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stern-Debattenformat: Kopftuch und Feminismus – ist das ein Widerspruch? Muslima und Atheistin streiten in der DISKUTHEK

Für viele Menschen ist das Kopftuch nicht mit Selbstbestimmung und Feminismus vereinbar. Aber ist das wirklich ein Widerspruch? In der neuen DISKUTHEK-Folge streiten Merve Kayikci und Pola Sarah Nathusius über diese Frage. 

Das Kopftuch ist ein bedeutungsschweres Kleidungsstück. Wer es trägt, sieht sich mit Vorurteilen konfrontiert und gerät immer wieder in die Position, sich rechtfertigen zu müssen. In einer Konferenz mit dem vielsagenden Titel "Das islamische Kopftuch – Symbol der Würde oder der Unterdrückung?" im vergangenen Mai in Frankfurt kamen Alice Schwarzer und ihre Mitstreiterinnen zu dem Schluss, dass das Kopftuch vor allem Letzteres sei: Ein Symbol der Unterdrückung. Bei uns wirft das die Frage auf: Ist das Kopftuch wirklich ein Widerspruch zu weiblicher Selbstbestimmung und Feminismus?

In der neuen DISKUTHEK-Folge sitzen zwei Frauen auf den Stühlen, die sich schon lange mit dem Thema beschäftigen: Merve Kayikci und Pola Sarah Nathusius. Merve ist Journalistin, praktizierende Muslima und trägt Kopftuch, Pola ist ebenfalls Journalistin und spricht in ihrem Podcast "Das F-Wort" mit verschiedensten Menschen über Feminismus

Können Frauen mit Kopftuch Feministinnen sein?

"Das Kopftuch ist für mich als gläubiger Mensch ein neutrales Kleidungsstück", sagt Merve und kann deshalb nicht nachvollziehen, dass viele Menschen ihr die Selbstständigkeit als Frau absprechen.

Für Pola ist das Kopftuch in erster Linie ein religiöses Symbol, das nicht zwangsläufig für Unterdrückung stehen muss, aber keinesfalls neutral sein kann. Sie will deshalb keine Frauen mit Kopftuch im öffentlichen Dienst sehen: "Meine Haltung dazu ist: Wenn du Kopftuch trägst, dann kannst du mit diesem Kopftuch keine Richterin sein, [...] weil das nun mal eine Möglichkeit ist, um eine gewisse Grundneutralität in den Rechtsstaat reinzubringen."

Das Kopftuchverbot innerhalb des öffentlichen Dienstes zählt für Merve zu den Faktoren, die weibliche Selbstbestimmung verhindern: "Der erste Schritt zur Emanzipation oder Selbstbewusstsein zu gewinnen oder nicht unterdrückt zu werden, ist doch nun mal Bildung oder Arbeit – also selbst für sich sorgen zu können. Und genau das wird den Frauen eben nicht ermöglicht, die Kopftuch tragen."

sve