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"Germanikus": Rom und Ehre

Mit "Germanikus" hat Kabarettist Gerhard Polt den bayerischen Sandalenfilm erfunden.

Wenn ein toter Mann im alten Rom nicht auf den Kompost soll, weil dorthin nur Pflanzenabfälle gehören, dann hat nicht Mel Gibson, sondern Gerhard Polt einen Film gedreht: "Germanikus" kommt als schwarze Komödie daher, als Satire von alpiner Hinterfotzigkeit. Es ist die Geschichte eines Sumpfgermanen, den ein Trupp von Sklavenjägern an die Besitzerin einer römischen Gladiatorenschule, gespielt von Gisela Schneeberger, verkauft. Polt, der bayerische Staatspreisträger für Literatur, ist kaum wiederzuerkennen. Er trägt einen altrömischen Minirock und eine blonde Perücke. Zweimal, behauptet er, sei er mit Steffi Graf verwechselt worden.

Sandalenfilme liegen im Trend. Russell Crowe als Gladiator, Jesus in Blut und Wunden, demnächst Brad Pitt als Achilles. Vielleicht auch deswegen hat "Germanikus" eine wahre Völkerwanderung auf attraktive Nebenrollen ausgelöst. Tom Gerhardt spielt den Märtyrer Almosius, Moritz Bleibtreu den Kaiser Gajus Maximus, der den Jahrestag seines Muttermordes feiert, Anke Engelke unterliegt keifend im Kampf um eine der knappen Parklücken für Sänften. Irm Herrmann spielt Polts germanische Mutter (eine lustige Idee, denn Mutter und Sohn haben im wahren Leben den gleichen Geburtsjahrgang, der Sohn ist sogar sechs Monate älter).

Im Flachland des deutschen Humors ist Polt eine einsame Größe. Im Großen Brockhaus zwischen Polstermilbe und Polyäthylen als Kabarettist und Schauspieler registriert, geboren am 7. Mai 1942 in München, gilt er als scheuer Außenseiter unter den Promis der Republik. Weder "Bunte" noch "Gala" durften bisher eine Home-Story über ihn publizieren. Polt gehört keiner Schule der Hochkomik an; die Gattungsbegriffe professionellen Entertainments zerlaufen an dieser Figur wie Butter auf dem Hendl.

Der junge Polt hauste längere Zeit unerkannt in einem Turm in Göteborg, studierte Smorgasbords und Skandinavistik, spricht diverse bayerische Mundarten, ebenso Marketing-Chinesisch, amerikanisches Englisch, Italienisch, Altgriechisch und Latein, ist aber im landläufigen Sinne alles andere als gesprächig. Es ist gut möglich, dass innerhalb von fünfzehn Minuten, der Zeit also, in der Edmund Stoiber ohne zu atmen gut neunzig Statements zu aktuellen Fragen in die Mikrofone fallen lässt, dass also Gerhard Polt in dieser Zeit absolut nichts von sich gibt, allenfalls ein Räuspern oder ein zögerndes "Mei".

Mei, als römischer Sklave

ist er nur ein geringwertiger Sachwert und ständig auf der Flucht. "Der wahre Mensch ist die Ware Mensch", sagt Polt, daran habe sich bis heute wenig geändert. "Unsere Gesellschaft wäre reif, die Sklaverei wieder einzuführen, ohne daran Schaden zu nehmen. Allerdings unter Wahrung der Menschenrechte. Die Würde des Sklaven ist verletzlich." Der Sklave Germanikus ist ein Verfolgter, von Prätorianern und Hunden gehetzt, findet er sich am Ende im Kolosseum zwischen hingemordeten Christen wieder. Dem Tiger, der ihn zerreißen soll, ruft er das Grußwort aller deutschen Tierfreunde entgegen: "Ja, wo isser denn?" Der Tiger macht Sitz. Jodeln kann er auch. Und dann folgt der Untergang Roms. Aber es wäre nicht fair, das Ende des Dramas zu verraten.

Emanuel Eckardt / print