HOME

Buchtipps: Das sind die aktuellen stern-Bestseller des Monats

Jede Woche erscheint der neue stern mit aktuellen Bestsellern: Die in der Printausgabe rezensierten Bücher stellen wir Ihnen ab sofort einmal im Monat gesammelt auch online vor. Angefangen beim Oktober 2019.

Jeden Donnerstag erscheinen die neuen stern-Bestseller

Einmal im Monat stellen wir Ihnen die stern-Bestseller der Printausgaben vor

Getty Images

2018 wurden über neun Milliarden Euro im deutschen Buchhandel umgesetzt. Dieser Wert schwankt von Jahr zu Jahr minimal, bleibt aber seit 2007 durchgehend konstant – das ergab eine aktuelle Statistik. Verwunderlich ist es schon, dass immer noch so viele Menschen trotz der zunehmenden Digitalisierung echte Lektüre kaufen. Andererseits ist es auch ein gutes Zeichen, dass immer noch so viele Leser ein gutes Buch zu schätzen wissen. Aus diesem Grund finden Sie die stern-Besteller der Printausgaben, die jeden Donnerstag veröffentlicht werden, zukünftig auch online. Wir starten mit der Zusammenfassung aus dem Oktober.

1. "Allmen und der Koi" von Martin Suter

In Interviews ­entpuppt sich so mancher eloquente Formulierungskünstler schon mal als maulfauler, mürrischer Sonderling. Bei Martin ­Suter ist das ­anders. Trifft man ihn zum Interview, sitzt einem ein konzen­trierter, immer leicht amüsiert ­wirkender Mann in feinem Zwirn gegenüber, der wohlwollend den Fragen lauscht und nach einer schon fast irritierenden Pause mit leiser Stimme klug und wortgewandt antwortet. Ein Schweizer. Auch kritische Fragen hält er aus. Mehr als eine kleine Falte auf der Stirn erlebt man nicht. Suter – einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart – ist tiefenentspannt. Es liegt vielleicht daran, dass es in seinem Romanen meist um ein Grundmotiv geht: Männer, die die Kontrolle über ihr Leben verlieren und es sich ­mühsam zurückerobern. Davon soll es einige geben. Eigentlich eine Frechheit, dass er selbst so ausgeruht wirkt. Das Buch bekommen Sie hier.

2. "Das Geschenk" von Sebastian Fitzeck 

Es gibt Menschen, die manchmal, wenn sie schreiben müssen, erst reglos vor der Tastatur sitzen, und während sie auf eine gute Idee hoffen, etwa für einen kleinen Text in der Bestseller-Spalte, aus dem Fenster schauen, einen Tee kochen, sich dann an den "Einfach machen!"-Klebezettel am Monitor erinnern, die bisherigen Ideen immer noch doof finden und dann irgendwann doch eine davon ausprobieren. Und es gibt solche, wie Sebastian Fitzeck, die schießen ein Buch nach dem anderen raus und haben noch immer so viele Einfälle übrig, dass sie sie sogar an Newcomer-Autoren weitergeben, als Starthilfe sozusagen. Wollen wir nächstes Mal auch! Das Buch bekommen Sie hier.

3. "Wechseljahre? Keine Panik!" von Katja Burkard

Nein, keine Panik! Sondern: Wut! Empörung! Obwohl man über das Thema eigentlich gar nicht schreiben will, weil Frauen doch natürlich mindestens genauso stark wie Männer sind. Und doch: Es ist eine Frechheit, dieses hormonelle Auf und Ab, ein Leben lang! Erst jeden Monat (bitte bloß nicht auffällig dabei werden), dann während der Schwangerschaft (nur nicht schwach oder selig wirken), dann die Stillzeiten (aber nicht dement oder eindimensional rüberkommen), dann das Abstillen (jetzt nicht endgültig zusammenbrechen). Danach: wieder weiter im monatlichen Takt. Und wenn man endlich alt genug ist, den ganzen Scheiß einfach mal loszuwerden, dann geht es in den Wechseljahren noch mal richtig rund. Wer hat sich dieses Konzept eigentlich ausgedacht? Das Buch bekommen Sie hier.

4. "Agentterrorist" von Deniz Yücel

"Die sechs stürmen rein. In den Innenhöfen sind, ebenso wie auf den Korridoren, Kameras installiert. Aber nicht in den Zellen. Und hier bin ich jetzt allein mit diesen Typen. Allein und ungeschützt. Sie könnten mich jetzt schlagen, vergewaltigen, was sie wollen. Panik." Es gibt ­Passagen im Buch von Deniz Yücel, die klingen wie aus einem Thriller, aber es ist ein Tatsachenbericht. Der deutsch- türkische Journalist aus Berlin saß 368 Tage im Gefängnis in der Türkei, lange Zeit davon in Einzelhaft. "Agentterrorist" ist ein atemloses ­Tagebuch, das Zeugnis eines Mannes, der sich nicht einschüchtern lässt, obwohl er zum Spielball der ­türkischen Justiz wird. Wer den Autokraten Erdogan verstehen will, muss dieses Buch lesen. Sie bekommen es hier.

5. "Die Schule der magischen Tiere: Eingeschneit! Ein Winterabenteuer" von Margit Auer

Stellen wir uns eine Welt vor, in der etwa dieses Buch beziehungsweise seine Autorin den Literaturnobelpreis bekommen könnte. Wie nett, bunt, fluffig und lustig dann sicher alles wäre! Aber in der Welt, in der wir leben, bekommt man mit "Eingeschneit! Ein Winterabenteuer“ keine bedeutenden Literaturpreise, dafür aber mit Werken wie "Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien". Der Autor tat sich einst als Fan eines mutmaßlichen Kriegsverbrechers hervor, und dass er dennoch mit Ruhm, Ehre und einer knappen Million Euro überschüttet wird, feiern nun manche als Sieg gegen "die politische Korrektheit". So fies, grau, hart und traurig ist die Welt, in der wir leben.
Das Buch bekommen Sie hier.

