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Völkerkundemuseum: Hexen im Museum

Nicht erst seit Harry Potter sind Hexen Kult: Ein Symposium des Völkerkundemuseums in Hamburg widmet sich dem Hexenphänomen. Daneben gibt es dort auch die Ausstellung "Hexenwelten".

Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit fielen zigtausende Unschuldige den Hexenjagden zum Opfer. Nicht nur Hebammen oder Kräuterweiber waren wegen ihrer Heil- und Naturkenntnisse bevorzugte Opfer, in der Hexenhysterie konnte jeder durch Verleumdung auf dem Scheiterhaufen enden. Heute sind Hexen Kult: als Heldinnen in Kinderbüchern wie bei Harry Potter oder als Wahrsagerinnen für esoterikbegeisterte Jahrmarktbesucher. Das Symposium "Hexen im Museum - Hexen heute - Hexen weltweit" des Völkerkundemuseums in Hamburg widmet sich von Freitag an dem Hexenphänomen.

Positiver Wandel des Hexenbegriffs

Wissenschaftler wollen bei der bis zum Sonntag dauernden Tagung auch über die Ausstellung "Hexenwelten" des Völkerkundemuseums aus dem Jahr 2002 sprechen und erörtern, wie man das Thema Hexerei im Museum präsentieren kann. "Unsere Ausstellung wurde damals heftig und kontrovers diskutiert", sagt der Ethnologe und Leiter der Europaabteilung des Museums, Bernd Schmelz. Auch um neue Hexen wird es beim Symposium gehen, denn in den 70ern begann - getragen von der feministischen Bewegung - ein positiver Wandel in der Deutung des Hexenbegriffs.

Ritualfrauen mit Geheimnissen

Sollten früher die als Hexen abgestempelten Frauen und Männer für das Unheil auf der Welt verantwortlich sein, werden die selbst ernannten Hexen von heute in unserer nüchternen Welt oft als Ritualfrauen mit Geheimwissen verehrt. Die Beauftragte für Weltanschauungsfragen und Sekten der Nordelbischen Evangelisch- Lutherischen Kirche, Gabriele Lademann-Priemer, stört sich allerdings daran, dass einige Hexen das Christentum als Feindbild betrachten. In ihrer eigenen Beratungstätigkeit habe sie auch schon Menschen betreut, die durch ihren Kontakt mit magischen Praktiken in seelische Schwierigkeiten geraten seien.

Gesellschaftliches Phänomen

Dennoch dürfe die Wissenschaft dieses Thema nicht außer Acht lassen, meint der Völkerkundler Schmelz: "Wir als Ethnologen müssen uns mit diesem gesellschaftlichen Phänomen befassen." Mit offenen Diskussionen nehme man dem Thema etwas von seiner Brisanz und geheimnisumwitterten Dunkelheit.

Das Thema Hexen hat beim Völkerkundemuseum bereits Tradition: Schon seit 1978 betreibt das Museum ein "Hexenarchiv". Die bundesweit einmalige Einrichtung geht zurück auf das "Archiv zur Erforschung des neuzeitlichen Hexenglaubens" des Volksschullehrers Johann Kruse (1889-1983). Einmal in der Woche gibt es im Hexenarchiv eine Sprechstunde. Besucher aus ganz Deutschland und dem Ausland kommen dann zur Beratung zwischen Totenschädeln und Hexenbesen.

Christiane Link