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60 Jahre Filmfestival Cannes: Stars, Skandale und Tumulte

Am 20. September 1946 startete das Filmfestival in Cannes klein und beschaulich. Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Schau zum größten Kinospektakel der Welt - mit den besten Geschichten jenseits der Leinwand.

Italienische Regie-Legenden wie Federico Fellini und Luchino Visconti wurden an der berühmten Strandpromenade Croisette gefeiert und Schönheiten wie Liz Taylor, Brigitte Bardot, Sophia Loren und Claudia Cardinale begeistert empfangen. Als am 20. September 1946 das erste internationale Filmfestival in Cannes startete, ahnte niemand, dass aus der damals als Alternative zum faschistisch beeinflussten Filmfestival in Venedig gegründeten Filmschau eines der größten Kinospektakel der Welt werden würde.

Hollywood-Größen wie Jack Nicholson und Kirk Douglas, aber auch Paparazzi-Skandale und Tumulte während der Studentenunruhen 1968 trugen zum Mythos Cannes bei. In diesem Jahr feiert das Festival sein 60-jähriges Jubiläum.

Knapp zehn Jahre sollte es dauern, bevor das Festival, das eigentlich schon sieben Jahre zuvor Premiere feiern sollte, zu einem Muss der internationalen Kinowelt wurde. 1948 und 1950 fiel es zunächst wegen finanzieller Schwierigkeiten aus. Die erste Goldene Palme wurde erst 1955 vergeben. Die Auszeichnung gilt heute als einer der begehrtesten Kinopreise. Von 1951 an fand der zweiwöchige Kinomarathon schließlich nicht mehr im September, sondern im April statt. Alljährlich berichten inzwischen rund 3000 Journalisten aus 70 Ländern über das Großereignis.

Robert Mitchum poltert

Schon Anfang der 50er Jahre füllte Cannes die Schlagzeilen. Stars wie Robert Mitchum oder Liz Taylor verwandelten die Croisette in einen Boulevard der Hollywood-Größen. Mitchum trat mit derben amerikanischen Manieren zwar ein ums andere Mal ins Fettnäpfchen, wurde bei seinen Auftritten 1947 und 1954 aber dennoch zum umschwärmten "Bad Boy". Die Diva Taylor stellte 1951 ihren ersten Cannes-Film "Ein Platz an der Sonne" von George Stevens vor - und posierte im Badeanzug an der Seite von properen Marinesoldaten.

Diese Pionierjahre sollten erst der Auftakt zum glamourösen südfranzösischen Starkult auf dem Roten Teppich sein. Die aufregenden Formen des noch unbekannten Starletts Brigitte Bardot zogen hunderte von Fotografen an, die sie im schwarzen Sommerkleid und barfuß am Strand auf ihren Fotos verewigten. Von zahlreichen Kameras und Fotoapparaten wurde auch die neapolitanische Schönheit Sophia Loren empfangen, die Cannes erstmals 1959 als Schauspielerin die Ehre gab. Sieben Jahre darauf kehrte sie als Jury-Präsidentin zurück.

Werner Herzog erster prämierter Deutscher

Das Jahr 1968 sorgte in Cannes für eine Art Zeitenwechsel. Die französischen Studentenunruhen erreichten die Croisette. Das Festival musste abgebrochen werden und reformierte in der Folge die Regeln der Filmauswahl. Alternative Filmreihen wurden eingeführt wie "La Quinzaine des Réalisateurs". Ein Jahr später nahmen Jack Nicholson, Dennis Hopper und Peter Fonda für den Kultfilm "Easy Rider" den Preis für das beste Erstlingswerk in Empfang. Filmregisseur Robert Altman konnte sich 1970 mit seiner Antikriegs-Satire "M.A.S.H." die Goldene Palme sichern. Mit Werner Herzog wurde 1975 erstmals ein deutscher Filmemacher mit einem Hauptpreis bedacht, dem Jury-Spezialpreis für "Jeder für sich und Gott gegen alle".

Die nächsten Jahrzehnte gehörten wieder den großen, spektakulären Auftritten: Am Strand posierten nicht mehr nur leicht geschürzte Starletts, sondern auch bullige Typen wie "Terminator"-Darsteller Arnold Schwarzenegger. Internationale Kinogrößen wie Philippe Noiret, Gérard Depardieu, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert, Bruce Willis, Monica Bellucci, Nicole Kidman und Penelope Cruz wurden bei imposanten Auftritten auf illuminierten Yachten oder am Strand des "Majestic" Hotels gefeiert.

Sabine Glaubitz/DPA