Erst vor wenigen Tagen hatte die Academy of Motion Picture Arts and Sciences für die kommende Oscarverleihung neue Regeln für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz festgelegt. Jetzt zogen die Golden Globes nach, die im kommenden Jahr am 10. Januar verliehen werden. KI ist hier zwar erlaubt, doch muss der menschliche Anteil an einer Performance oder Leistung klar im Vordergrund stehen und überwiegen.
"Menschliche Urheberschaft" muss überwiegen
In den neuen KI-Richtlinien der Golden Globes heißt es: "Der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI), einschließlich generativer KI, führt nicht automatisch zum Ausschluss eines Werks von der Berücksichtigung, sofern die kreative Leitung, das künstlerische Urteilsvermögen und die Urheberschaft durch Menschen während des gesamten Produktionsprozesses im Vordergrund stehen. Alle eingereichten Werke werden danach bewertet, inwieweit die kreative Leitung, die künstlerischen Entscheidungen und die Umsetzung von den namentlich genannten Personen stammen."
Weiter heißt es, "KI und ähnliche Technologien" dürfen zwar im Produktionsprozess zum Einsatz kommen, "dürfen jedoch nicht die wesentlichen kreativen Beiträge menschlicher Talente ersetzen". Die Golden Globes können bei den Kreativen "zusätzliche Informationen oder Materialien anfordern", um die Rolle von Künstlicher Intelligenz bei der Entstehung eines Werks zu beurteilen. Werden diese Informationen nicht zur Verfügung gestellt, kann das Werk von der Awards-Show ausgeschlossen werden.
Ein Mensch muss hinter einer Schauspiel-Performance stecken
In den Schauspielkategorien muss eine Performance "überwiegend auf der Leistung des namentlich genannten Darstellers beruhen. Einreichungen, bei denen eine Darbietung im Wesentlichen durch künstliche Intelligenz erzeugt oder geschaffen wurde, sind nicht teilnahmeberechtigt". KI kann dennoch hier zum Einsatz kommen, wenn die Technik dazu dient, eine Performance "zu verbessern oder zu unterstützen, die im Wesentlichen von Menschen gestaltet wird". Der oder die Darstellerin müssen den Einsatz von KI auch genehmigt haben.
"Val Kilmer" aus "As Deep as the Grave" nicht zugelassen
Ausgeschlossen wäre durch diese neuen Regeln für die kommenden Golden Globes etwa der mittels KI für den Film "As Deep as the Grave" wiederbelebte Val Kilmer (1959-2025). Dieses neue Filmprojekt sorgte erst vor wenigen Wochen für Furore. Der vor rund einem Jahr an den Folgen einer Krebserkrankung verstorbene Schauspieler tritt hier mithilfe von Künstlicher Intelligenz noch einmal auf. Sein Nachlass unterstützt das Projekt ebenso wie die Kinder des Verstorbenen. Doch selbstverständlich wurde hier der überwiegende Teil der Performance - in diesem Fall alles - mittels KI erzeugt. Bei den Golden Globes kann der KI-Kilmer insofern nicht in einer Schauspielkategorie nominiert werden.
Andere kontroverse Fälle der vergangenen Jahre würden bei einer Bewertung aufgrund der neuen Golden-Globe-Regeln besser abschneiden. So geriet im Vorfeld der 97. Oscarverleihung 2025 das Werk "Der Brutalist" von Filmemacher Brady Corbet (37) in die Kritik. Grund war die Enthüllung, dass die ungarischen Dialoge von Adrien Brody (53) und Felicity Jones (42) mithilfe eines KI-Tools verbessert worden waren. Doch nach den neuen Richtlinien der Golden Globes würde das wohl kein Problem darstellen.