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"Anke Late Night": Das letzte Mal

Zum letzten Mal lädt Anke Engelke heute Abend zu ihrer Late-Night-Show. Wegen schlechter Quoten und noch schlechteren Kritiken hatten die Sat1-Verantwortlichen die Show nach nur fünf Monaten abgesetzt.

Nach nur fünf Monaten läuft Anke Engelkes Late-Night-Show zum letzten Mal im Sat1-Programm. Erst im Mai dieses Jahres hatte die 38-Jährige die Nachfolge von Harald Schmidt auf dem späten Sendeplatz um 23.15 Uhr übernommen, konnte die in sie gesetzten Erwartungen und Quotenhoffnungen jedoch nicht erfüllen. Für Sat1-Geschäftsführer Roger Schawinski war die Entscheidung, die Show abzusetzen, "das Ergebnis langer und intensiver Überlegungen und Gespräche und die Konsequenz aus der Quotenentwicklung."

"Schade, dass die Sendung nicht mehr Zuschauern so viel Spaß gemacht hat wie meinem Team und mir", sagte die Entertainerin. "Im übrigen plane ich keine kreative Pause." Trotz vieler Versuche, die Sendung auf Kurs zu bringen, liefen ihr die Zuschauer weg. Nach Abschluss der Sommerpause kehrte Engelke mit neuer Optik und verkleinertem Studio auf den Bildschirm zurück. Die Quoten wurden nicht viel besser, über die Einstellung der Show wurde zuletzt immer offener spekuliert.

Im Schnitt sahen zuletzt nur 650.000 Zuschauer bei Marktanteilen um sieben Prozent Anke Engelkes Sendung. ProSieben Sat1-Vorstandschef Guillaume de Posch hatte im Sommer bereits Marktanteile in zweistelliger Höhe gefordert. Dabei hatte die Entertainerin, die ihre Comedy "Ladykracher" und weitere Shows bei Sat1 behalten wird, noch einen glänzenden Start hingelegt: Am 17. Mai verbuchte sie bei der für den Sender wichtigen Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen Zuschauer einen Marktanteil von rund 25 Prozent.

Hoher Verlust für Brainpool

Da die Werbeeinnahmen wegen sinkender Quoten zurückgingen, drohte die Late-Night-Show für Sat1 zum Minusgeschäft zu werden. Bei einer Vertragsauflösung für die Sendung geht es um viel Geld. In dem ursprünglich auf drei Jahre angesetzten Vertrag sollte Sat1 rund 40 Millionen Euro an die Kölner Produktionsfirma Brainpool überweisen. Für die zur Viva AG gehörende Produktionsschmiede ergibt sich aus der Einstellung der Show ein hoher Verlust, denn neben ein paar kleineren Formaten verbleibt jetzt nur noch Stefan Raabs "TV total" auf ProSieben.

Engelke konnte ihrem Vorgänger nie das Wasser reichen

Anke Engelke galt gerade für Sat1-Geschäftsführer Roger Schawinski als Zukunftsinvestition. Denn im Wirrwarr rund um die Entlassung seines Vorgängers Martin Hoffmann entschloss sich Anfang Dezember 2003 auch Harald Schmidt, dem Sender den Rücken zu kehren. Eiligst suchte Schawinski eine Nachfolge und fand sie mit Engelke. Doch die begabte Kölnerin konnte Schmidt nie das Wasser reichen: Die Gags waren von der Redaktion zwar zum Teil glänzend präpariert, doch aus Engelkes Mund wirkten sie fremd und teilweise abgelesen.

Spekulationen um eine Rückkehr Schmidts zu Sat1 beantwortete seine Managerin, Sigrid Korbmacher, mit den Worten: "Kein Kommentar". Der 47-Jährige befindet sich bis Ende des Jahres auf Weltreise.

Weiterer Rückschlag für Schawinski

Der erste große Coup von Schawinski ist damit zum kräftigen Rückschlag geworden. Auch andere Formate unter seiner Führung haben Zuschauerprobleme: Das Boulevardmagazin "Klatsch TV" funktionierte nicht und lief am 1. Oktober aus. Die mit Vorschusslorbeeren bedachte Reality-Reihe "Kämpf um Deine Frau" kämpft mit schlechten Quoten. Schawinskis Nachrichtenoffensive mit der Verpflichtung von Anchorman Thomas Kausch mag zwar inhaltlich Fortschritte gebracht haben, die Zuschauerakzeptanz der Hauptnachrichtensendung um 18.30 Uhr hat sich aber nicht wesentlich geändert.

Mit Material von DPA