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"Wall Street"-Regisseur im Interview: Oliver Stone steht auf die Gekkos dieser Welt

Alle lieben Siegertypen - da will sich US-Regisseur Oliver Stone nicht ausnehmen. Im Interview erklärt der "Wall Street"-Regisseur, warum das selbst für den skrupellose Filmcharakter und Finanzhai Gordon Gekko gilt.

Regisseur Oliver Stone steht auf Gewinnertypen - auch wenn sie skrupellos wie der Finanzhai Gordon Gekko aus seinen "Wall Street"-Filmen sind. "Ich mag solche Charaktere", sagte der dreifache Oscar-Preisträger in einem dapd-Interview in Berlin. Dass diese unmoralisch seien, sei nicht der Punkt. "Die Menschen finden Gewinner gut, in den USA, wahrscheinlich überall in der Welt", sagte der 64-Jährige. Er selbst sieht sich trotz allen Erfolgs allerdings nicht als Siegertypen: "Ich habe auch eine Menge verloren."

Die Finanzkrise ist für Stone in "Wall Street - Geld schläft nicht" (Kinostart: 21. Oktober), der Fortsetzung des Klassikers "Wall Street" aus dem Jahre 1987, nur der Hintergrund für eine Familiengeschichte. "Der Vordergrund, das sind sechs Menschen, die sich lieben, die in Beziehungen zueinander stehen in der Arena New York", sagte Stone und fügte hinzu: "Das Thema ist Vertrauen, das zwischen Familienmitgliedern besteht, zwischen Liebespaaren, zwischen Banken und der Gesellschaft." Vor allem die Banken verhielten sich - wie so manches Mal auch Familienmitglieder - nicht gut. "Wir sind in einer ernsten Phase", meinte Stone.

Trotz Finanzkrise hält er den Kapitalismus jedoch für das beste System. "Er kann funktionieren, wenn er reguliert und gemäßigt ist", sagte Stone. Schon sein Vater, der im Finanzbusiness gearbeitet habe, habe gesagt: "Kein Profit ohne Produktion." Dieser Satz habe weiter Gültigkeit.

Douglas als perfekte Besetzung

Die Idee für eine Fortsetzung des ersten "Wall Street"-Films von 1987 habe Michael Douglas gehabt, der den Finanzhai Gordon Gekko spielt. Schon 2006 sei Douglas mit der Idee zu ihm gekommen. "Damals konnten wir den Crash noch gar nicht voraussehen", sagte Stone. Douglas habe die Rolle geliebt. Sein Gesicht passe perfekt zur Rolle: "Die Weise, wie er lächelt, wie eine Schlange", sagte Stone.

Ende September habe er den krebskranken Douglas zuletzt bei der Premiere des neuen Films in New York gesehen. "Sein Zustand ist besorgniserregend", sagte Stone. Zwar sehe der 66-jährige Douglas gut aus, aber es sei eine schwere Zeit für ihn. "Es ist alles sehr unsicher, Krebs ist eine schlimme Sache." Der Hollywood-Star ist mit der Schauspielerin Catherine Zeta-Jones verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder.

Bei Douglas war Anfang August ein bösartiger Tumor an der Zungenwurzel entdeckt worden. Er unterzog sich gerade einer Bestrahlungsstherapie. Kürzlich hatte er angekündigt, nach der Krebsbehandlung eine Weltreise mit seiner Familie machen zu wollen. 1988 hatte Douglas für seine Darstellung des habgierigen Aktienhändlers Gekko einen Oscar erhalten.

Stone mag 3D

Ob es einen dritten Teil von "Wall Street" geben wird, weiß Stone noch nicht. Auch über sein nächstes Projekt verriet er nur so viel, dass es sich um eine noch nicht erzählte amerikanische Geschichte handele. In 3D wird die neue Produktion wohl nicht gezeigt werden, wenngleich Stone der Technologie nicht ablehnend gegenüber steht. "Es ist ein wundervolles Medium, man kann großartige Filme damit machen", sagte er und schränkte dann ein, sie sei aber nicht für alle Filme geeignet. Zudem müsse man die hohen Kosten im Blick behalten.

APN / APN