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62. Berlinale: Alarm auf dem roten Teppich, Aufruhr im Kino

Die Filmszene rüstet sich für die Berlinale. Das Programm steht. Auf dem roten Teppich wird es voll wie selten, die Jolie kommt - und im Kino wird es aufrührerisch.

Von Sophie Albers

Minus zehn Grad am Dienstag, und die Wettervorhersage prophezeit, dass es auch am Donnerstag kommender Woche klirrend kalt wird, wenn in Berlin die Internationalen Filmfestspiele beginnen. Der gute Rat von Berlinale-Chef Dieter Kosslick lautet deshalb: "Ziehen Sie sich warm an". Das gilt auch für den Rest der Welt, wenn man das neue Berlinale-Programm betrachtet - und das Kino als Spiegel der Realität.

Um "Aufbrüche, Umbrüche, und Perspektivwechsel" gehe es in diesem Jahr, sagt der bereits in einen dicken Schal gewickelte Festivalchef auf der Pressekonferenz. Und das aus Sicht der Betroffenen. Angefangen mit den letzten 48 Stunden der Marie Antoinette zu Beginn der Französischen Revolution im Eröffnungsfilm "Leb wohl, meine Königin". Über Ost-West-Deutschland-Meditationen wie Christian Petzolds "Barbara". Bis hin zum filmischen Nachdenken über den Arabischen Frühling wie in "The Reluctant Revolutionary" über die Politisierung eines Geschäftsmannes in Kairo oder "In The Shadow Of A Man" über die Situation der Frauen in Ägypten.

Kaum ein Jahr ist es her, dass Ägyptens Volk den Despoten Mubarak aus dem Amt gejagt hat. Dessen letzte Stunden seien sicher "nicht so bunt und sexy" gewesen wie die von Marie Antoinette, so Kosslick, aber am Ende gehe es dann ums Gleiche: "um Geld und um sich selbst". Weitere Themenschwerpunkte der 62. Berlinale sind das Kino Afrikas und Chinas.

Großes Staraufgebot

Im Wettbewerb um den Goldenen Bären sind insgesamt 23 Filme zu sehen, davon fünf außer Konkurrenz sowie Sondervorführungen. Großes Kino und Stars bringen dabei Robert Pattinson und Uma Thurman mit "Bel Ami", Steven Soderbergh und Michael Fassbender mit "Haywire" oder auch Christian Bale mit "The Flowers Of War". Noch nicht sicher ist, ob Sandra Bullock für die Premiere von "Extrem laut und unglaublich nah" nach Berlin kommt. Dafür feiert Doris Dörries neuer Film "Glück" Weltpremiere.

Auch sonst ist der auf Grund der Temperaturen kürzere rote Teppich gut gefüllt: Darauf frieren Nina Hoss, Angelina Jolie, Diane Kruger, Clive Owen, Keanu Reeves, Juliette Binoche, Shah Rukh Khan, Salma Hayek, Javier Bardem und nicht zu vergessen die Jury, die in diesem Jahr wahrlich aus dem Vollen schöpft: Präsident ist Regisseur Mike Leigh ("Happy-Go-Lucky"), der sich unter anderem mit den Schauspielern Jake Gyllenhaal ("Brokeback Mountain") und Charlotte Gainsbourg ("Melancholia") sowie den Filmemachern Anton Corbijn ("Control") und Ashgar Farhadi (Oscaranwärter "Nader und Simin - Eine Trennung") berät.

Hollywood-Aushängeschild Angelina Jolie kommt übrigens erstmals als Regisseurin. Und das mit einem heftigen Debüt: "In The Land Of Blood And Honey" erzählt eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der systematischen Vergewaltigungen im Bosnienkrieg. Ihr Film gehört zu einer neuen Reihe von Berlinale Special im Haus der Berliner Festspiele, wo das Publikum zum Mitdiskutieren aufgefordert ist.

1200 Filmvorführungen in sechs Tagen

In eine erfolgreiche Zukunft blickt der European Film Market, der Filmmarkt der Berlinale gehört zu den größten der Welt. In diesem Jahr gebe es in sechs Tagen 1200 Filmvorführungen zu sehen, sagt Filmmarkt-Chefin Beki Probst. Und es sei übrigens abzusehen, dass 2013 ein gutes Jahr für Komödien werde.

Am Ende noch zwei Hinweise zum Thema Eisen: Überschauspielerin Meryl Streep darf sich den Ehrenbären abholen, und deshalb wird das für ihre jüngste Oscarnominierung verantwortliche Thatcher-Porträt "The Iron Lady" gezeigt. Und dann ist da noch "Iron Sky", ein Film, der auf den inoffiziellen Titel "Festival-Skandal" zusteuert. Schließlich geht es um Nazis, die sich auf dem Mond versteckt haben und nun auf die Erde zurückkommen. In zehn Tagen wissen wir, wie es ausgeht.