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"True Grit" von den Coen-Brüdern: Oscar-Favorit voller Kraft und Ironie

Mit "True Grit" bringen die Coen-Brüder eine Neuinterpretation des Klassikers "Der Marshall" auf die Leinwand. Der Western, der in den USA mehr als 86,8 Millionen Dollar eingespielt hat, will jedoch kein Remake sein.

Kinotrailer: "True Grit"

Wer in dem neuen Film "True Grit" der Coen-Brüder ein Remake des John Wayne-Westerns "Der Marshall" sucht, kommt nicht auf seine Kosten. Coen-Fans hingegen können sich auf eine unterhaltsame und stilistisch eigenwillige Neuinterpretation des Klassikers freuen, mit dem vor kurzem die 61. Internationalen Filmfestspiele von Berlin eröffnet wurden: Der Western trägt durchaus die Handschrift der Meister ihres Fachs, auch wenn die Charaktere weniger schräg sind als sonst bei Joel und Ethan Coen ("No Country for Old Men"). Außerdem ist das Werk für gleich zehn Oscars nominiert.

"True Grit" basiert wie "Der Marshall" auf einer Romanvorlage von Charles Portis: Ein Mädchen will den Mord ihres Vaters rächen und engagiert den trunksüchtigen Marshall Rooster Cogburn (Oscar-Preisträger Jeff Bridges). Widerwillig lässt sich der raubeinige Haudegen auf das Geschäft mit der Vierzehnjährigen (Hailee Steinfeld) ein. Gemeinsam begibt sich das ungleiche Paar auf ein Abenteuer, bei dem sie nicht alleine sind. Der Texas Ranger LaBoeuf (Matt Damon) ist ebenfalls hinter dem Mörder her und will die saftige Kopfprämie kassieren.

Die Amerikaner Ethan und Joel Coen entfernten sich von der damaligen Verfilmung, die John Wayne den Oscar einbrachte. Sie legen den Fokus auf das junge Mädchen, das ungewöhnlich couragiert, kaltschnäuzig und erwachsen ist und näheren sich damit dem deutschen Romantitel "Die mutige Mattie". Das englische Original "True Grit" heißt übersetzt so viel wie "Wahrer Schneid".

Dass die Coen-Brüder Western lieben, ist spätestens seit "No Country for Old Men" aus dem Jahr 2007 bekannt, für den sie mit vier Oscars ausgezeichnet wurden. Nun erweisen sie diesem Genre erneut die Ehre. Ihre Bilder sind kraftvoll, die Szenen gewaltig, der Soundtrack erstklassig und die Inszenierung eigenwillig und teilweise skurril - sozusagen in bester Coen-Manier. Ihre Faible für Ironie und schräge Charakteren kommt auch hier wieder eindeutig zum Ausdruck, wenn auch in gemäßigterem Maße.

Die Besetzung der Hauptrollen ist perfekt: Mit Bridges in der Rolle des dem Alkohol verfallenen alten und müden Haudegen konnten die Coen-Brüder nichts falsch machen. Mehrmals hat der 61-Jährige gezeigt, dass ihm solche abgehalfterten Coolness-Parts wie auf den Leib geschnitten sind - so auch in "The Big Lebowski", dem ersten Film, den Bridges mit dem Duo gedreht hat.

Eine wahre Überraschung hingegen ist die 14-jährige Hailee Steinfeld in der Rolle als Mattie. Die amerikanische Newcomerin erstaunt mit einer starken Debüt-Leistung. Sie bietet Bridges und Damon erstaunlich mühelos die Stirn: Als aufmüpfiges, starrsinniges und mutiges Mädchen, hinter deren harter Schale sich durchaus Furcht und Angst verstecken, überzeugt Steinfeld auf ganzer Linie.

Man darf den Film weder mit dem Wayne-Streifen vor mehr als 40 Jahren vergleichen, noch mit vielen anderen, klassischen Coen-Filmen. An den zynischen Humor und die absonderlichen Charaktere von Coen-Werken wie in "A Serious Man" kommt der Film nicht heran. Dennoch ist "True Grit" ein unterhaltsamer Western mit eindringlichen Szenen und Bildern.

Sabine Glaubitz, DPA / DPA