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Auftakt zur Berlinale: So schön wird es nicht wieder

Stars, Glamour und ein richtig schöner Film: Die Berlinale 2011 ist mit "True Grit" von den Coen-Brüdern und Oscar-Preisträger Jeff Bridges glanzvoll eröffnet worden. Doch so leichtfüßig wird es nicht bleiben: Ab sofort steht vor allem politisches Weltkino auf dem Programm.

Von Carsten Heidböhmer, Berlin

Jeff Bridges war zur Eröffnung der Berlinale in die deutsche Hauptstadt gekommen

Jeff Bridges war zur Eröffnung der Berlinale in die deutsche Hauptstadt gekommen

Es war für Dieter Kosslick ein Auftakt nach Maß: Zu seinem zehnten Amtsjubiläum als Berlinale-Chef ist es dem umtriebigen Schwaben gelungen, einen Eröffnungsfilm in die Hauptstadt zu holen, der alles mitbringt, was das Cineasten-Herz höher schlagen lässt: eine packende Handlung, angesagte Stars und ein Regisseur-Duo, das derzeit fast alles richtig zu machen scheint. "True Grit" ist schon jetzt der kommerziell erfolgreichste Film in der langen Karriere der Coen-Brüder, die mit Filmen wie "Fargo", "The Big Lebowski" oder "O Brother, Where Art Thou" schon seit langem Liebling der Kritiker sind. Für "No Country for Old Men" erhielten sie 2008 endlich die verdienten Weihen der Oscar-Academy und wurden gleich vier Mal ausgezeichnet, darunter in den Kategorien Bester Film, Beste Regie, und Bestes adaptiertes Drehbuch. Auch "True Grit" könnte bei der Verleihung Ende des Monats zu den großen Gewinner zählen, zehn Mal ist das Remake des John-Wayne-Westerns "Der Marshall" nominiert.

Zur Premiere am Potsdamer Platz fand sich die Crème de la Crème des deutschen Films ein: Von Mario Adorf über Marie Bäumer und Natalia Wörner bis zu August Diehl, Jan Josef Liefers und Anna Loos war alles gekommen, was Rang und Namen hat. Die Beatsteaks verliehen der Auftaktveranstaltung den nötigen Schuss Rock’n’Roll, und Anke Engelke führte launig durch den Abend. Im Zentrum standen aber die Regisseure des Eröffnungsfilms, Joel und Ethan Coen, die drei ihrer Stars in die Hauptstadt mitgebracht haben: Jeff Bridges, Josh Brolin und die erst 14-jährige Schauspiel-Entdeckung Hailee Steinfeld. Kein Wunder, dass das Interesse an der diesjährigen Berlinale-Eröffnung enorm war.

Großer Andrang auf der Pressekonferenz

Das zeigte sich schon am Nachmittag. Weil die Pressekonferenz vollkommen überfüllt war, mussten zahlreiche Journalisten das Frage-Antwort-Spiel mit den Hollywood-Stars in einem Nebenraum am Bildschirm verfolgen. Und das war erwartet unterhaltsam: Gekonnt parierten die Coen-Brüder die Fragen nach der politischen Relevanz ihres Films ("Kein aktueller Bezug"), nach John Wayne ("Heutige Kinder kennen John Wayne nicht mehr") oder nach der Brutalität in ihren jüngsten Werken ("Es ist nicht persönlich gemeint"). Jeff Bridges, der schon in "The Big Lebowski" mit den Coens gedreht hatte, fand immerhin eine plausible Erklärung für den gegenwärtige Erfolgswelle, auf der das Regie-Duo surft: "Die sind die besten Filmemacher, die es gibt. Die Filme, die sie machen, sind einfach Super-Filme."

Deutlich ernster der Ton auf der Eröffnungskonferenz der 61. Berlinale, bei der sich die internationale Jury unter Vorsitz von Isabella Rossellini vorstellte. Dort forderte Rossellini noch einmal die Freilassung des Jury-Mitglieds Jafar Panahi, der im Iran zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt wurde und sein Heimatland nicht verlassen darf. Panahis Platz blieb auf dem Podium demonstrativ leer. "Wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass er noch kommen kann und seinen Platz in der Jury einnimmt", sagte Rossellini. "Die Meinungs- und Redefreiheit ist die Grundlage des Filmemachens."

Ab sofort stehen politische Filme im Zentrum

Damit dürfte der Ton für die kommenden zehn Tage gesetzt sein: Denn nicht großes Hollywood-Spektakel à la Coen-Brüder wird dominieren, sondern politische Filme. Am Freitag wird in einer Solidaritätsveranstaltung Jafar Panahis "Offside" gezeigt. In den Wettbewerbsfilmen geht es um Themen wie die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, den RAF-Terror, den Nahost-Konflikt und die Finanzkrise.

Schwere Kost also. Da verwundert es kaum, dass der Eröffnungsfilm auf so große Begeisterung stößt: "True Grit" ist ein schnörkelloser Western, der in der guten alten Zeit spielt, als Konflikte noch direkt Mann gegen Mann - und ganz ohne Vermittlungsausschuss - gelöst wurden. Als ein Mann noch zwischen Gut und Böse zu unterscheiden wusste. Die Zuschauer im Berlinale-Palast lehnten sich zurück und genossen. Sie wussten: So schön und einfach wird es die nächsten Tage nicht bleiben.