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"V wie Vendetta": Der Rächer mit der Maske

Ein mysteriöser Maskenheld, eine kugeläugige, kahl rasierte Darstellerin in einem Science-Fiction-Szenario. Nach einem Drehbuch der Brüder Wachowski ("Matrix") verknüpft die Comicverfilmung "V wie Vendetta" viele bekannte Elemente zu einem neuen Werk.

Von Kathrin Buchner

Es gibt Filme, die einen zwar zwei Stunden in ihren Bann ziehen, aber am Ende bleiben in der Erinnerung nicht mehr als einzelne Szenen hängen. Genauso geht es einem bei "V wie Vendetta". Für seinen Debütfilm hat Regisseur James McTeigue allerdings extrem viel Geld locker gemacht, was womöglich daran liegt, dass das Drehbuch von den Brüdern Wachowski stammt, die mit der Science-Fiction-Trilogie "Matrix" sehr erfolgreich waren.

"V wie Vendetta" spielt ebenfalls in der Zukunft, in einem totalitären Großbritannien. Die Menschheit wird von Revolten, Seuchen, Viren, Terrorismus und Bürgerkrieg bedroht. Nur "good old Britain" funktioniert noch dank der eisernen Führung des diktatorischen Kanzlers Sutler (John Hurt). Mit Geheimdienstpolizei, ständiger Überwachung und der Verfolgung von Andersgläubigen und Randgruppen hält er seine Untertanen im Zaum. Nebenbei lässt Sutler an der Erschaffung eines unbesiegbaren Superhelden in Menschenform herumexperimentieren – was alles stark an die Methoden im Dritten Reich erinnert.

Held kämpft mit Messern und High-Tech

Im Mittelpunkt steht der Mann mit der Maske. V ist der große Unbekannte (Hugh Weaving), eine Mischung aus Superman, Zorro und Batman. Das Gesicht dieser starren, porzellanartigen Maske ist den Engländern bestens bekannt: Sie trägt die Züge des berühmten katholischen Freiheitskämpfer Guy Fawkes, der sich 1605 mit 36 Fässern Schießpulver in einem Tunnel verschanzt hatte und das protestantische Parlament Londons in die Luft sprengen wollte. Noch heute verbrennen die Briten jedes Jahr am 5. November, dem Tag des missglückten Attentats, seine Figur. Auch V fühlt sich als Freiheitskämpfer, verdammt die tyrannische Führungsriege, kämpft auf altertümliche Art mit Messern, aber schaltet sich in die High-Tech-Übertragungsanlage der Regierung ein und ist mit seinem Appell zum Aufstand auf allen Fernsehschirmen der Nation zu sehen.

Kahl rasiert findet Evey innere Befreiung

Zwischendurch rettet V noch die junge Waise Evey (Natalie Portman), die nach der Sperrstunde auf der Straße unterwegs ist und von Geheimpolizisten aufgegriffen und misshandelt wird. Ihre regimekritischen Eltern wurden umgebracht als sie noch ein Kind war. V schleppt sie in sein unterirdisches Verlies und versucht sie zu überreden, ihn in seinem Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit zu unterstützen. Evey flieht, wird aber gefasst, kahl rasiert, in einen Kerker gesperrt und gefoltert. Sie zeigt einen unbeugsamen Willen, findet innere Befreiung, wird vermeintlich ein zweites Mal von V gerettet und beginnt heftige Diskussionen mit ihm.

Geschliffene Dialoge über Methoden des Aufstands

Der Film lebt weniger von Action-Szenen oder Special Effects als von der düsteren Atmosphäre des totalitären Überwachungsstaats und den geschliffenen Dialogen zwischen Evey und V über die Methoden eines Aufstands und deren Berechtigung. Großartig ist Natalie Portman in ihrer Wandlung von einem unscheinbaren Büromäuschen hin zur erbitterten Widerstandskämpferin, ebenso wie Hugo Weaving, der durch die starre Maske hindurch sowohl die empfindsame und intellektuelle Seele transportiert als auch den verbitterten und brutalen Rächer durchscheinen lässt. Als komisches Element brilliert Eveys Chef, der TV-Moderator Gordon Deitrich (Stephen Fry), der Kopf und Kragen riskiert als er sich in seiner Comedy-Show über den Regierungschef Sutler lustig macht.

Comicvorlage Kritik an Thatcher-Ära

Als Vorlage diente der Comic-Roman "V wie Vendetta", den die Autoren Alan Moore und David Lloyd 1981 begannen und erst 1989 fertig stellten. "Was wir von Margaret Thatchers ultra-konservativer Regierung hielten, setzen wir in den faschistischen britischen Polizeistaat um, der 'Vendetta' beherrscht", sagt David Lloyd. Gedreht wurde übrigens auch in den Studios Babelsberg bei Berlin.

Durchwachsenes Regiedebüt

Insgesamt ist das Regiedebüt von James McTeigue, der als Werbefilmer und Regieassistent auch für "Matrix" gearbeitet hat, sehr durchwachsen: großartige schauspielerische Leistungen auf der einen Seite, eine etwas abgedroschene Story auf der anderen Seite. So wichtig die Aussagen sind, die transportiert werden, so wenig neu und überraschend ist die Form, in der dies geschieht. Eins bleibt einem aber gewiss in Erinnerung: dass das Geheimnis des Maskenmannes nie gelüftet wurde. Und dass Natalie Portmans Kulleraugen ohne Haare noch größer wirken als sie eigentlich sind.