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Der Blockbuster des Sommers "Black Widow": Superheldin auf Schmerzmitteln und ein heimlicher Star

Scarlett Johansson als "Black Widow"
Scarlett Johansson als "Black Widow" Natasha Romanoff
© Uncredited/ / Picture Alliance
Lange musste Scarlett Johanssons Marvel-Charakter Natasha Romanoff auf ihren großen Auftritt warten. Jetzt hat es "Black Widow" auf die Kinoleinwand geschafft. Der stern hat mit den Stars des Blockbusters gesprochen. 

Frauen sind in Superhelden-Filmen oft nur sexy Beiwerk. Sie dienen als Motivation für die starken, rachsüchtigen Typen (wie in "Deadpool") oder sie sind Teil des Teams, aber eben nicht in der ersten Riege. Letzteres traf lange auf Scarlett Johanssons Avengers-Charakter Natasha Romanoff zu. Jetzt hat die Agentin mit "Black Widow" endlich ihren Solo-Auftritt auf der großen Leinwand bekommen. Und das, obwohl Romanoff in der aktuellen Timeline der Filme längst tot ist. 

"Black Widow": In dieser Timeline spielt der Film

Zeitlich spielt "Black Widow" nach "Captain America: Civil War". Ein Teil der Avengers sind in Ungnade gefallen, Romanoff ist auf der Flucht. In einem kleinen Wohnwagen in Norwegen scheint sie in Sicherheit zu sein, bis sie ihre Vergangenheit wieder einholt. Nicht in Form der Avengers, sondern ihr Leben, bevor sie ein Teil der Superhelden-Truppe wurde.

Von ihrem vermeintlich sicheren Versteck reist sie nach Budapest. Grund ist ein Paket mit kleinen Fläschchen, die eine rote Flüssigkeit enthalten und die sie nur mit aller Gewalt in Sicherheit bringen kann. In Budapest angekommen wird klar, wer ihr das Paket geschickt hat. Es war Yelena (Florence Pugh), ihre Schwester. Dass die beiden nicht blutsverwandt sind, erklärt sich schnell.

Familienzusammenkunft der schwarzen Witwen

Denn Natasha und Yelena wuchsen bei ihren Fake-Eltern Melina (Rachel Weisz) und Alexei (David Harbour) in den USA auf, bis sie von den beiden an Oberbösewicht Dreykov ausgeliefert wurden. In dessen Hauptquartier, dem Red Room – von dem niemand weiß, wo er wirklich ist –, wurden sie mit einer Gehirnwäsche gefügig gemacht und zu unschlagbaren Kämpferinnen ausgebildet, den Black Widows. Mädchen hat die Welt doch sowieso zu viele, sagt Dreykov. 

Die rote Flüssigkeit in den Fläschchen ist das Gegenmittel, das Yelena nutzt, um Mädchen überall auf der Welt zu befreien. Um den Bösewicht Dreykov auszuschalten, tun sich die Schwestern zusammen. Erst aber verarbeiten sie ihre schwere Vergangenheit, indem sie sich vermöbeln.

"Nichts ist daran 'girly'"

"Der Grund, warum es so schockierend ist, die beiden kämpfen zu sehen, ist, weil da nichts dran 'girly' ist. Das habe ich so vorher noch nicht in Filmen gesehen", erklärt Yelena-Darstellerin Florence Pugh im Interview mit dem stern. "Aber Cate [Anm. d. Red.: Regisseurin Cate Shortland] hat immer sichergestellt, dass man sich als Zuschauer darüber im Klaren ist, dass da Frauen kämpfen", sagt sie. Und tatsächlich: Die Haare fliegen, hier und da blitzt ein goldener Ohrring auf. "Alles wundervolle Dinge um zu zeigen, dass hier Frauen das tun, was sonst immer Männer machen", erklärt die Britin. 

Auf der Suche nach dem Red Room bitten Natasha und Yelena die zwei Menschen um Hilfe, die mitverantwortlich sind dafür, dass ihre Kindheit gestohlen wurde: Melina und Alexei. Letzterer, die Vaterfigur, verfügt selbst über Superkräfte und hat sich vor einigen Jahrzehnten als Red Guardian einen Namen gemacht. In den Marvel-Comics ist Red Guardian der russische Captain America mit gestähltem Körper und grenzenloser Kraft. "Black Widow" geht einen gänzlich anderen Weg.

Der Red Guardian als Witzfigur

Dargestellt von David Harbour ist der abgehalfterte Superheld eher eine Witzfigur. Er ist den Frauen in fast jedem Aspekt unterlegen. Eine Rolle, mit der sich Harbour schnell anfreunden konnte. "Ich liebe das. Es war längst überfällig. Es ist peinlich, dass wir schon Ewigkeiten Filme über Männer gemacht haben und dass es fast schon überraschend ist, wenn eine Frau die Hauptrolle bekleidet", sagt er selbst.

"Dabei fühlt es sich nicht politisch an oder als gäbe es eine Agenda. Die Frauen sind einfach superstark. Und sie sind das seit Jahrhunderten, aber vielleicht haben wir einfach nicht genug drüber gesprochen", erklärt Harbour dem stern

Weg von der Hypersexualisierung

Zehn Jahre hat es gedauert von der Idee eines Black-Widow-Films bis zu seiner Umsetzung. Zehn Jahre, die nötig waren. Denn Johanssons Filmcharakter wurde erstmals in "Iron Man 2" vorgestellt. Als – wie könnte es anders sein – sexy Beiwerk. "Die Figur hat sich weiterentwickelt, weg von dieser Hypersexualisierung, die ihr vor einer Dekade auferlegt wurde", erklärt Johansson im Gespräch.

Der Blockbuster des Sommers: "Black Widow": Superheldin auf Schmerzmitteln und ein heimlicher Star

In einer früheren Filmversion sollte Yelena als Antagonistin von Romanoff auftreten. "Das war der Punkt, an dem ich wusste, dass ich in der Produktion involviert sein will", sagt Johansson. "Wir mussten einen Film schaffen, der den Zeitgeist widerspiegelt und zeigt, wie Frauen solidarisch miteinander sind. Wir wären aufgespießt worden, hätten wir die andere Geschichte erzählt", erklärt die 36-Jährige. Heute kann man sagen: Ein Glück, dass es so gekommen ist. Es ist erfrischend, zwei weibliche Hauptrollen zu sehen, die eben nicht zu Rivalinnen werden, sondern Seite an Seite kämpfen. 

Und so ist "Black Widow" in vielerlei Hinsicht ein gelungener Marvel-Blockbuster. Er zeigt endlich eine Superheldin und dabei eine ganz andere als Wonder Woman. Black Widow ist keine Göttin, sie ist auch nicht unbesiegbar. Sie ist die Heldin, die nach einer harten Prügelei schon mal eine Paracetamol braucht. Und sie ist die Heldin, deren Geschichte mehr Tiefe hat als ihr Dekolleté. Scarlett Johansson zuzuschauen, wie sie um ihr Leben und das von zahllosen kleinen Mädchen kämpft, ist ein Genuss. Mit Co-Star Florence Pugh ist derweil ein neuer Marvel-Star am Himmel aufgegangen. Wie ihre Geschichte in Zukunft weitererzählt wird, ist spannend. In typischer Marvel-Manier wird das bereits im Bonusclip nach dem Abspann angedeutet. 

Der deutsche Kinostart von "Black Widow" ist am 8. Juli. Auf Disney + ist der Film mit VIP-Zugang ab dem 9. Juli zu sehen. 


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