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Deutscher Filmpreis: "Goldene Lola" für "Vier Minuten"

Monica Bleibtreu und Josef Bierbichler haben die Deutschen Filmpreise als beste Schauspieler abgeräumt. Beim Kopf-an-Kopf-Rennen um die Auszeichnung bester Film hängte "Vier Minuten" den Blockbuster "Das Parfum" ab.

Der Gefängnisfilm "Vier Minuten" von Chris Kraus hat den Deutschen Filmpreis 2007 gewonnen. Das verkündete Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) am Freitagabend bei der Verleihung des 57. Deutschen Filmpreises in Berlin. Silberne Lolas gingen an Tom Tykwers Bestsellerverfilmung "Das Parfum" und Marcus H. Rosenmüllers Heimatfilm "Wer früher stirbt ist länger tot". Als bester Schauspieler wurde Josef Bierbichler für seinen Part in dem Drama "Winterreise" ausgezeichnet. Bei den Schauspielerinnen setzte sich Monica Bleibtreu, die Klavierlehrerin in "Vier Minuten", durch. "Das Parfum" erhielt insgesamt fünf Lolas.

Nachwuchsstar Hannah Herzsprung ("Das wahre Leben") gewann eine Lola als beste Nebendarstellerin. Bester Nebendarsteller wurde Devid Striesow für seine Darstellung eines SS-Mannes in Stefan Ruzowitzkys KZ-Film "Die Fälscher", der bei der Berlinale im Wettbewerb lief. Detlev Bucks "Hände weg von Mississippi" nach dem Buch von Cornelia Funke wurde zum besten Kinder- und Jugendfilm 2007 gekürt. Den Ehrenpreis für sein Lebenswerk bekam der 76 Jahre alte Schauspieler Armin Mueller-Stahl ("Shine", "Die Manns").

Regisseur Tykwer und sein Produzent Bernd Eichinger durften sich gleich mehrfach freuen. Ihre opulente Bestseller-Verfilmung "Das Parfum" nach dem gleichnamigen Roman von Patrick Süskind, die bereits 5,6 Millionen Besucher verzeichnete, erhielt Auszeichnungen für die beste Kamera (Frank Griebe), das beste Szenenbild (Uli Hanisch), den besten Schnitt (Alexander Berner), die beste Tongestaltung (Stefan Busch, Dirk Jacob, Michael Kranz, Frank Kruse, Matthias Lempert, Hanse Warns und Roland Winke) und das beste Kostümbild (Pierre-Yves Gayraud). Rosenmüllers Film "Wer früher stirbt ist länger tot" holte drei Trophäen.

"Oscar-verdächtig!"

Kulturstaatsminister Neumann hob bei der Gala hervor, der deutsche Film sei auf gutem Weg. "Wer eine Lola nach Hause trägt, ist auch Oscar-verdächtig!", sagte er mit Blick auf den Lola- und späteren Oscar-Erfolg von "Das Leben der Anderen". Zu der Gala im Berliner Palais am Funkturm waren mehr als 2000 Gäste aus der Filmbranche gekommen. Durch den Abend führte der Komiker Michael "Bully". Über den 80 Meter langen roten Teppich gingen Schauspieler wie Mario Adorf, Otto Sander, Heike Makatsch, Uschi Glas, Maria Schrader, Christiane Paul und Jasmin Tabatabai. Auch Model Nadja Auermann, Komiker Otto Waalkes, die Regisseure Florian Henckel von Donnersmarck, Wolfgang Becker und Hark Bohm sowie Kameramann Michael Ballhaus waren unter den Gästen.

Der Deutsche Filmpreis ist mit insgesamt drei Millionen Euro der höchstdotierte nationale Kulturpreis. Das Geld kommt von der Bundesregierung.

Kritik an der Vergabepraxis

Vor der Verleihung hatten einige Regisseure eine Änderung der Vergabepraxis für den Filmpreis gefordert. Bereits zum dritten Mal wählten die 900 Mitglieder der Deutschen Filmakademie die Preisträger aus. Das Preisgeld kommt weiter von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU). Der Dokumentarfilmer Andres Veiel ("Black Box BRD") sprach sich am Freitag im Deutschlandradio Kultur dafür aus, dass die Fördergelder in Höhe von knapp drei Millionen Euro von den Preisen losgelöst und unabhängig über eine Kommission vergeben werden.

Damit könnten Filme gefördert werden, die "kulturell wichtige Leistungen vollbracht haben", sagte Veiel. Kommerziell erfolgreiche Filme sollten seiner Ansicht nach nicht auch noch einen Preis der Filmförderung bekommen. Nach drei Jahren ihres Bestehens zeige sich nämlich, dass mutige und radikale Filme keine ausreichende Beachtung bei der Filmakademie fänden.

Regisseur Hans Weingartner ("Die fetten Jahre sind vorbei") hatte von einem "Massenabstimmungsverfahren" der 900 Mitglieder der Deutschen Filmakademie gesprochen, "das es radikalen, künstlerisch innovativen Filmen extrem schwer macht". Neumann sagte dagegen, die Auswahl der Preisträger durch die Filmakademie habe sich "insgesamt bewährt". Er meinte laut vorab verbreitetem Redetext: "Man kann es nicht jedem recht machen und Kritik ist immer zulässig. Dennoch: alle bisherigen Nominierungen ergeben insgesamt ein differenziertes, ausgewogenes Bild des deutschen Films." Die breite Beteiligung der Filmschaffenden am Entscheidungsprozess verleihe den Ergebnissen zusätzliche Legitimität.

DPA / DPA