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Lungenkrebs: Schriftsteller John Updike ist tot

Wie kaum ein Schriftsteller hat er Amerika den Spiegel vorgehalten und in seinen Werken ein meisterhaftes Porträt seines Landes entworfen: John Updike, der nun mit 76 Jahren an einem Krebsleiden starb, galt als Ikone der US-Literatur.

Der Schriftsteller John Updike, seit Jahrzehnten einer der bedeutendsten Vertreter der amerikanischen Literatur, ist am Dienstag im Alter von 76 Jahren gestorben. Der zweifache Pulitzer-Preisträger erlag nach Angaben des Alfred A. Knopf Verlags einem Lungenkrebsleiden. Er lebte zuletzt in einem Pflegeheim im Norden von Boston. Zu seinen berühmtesten Büchern gehören die fünf Rabbit-Romane von "Hasenherz" bis zu "Rabbit, eine Rückkehr".

Updike, der sich schon in jungen Jahren zum Ziel gesetzt hatte, jedes Jahr ein Buch zu veröffentlichen, kam im Laufe seiner brillanten Karriere auf insgesamt 60 Bände, außer Romanen auch Kurzgeschichten und Gedichte. Viele Kritiker handelten ihn seit Jahren als Favoriten für den Literaturnobelpreis - John Updike glaubte am Ende selbst nicht mehr daran. "Wird ein Autor Jahr für Jahr genannt, löst sein Name bloß noch Gähnen aus", sagte er einmal. Und der deutsche Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki kritisierte schon 1992, vor Updike werde die Königliche Schwedische Akademie sicher noch "irgend jemanden aus dem Sudan finden".

Updike zeichnet umfassendes Sittengemälde Amerikas

In seinen mehr als 20 Romanen hat Updike ein meisterhaftes Porträt der amerikanischen Mittelstandsgesellschaft entworfen. Satirisch, aber nie hämisch deckte er ihre großen und kleinen Lebenslügen auf und schaute hinter die oft allzu glatte Fassade. Liebe und Leidenschaft, Untreue und Verrat, Sex und Ehebruch - das waren die Themen, die ihn interessierten und die er mit unnachahmlicher Beobachtungsgabe virtuos erzählte.

Vor allem der Romanheld Harry Angstrom aus der Rabbit-Reihe ist eine Schlüsselfigur. Vom Auftaktroman "Hasenherz" 1960 bis zum vierten Band "Rabbit in Ruhe" (1990) und der abschließenden Erzählung "Rabbit, eine Rückkehr" (2002) entstand ein umfassendes Sittengemälde Amerikas. Mit Liebe zum Detail, auch und gerade in Sachen Sex, zeichnete Updike darin die Entwicklung der Gesellschaft von den späten 1950er Jahren bis fast zur Jahrtausendwende nach.

Der Held, ein einstiger Basketball-Star, wegen seiner hasenartigen Schlaksigkeit "Rabbit" genannt, versucht immer wieder, der kleinbürgerlichen Enge seiner familiären und beruflichen Existenz zu entgehen - und scheitert jedes Mal kläglich. Am Schluss bleibt ihm nur das Gefühl, "dass nichts unter dir ist außer einem schwarzen Loch". Zwei der Romane wurden mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.

Updike gab sich wenig Mühe, zwischen sich und seinen Helden zu unterscheiden. Immer waren seine Geschichten ein Stück eigenes Leben. Offen bis zur Schonungslosigkeit gab er in seiner Memoirensammlung "Selbst-Bewusstsein" (1989) Auskunft über sich selbst: über die ärmliche Kindheit in der Provinz des US-Bundesstaates Pennsylvania, die Beziehung der Eltern und seine Krankheiten, eine lästige Schuppenflechte und kindliches Stottern.

"Ich hatte das Gefühl als Kind, dass da in unserem Haus irgendwie mehr vorging - die Unzufriedenheit der beiden Eltern, die Spannungen und sogar das Theater, das wir für unsere kleine Hausgemeinschaft inszenierten." Damit war das Lebensthema für den Beziehungsexperten vorgezeichnet. Auch seine eigene erste Ehe scheiterte später - trotz der vier Kinder. Seine zweite Frau brachte drei Söhne mit in die Ehe.

Ursprünglich wollte John Hoyer Updike, so sein voller Name, nach einem Einser-Abschluss an der Harvard-Universität Oxford Karikaturist werden. Doch bald kam er bei der renommierten Zeitschrift "The New Yorker" als Autor unter. Schon mit 25 kann er sich selbstständig machen und vom Schriftstellerberuf leben. Seinen größten Erfolg hat er mit dem Roman "Ehepaare", der 1968 in den USA einen Skandal auslöst. Das puritanische Amerika empört sich über die freizügige Kleinstadtsatire, in der so ungefähr jeder mit jedem etwas hat. Aber Kritik und Leser waren begeistert.

Deutschland wartet mit Spannung auf Updikes nun letztes Werk

Alle ein, zwei Jahre legte der arbeitswütige Autor in der Folgezeit einen neuen Roman vor - von "Henry Bech" (1970) über "Die Hexen von Eastwick" (1984; mit hochkarätiger Besetzung verfilmt) bis zur hochgelobten Familiengeschichte "Gott und die Wilmots" (1996). Mit "Brasilien" (1994) oder "Der Terrorist" (2006) gab es auch Bücher, die auf gemischte Kritik stießen. Gleichwohl hielt der Erfolg beim Publikum an. Mit Spannung wird in Deutschland sein nun letztes Werk erwartet, das in den USA im Oktober erschien: Aus den "Hexen von Eastwick" sind nach fast 25 Jahren die "Die Witwen von Eastwick" geworden.

Eine Art Lebensrückblick, fast ein Vermächtnis lieferte Updike in seinem Roman "Landleben" (2004). Hauptfigur Owen Mackenzie, 70 Jahre alt und zum zweiten Mal verheiratet, lässt das Leben Revue passieren, schildert aber auch rückhaltlos die Ängste des Alterns. "Er empfindet jeden Tag mit größerem Gewicht, wie unnatürlich es ist, das Bett zu verlassen für das gleiche langweilige Kleie-Getreideflocken- Frühstück."

Der Autor selbst lebte seit Jahren zurückgezogen mit seiner zweiten Frau in einem Haus an der US-Ostküste unweit von Boston. Er arbeitete, solange es nur irgend ging. "Als Schriftsteller bist du dein eigener Boss - keiner sagt dir, dass du deine Sachen packen sollst."

Nada Weigelt, DPA / DPA