Fall Fernandes
Staatsanwaltschaft bestätigt Anfangsverdacht gegen Christian Ulmen

Collien Fernandes hält eine Rede bei einer Demonstration in Hamburg.
Trotz Morddrohungen: Collien Fernandes hält Rede auf Demo in Hamburg
© Foto: Marcus Brandt / DPA
Sehen Sie im Video:  Demo in Hamburg – Collien Fernandes' emotionaler Appell im Video – „Warum immer die Frauen?“
Foto: Marcus Brandt / DPA
2024 hatte Collien Fernandes wegen pornografischer Deepfakes Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Die Ermittlungen wurden eingestellt – und nun doch wieder aufgenommen.

Im Fall der von der Schauspielerin Collien Fernandes erhobenen Vorwürfe der digitalen sexualisierten Gewalt hat die Staatsanwaltschaft Itzehoe ihre zuletzt ruhenden Ermittlungen Medienberichten zufolge wieder aufgenommen. Bereits 2024 hatte Fernandes wegen pornografischer Deepfake-Inhalte Anzeige erstattet, damals noch gegen Unbekannt. Im Juni 2025 waren die Ermittlungen vorerst eingestellt worden. Nun werde aber wieder ermittelt, bestätigte die Staatsanwaltschaft der „Bild“ und dem „Tagesspiegel“.

Zudem sieht die Staatsanwaltschaft Itzehoe im aktuellen Fall gegen Christian Ulmen einen Anfangsverdacht. Die Auswertung der Berichterstattung des Magazins „Spiegel“ über den Fall habe zu einer Bejahung des Anfangsverdachts geführt, erklärte die Ermittlungsbehörde am Freitag. Strafrechtlich gehe es um den Vorwurf der Nachstellung.

Es werde nun geprüft, ob außer dem Straftatbestand der Nachstellung auch weitere Straftatbestände in Betracht kommen. Im Fall einer Verurteilung drohten für Nachstellung bis zu drei Jahre Haft oder eine Geldstrafe, sagte die Staatsanwaltschaft der Nachrichtenagentur AFP. Weitere Auskünfte wollte die Ermittlungsbehörde zunächst nicht geben.

Collien Fernandes hat Christian Ulmen angezeigt

Fernandes hatte vergangene Woche im „Spiegel“ schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen erhoben. Demnach soll er jahrelang online Pornografie verschickt haben, die vermeintlich seine damalige Frau zeigte, und sich dabei als die Schauspielerin ausgegeben haben. Sie habe auf Mallorca Anzeige deswegen Anzeige erstattet. 

Auf eine Anfrage des stern antworteten Ulmens Anwälte mit einem allgemeinen Statement. Konkrete Fragen zu den Vorwürfen blieben unbeantwortet. Es heißt dort lediglich, in dem „Spiegel“-Bericht würden „unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet“. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.

Fernandes’ Anzeige von 2024 war damals bei der Staatsanwaltschaft Itzehoe gelandet, weil die Schauspielerin in einer Kleinstadt des Staatsanwaltschafts-Bezirks eine deutsche Meldeadresse hat. Die Staatsanwaltschaft sagte auf Anfrage der „Bild“, dass sie bei Collien Fernandes weitere Unterlagen angefordert, aber keine Antwort bekommen habe. Daher sei ihr nichts anderes übrig geblieben, als die Ermittlungen einzustellen.

Die Schauspielerin und Moderatorin hingegen erklärte gegenüber der „Bild“, von der Behörde nicht kontaktiert worden zu sein.

„Ich ging davon aus, dass eine Polizeibehörde aus Schleswig-Holstein sich bei mir melden wird. Dies ist jedoch nicht geschehen“, gab sie auch beim „Tagesspiegel“ an. Fragen aus Itzehoe hätten sie „niemals erreicht“.

Ermittlungen auf Mallorca

Die aktuell laufende Anzeige gegen Christian Ulmen wird derzeit von der Justiz auf Mallorca geprüft. Sie umfasst der Behörde zufolge Aneignung des Personenstandes, Geheimnisverrat, öffentliche Beleidigung, regelmäßige Misshandlung und schwere Drohungen. Collien Fernandes brachte den Fall in Spanien zur Anzeige, weil die Rechtslage für mutmaßliche Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt dort besser ist. 

Das soll sich bald ändern. Das Erstellen und Verbreiten von sogenannten pornografischen Deepfakes soll hierzulande künftig mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft werden können. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) will in Kürze einen entsprechenden Gesetzentwurf vorlegen.

Hinweis: Diese Meldung wurde nach den Äußerungen der Staatsanwaltschaft um weitere Informationen ergänzt.

PRODUKTE & TIPPS

Kaufkosmos