6. "Der Kastanienmann" von Søren Sveistrup 

Blenden wir mal aus, dass Kastanienmännchen in diesem Thriller Markenzeichen eines Mörders sind, und widmen uns schöneren Gedanken rund um die herbstliche Frucht. Bei Kastanien werden viele Menschen nostalgisch, es sei denn, sie besitzen ein Auto und wohnen an einer Allee. Hach, Kastanien, denken sie, die haben wir als Kinder immer gesammelt! Wenn es die Gelenke zulassen, bücken sich die Menschen und heben ein aus dem Stachelpanzer geschlüpftes Exemplar aus dem Laub, auf dass seine glatte Oberfläche ihnen als Handschmeichler diene. Manche zitieren Goethe: "Doch immer reift von innen / und schwillt der braune Kern, / er möchte Luft gewinnen / und säh’ die Sonne gern. // Die Schale platzt, und nieder / macht er sich freudig los; / so fallen meine Lieder / gehäuft in deinen Schoß." Warme Gedanken für kühle Tage. Das Buch bekommen Sie hier.

7. "Inspire yourself! Dein kreativer Begleiter" von Ana Johnson

Geniale Idee: Langeweile mit Langeweile zu bekämpfen. Minus mal minus ergibt schließlich plus. Wer in diesen Zeiten wirklich nicht weiß, was er mit sich anfangen soll, bekommt von Ana Johnson Vorschläge wie: Mal Zimtschnecken backen an einem verregneten Herbsttag. Mal ein T-Shirt lustig bedrucken. Sich mal ganz gruselig zu Halloween verklei­den. Nein, wie verrückt! Zunächst ist es blanke Fassungslosigkeit, die einen beim Lesen überkommt, dann wächst der Furor über so viel Banalität. Und der weckt Lebensgeister, die man gar nicht mehr in sich vermutet hätte! Man schmeißt das Buch in die Ecke, rennt zur Tür hinaus – und selbst der graueste Herbsttag kommt einem nun wie ein Silvesterfeuerwerk vor. Welch Inspiration! Danke, Ana Johnson. Das Buch bekommen Sie hier.

8. "Eine kurze Geschichte der Menschheit" von Yuval Noah Harari

Gerade rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse 2019 fertig wurde unser Exposé für den nächsten Bestseller: "Eine kurze Geschichte der Dreistheit". Im Mittelpunkt steht ein alter weißer Mann, der mit dem Programmieren von Eisbär-Shootern Multimillionär wurde. Jeden Morgen ignoriert er in seinem marinedieselschwarzen SUV ein paar Klimaaktivisten, bevor er auf E-Scooter umsteigt. Zum Wachwerden unfair gehandelter Kaffee im Plastikbecher mit Strohhalm, mittags reicht ihm Discounterfleisch. Abends muss er noch zum Stammtisch des Vielflieger-Freundeskreises in der Senator Lounge, wo er seiner Lieblingskellnerin an den Po greift. Ob sich so etwas noch verkauft, im Jahr 2019? Garantiert. 
Das Buch bekommen Sie hier.

9. "Echte Liebe" von Hans-Joachim Watzke und Michael Horeni

Was macht einen Trainer zum Supertrainer? Dass er alle taktischen Kniffe vom Tikitaka über die flache Raute bis hin zum hohen Pressing beherrscht? Reicht nicht – zumindest findet das Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund. Bier trinken und Skat spielen muss der Übungsleiter und Witze erzählen auch. In Kurzform: einfach Jürgen Klopp sein. Pech für Watzke, dass der den BVB vor vier Jahren verlassen hat. Jetzt coacht Lucien Favre die Dortmunder. Ein schüchterner Schweizer, ohne Talent für eine Flasche Weißwein mittags beim Italiener. Falls Favre Watzkes Heldenepos gelesen hat, weiß er: Das wird nix mehr mit ihm beim BVB. Der Chef liebt einen anderen. Das Buch bekommen Sie hier.

10. "Petronella Apfelmus – Hexenfest und Waldgeflüster" von Sabine Städing

Die Welt sei aus den Fugen, liest man dieser Tage oft. Doch so real die Gründe für das allgemeine Unbehagen auch sein mögen, so groß ist unsere Hoffnung. Denn solange es eine nachfolgende Generation gibt, die nicht nur mit Fridays for Future streikt, sondern auch eine kleine Apfelbaumhexe immer wieder zum Nummer-1-Bestseller macht, kann diese Welt nicht im Chaos versinken. Solange es Kinderbücher gibt, die anfangen mit "Endlich schlich sich der Frühling in den Winter", Bücher, die klingen, als hätte auch Ottfried Preußler noch einmal mitgeschrieben ("Es ruckte und zuckte, aber es konnte sich nicht befreien"), und solange es in Kinderbüchern Figuren wie den Hirschkäfer Lucius oder Gurkenhut, den Chef der Apfelmännchen, gibt, so lange muss doch alles wieder gut werden, irgendwann.
Das Buch bekommen Sie hier.

Das könnte Sie auch interessieren:

Dieser Artikel enthält sogenannte Affiliate-Links. Mehr Informationen dazu gibt es hier.

ast / Stern (print)