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Autorenstreik in Hollywood: Chaos vor den Golden Globes

Tauziehen um die Senderechte vor der Verleihung der Golden Globes. Die sonst so beliebte Gala wurde wegen des Autorenstreiks abgesagt, die Stars solidarisieren sich und werden nicht erscheinen. Ob wenigstens die Pressekonferenz übertragen wird, ist immer noch nicht klar.

Ob mit oder ohne Stars - zumindest die reine Bekanntgabe der diesjährigen Golden-Globe-Gewinner am Sonntagabend in Los Angeles wurde mit Spannung erwartet. Zu den wichtigsten Nominierten gehörten unter anderem George Clooney ("Michael Clayton"), Johnny Depp ("Sweeney Todd") oder Keira Knightley ("Abbitte"). Doch das Erscheinen der Schauspieler zur glanzlosen Verlesung der Preisträger in Streikzeiten galt eher als unwahrscheinlich. Denn die sonst so beliebte Gala zur Verleihung war wegen des Streiks der Drehbuchautoren abgesagt und stattdessen eine Pressekonferenz anberaumt worden. Dennoch gelten die von der Hollywood-Auslandspresse vergebenen Filmpreise als wichtiger Indikator für die Verleihung der Oscars am 24. Februar.

Um die "Pressekonferenz" war Anfang der Woche ein tagelanges erbittertes Tauziehen um die TV-Rechte entbrannt. Überraschend entzogen die Organisatoren am Freitag dem US-Sender NBC die exklusiven Übertragungsrechte und gaben die Veranstaltung für alle Medien frei. Neben NBC wollten jetzt erstmals auch mehrere andere Sender die Verkündung der Golden Globes live übertragen. Hintergrund des Streits: Die Produktionsfirma Dick Clark Productions, die im Auftrag der Hollywood-Auslandspresse für die TV-Version der Veranstaltung zuständig ist, hatte trotz der abgespeckten Fassung von NBC Geld für die Exklusivrechte gefordert. Dazu war NBC nicht bereit. Laut "New York Times" wolle der Sender keine Lizenzgebühr für eine "als Pressekonferenz verkleidete TV-Sendung" zahlen.

Der Sender, der seit Jahren die Gala exklusiv ausstrahlt, zahlt normalerweise um die fünf Millionen Dollar für die Senderechte und nimmt bis zu 25 Millionen durch Werbung ein. Dieses Mal soll es nach Angaben des "Hollywood Reporter" um Lizenzgebühren von etwa einer Million Dollar gegangen sein.

Auch die Drehbuchschreiber hatten daraufhin angekündigt, die Veranstaltung von ihrem Arbeitskampf auszunehmen. Das eröffnete den Stars die Möglichkeit, im letzten Augenblick doch noch zu erscheinen. Die Schauspieler hatten gedroht, die Veranstaltung aus Solidarität mit den Autoren zu boykottieren. Der Streik verbietet den Autoren für Filme, Fernsehsendungen und Shows - wie die Golden Globes - die Feder zu spitzen. Außerdem gehört die Produktionsfirma Dick Clark zu den bestreikten Unternehmen.

Der Streik der Drehbuchschreiber legt seit inzwischen elf Wochen zahlreiche Film- und Fernsehprojekte in Hollywood lahm. Die Autoren verlangen eine bessere Vergütung für die Wiederverwertung ihrer Arbeiten auf DVDs und im Internet, die Produzenten lehnen das ab.

DPA / DPA