überzeugt: "Wir müssen uns Fauser in dieser Berliner Zeit als glücklichen, hoch angespannten Menschen vorstellen."

Und dann gab es noch seine gefürchteten Extra-Touren, die ihn noch weiter nach draußen trieben, an die Ränder der damals noch eingemauerten Stadt, wo ihn niemand mehr kannte und es den Nutten egal war, wem sie da das Geld aus der Hose zogen. Wo er manchmal ohne Brille zurückkam und nachts vor meinem Fenster brüllte, weil er seinen Schlüssel nicht mehr fand.

Fauser kifft, drückt, trinkt

Bis dahin hat er schon hinter sich, was anderen für ein ganzes Leben reicht. Anarchist und Beatnik, Kriegsdienstverweigerer (1964!), Zivi, Junkie, spritzt Dolantin, Codein, Heroin. 1967 dann Istanbul. Von dort nach Berlin, 24 Jahre alt, 45 Kilo leicht. Pennt in Kommunen. Kifft, drückt, trinkt. In London empfiehlt ihm der amerikanische Schriftsteller William S. Burroughs, ein alter Ex-Junkie, den Entzug mit Apomorphin. Im Winter 1971/72 packt er es.

Steigt jetzt um auf Alkohol. Säuft im Frankfurter "Club Voltaire" und im Stehausschank "Schmales Handtuch", jobbt auf Rhein-Main-Airport in der Gepäckabfertigung oder als Nachtwächter. Und schreibt weiter: Erzählungen, Gedichte, Hörspiele, Porträts. Zieht um nach München, interviewt für den "Playboy" in Los Angeles sein neues literarisches Idol Charles Bukowski. Übersetzt Songtexte und Biografien. Bis er sich 1978 selbst an eine wagt: "Marlon Brando - Der versilberte Rebell" - ein Kult-Buch, das Maßstäbe setzt. Und schreibt den "Schneemann", der ihm den Durchbruch bringen soll.

Literat und Journalist

Als der herauskommt, ist Fauser bereits in Berlin, wo er im "tip" sein Experimentierfeld gefunden hat. Er will gleichzeitig Literat und Journalist sein, glaubt, "dass Schriftsteller und Reporter (vor allem dann, wenn die Trennungslinien zwischen ihnen endgültig verschwunden sind) die Historiker unseres Zeitalters sind". In der Mauerstadt entsteht auch sein hoch gerühmter "Rohstoff".

Anfang 1985 trennten sich unsere Wege wieder. Er heiratete und heuerte in München beim Reportage-Magazin "TransAtlantik" an, ich ging nach Hamburg zum stern.

Was also bleibt von Fauser? Gewiss seine Faszination für das Strandgut der Städte, für "die Besessenen und Berauschten, die Gäste im Café Nirvana und die Pensionisten im Desasterhotel, die ewigen Stromer und die verstrolchten Träumer, die Dämonen der Nacht und die Dichter in der Dämmerung". Sein literarischer Kosmos, den er mit Typen füllte wie Harry Gelb, Johnny Tristano, Lipschitz oder Blum. Die Leidenschaft, mit der er den Beruf des Schriftstellers pries - und damit viele jüngere Autoren begeisterte. Und vor allem jener eigentümliche Fauser-Sound, den er komponieren konnte wie kein anderer. Den er von amerikanischen Kollegen abgehört hat, aber sicher auch von den "Apfelwein-Opas aus der Flattergass mit ihrem endlosen Gewäsch, diesem Frankfurter Singsang, der etwas Chinesisches an sich hat, dieses Gegrein und Gejaul". Ein Sound, der unzählige Leser süchtig machte - und wieder machen wird.

stern-Reporter Werner Mathes, 53, war von 1977 bis 1985 Chefredakteur des Berliner Stadtmagazins "tip", wo Jörg Fauser mehrere Jahre lang als Mitglied der Redaktion arbeitete.

Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.