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Boom-Branche Magie: Eine Hexe packt aus: "Die Hälfte meines Geschäfts besteht heute aus Instagram"  

Hexen landen nicht mehr auf dem Scheiterhaufen, sie wagen sich in die Öffentlichkeit. Dank des Internets boomt das Magie-Business selbst in Großstädten wie Los Angeles - und in den sozialen Netzwerken.

Die Hexen von heute verstehen sich oft als Therapeutin, die spirituelle Mittel einsetzt.

Die Hexen von heute verstehen sich oft als Therapeutinnen, die spirituelle Mittel einsetzen

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Das Sommertheater in Deutschland hat sich an der Homöopathie und dem Glauben an die Wirkung von Globuli abgearbeitet. Dabei gibt es heute ganz andere populäre Methoden, Gesundheit und Schicksal als geheimnisvolle Art zu beeinflussen. Hexen und Zauberer haben Konjunktur - durch das Internet. Heute werden "Magic"-News und -Communities viel besser verbreitet, als in den Zeiten, in denen die Alt-Medien den Diskurs bestimmen konnten. Hexe ist ein ehrbarer und einträglicher Beruf, das stellte die "L.A. Times" bei Hausbesuchen hauptberuflicher Hexen in Los Angeles fest.

Es ist gar nicht so einfach, einen Termin zu bekommen. Hochschulabsolventin Amanda Yates G. arbeitet seit acht Jahren als Profi-Hexe, und wird gut gebucht. Die "L.A. Times" ist eine weltberühmte Zeitung, dafür hat die Hexe eine Stunde freigeräumt. Der Timeslot liegt zwischen einer Tarot-Session und einem Studenten, der übernatürlichen Beistand bei seiner Doktorarbeit benötigt. Die Kosten für die Dienste liegen bei 200 US-Dollar die Stunde – Stars der Branche verlangen mehr.

Umfangreiches Portfolio

Um als Hexe erfolgreich zu sein, kann man sich nicht nur auf eine Dienstleistung beschränken – man muss vielseitig sein. Das Spektrum von Amanda Yates G. ist groß: Dazu gehören Reinigungszeremonien für Unternehmen, mit denen böswillige Schwingungen im Office gebannt werden. Ebenfalls im Programm: energetische Heilungen und Empowerment-Sitzungen. Gelegentlich kommen mit einem Exorzismus oder einem Liebeszauber auch die Klassiker des Berufsstandes zum Einsatz.

Die Hexe von heute muss rührig sein. Podcast, Instagram und andere Kanäle wollen für ein erfolgreiches Magic-Business bespielt werden. Dazu kommen Workshops für Novizinnen, die die Kunst lernen wollen, Schadflüche oder den unheilvollen Einfluss einer Mondfinsternis abzuwehren. "Wenn du denkst, dass es nur darauf ankommt, ständig Zaubersprüche zu murmeln, liegst du falsch", sagte sie dem Blatt. "Die Hälfte meines Geschäfts besteht aus Instagram."

Der Glaube ist da

Das Pew Research Center fand 2017 heraus, dass in den USA 40 Prozent aller Befragten glauben, dass unbelebte Objekte wie Berge und Bäume mit spiritueller Energie erfüllt sind. 33 Prozent glauben an die Reinkarnation und 29 Prozent an Astrologie. Tatsächlich unterscheidet sich die Glaubenswelt der US-Bürger also gewaltig von den offiziellen Lehren der sogenannten Weltreligionen. Dieses spirituelle Bedürfnis bedienen die Hexen.

In der Moderne unterliegt das Interesse an der Hexerei große Schwankungen, man könnte auch Mode sagen. Heute boomt es geradezu. "Instagram ist ein großer Weg, Magie und Mystik für alle zugänglich zu machen", sagte die Hexe Bri L. der Zeitung. Sie hat 420.000 Follower. Ob es nur das Internet ist, bliebt fraglich, denn erstmals können Hexen an die Öffentlichkeit treten, ohne fürchten zu müsse, von den christlichen Kirchen verfolgt zu werden.

Pseudo-Therapeuten im rechtsfreien Raum

Hinzu kommt: Die Hexerei eignet sich für Quereinsteigerinnen. Die meisten der von der "L.A. Times" befragten Hexen wirken wie Therapeuten – ohne Lizenz natürlich. Und das ist legal, denn die Hexerei wird anders als Psychotherapien vom Staat überhaupt nicht kontrolliert. Für Künstlerinnen und ehemalige Musikerinnen ist die Magie also eine attraktive Alternative.

Von den Befragten ist nur Loba L. eine echte, eine geborene Bruja aus Peru. Für sie hat die Hexerei eine soziale und feministische Dimension. Sie nimmt möglichst wenig Geld für ihre Dienste, weil es nicht anders ginge. Nur mit Naturalien kann sie sich nicht bezahlen lassen, auch wenn es der Tradition entspräche. "Als ich anfing, verlangte ich im Grunde nichts, weil ich in einer Garage lebte und ich nicht viel Miete zahlen musste; aber seitdem ich erwachsen geworden bin und mehr Geld für das Leben ausgeben musste, musste ich die Preise erhöhen."

Quelle: L.A. Times

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kra