HOME
Kino-Kritik

"Die göttliche Ordnung": Ein Tiger zwischen den Beinen und Wut im Bauch

Bloß keine Ravioli aus der Dose und vor allem kein Wahlrecht für Frauen: Der Schweizer Kinohit "Die göttliche Ordnung" kommt nach Deutschland. Warum die Komödie gerade jetzt wichtig ist.

Vroni (Sybille Brunner) und Nora (Marie Leuenberger) fahren nach Zürich, um dort für ihre Rechte zu demonstrieren: "Die göttliche Ordnung" läuft ab dem 3. August in Deutschland im Kino.

Vroni (Sybille Brunner) und Nora (Marie Leuenberger) fahren nach Zürich, um dort für ihre Rechte zu demonstrieren: "Die göttliche Ordnung" läuft ab dem 3. August in Deutschland im Kino.

Eigentlich ist "Die göttliche Ordnung" eine Komödie, und doch fallen in diesem Film Sätze, die dem Zuschauer unwillkürlich einen Schauer über den Rücken jagen, so gruselig sind sie. Dabei erzählt die Regisseurin Petra Volpe die Geschichte über die Wahl zum Frauenstimmrecht 1971 in der Schweiz äußerst warmherzig. Aber vielleicht wurde der Film gerade deshalb zum überraschenden Kinohit in der Schweiz.

"Meine Söhne essen sicher keine Büchsenravioli!" oder "Ich will nicht, dass ständig fremde Männer um dich herum sind!", muss sich Nora von ihrem Mann Hans anhören. Und er ist noch einer der toleranten Männer in dem Schweizer Dorf in den Bergen, in dem sie leben. Dabei will Nora zunächst gar keine Revolution anzetteln, sondern nur in Teilzeit arbeiten gehen.

Sexismus damals und heute: Und plötzlich ist das Schweizer Bergdorf ganz nah

Gespielt wird dieses Ehepaar von Marie Leuenberger und Max Simonischek und zwar so großartig subtil und einfühlsam, dass es direkt ins Herz geht. Vielleicht aber schmerzen die stupiden Sprüche gerade jetzt besonders, wenn in Neuseeland die neue Chefin der Labour-Partei als erstes nach ihrem Kinderwunsch gefragt wird, statt nach politischen Inhalten. Wenn in den USA der Präsident mit seinen Erniedrigungen von Frauen prahlt. Oder wenn im deutschen Trash-TV ein D-Promi ungehindert seine Freundin anherrschen darf, was ihr einfalle, alleine auf die Terrasse zu gehen. Und plötzlich ist das Schweizer Bergdorf von 1971 ganz nah.

Nur die letzte Waffe, die Hans seiner Frau gegenüber auffährt, die gibt es so nicht mehr: "Ich will es nicht und das ist das Gesetz". In der Schweiz durften Ehefrauen noch bis 1988 nur mit der Zustimmung des Ehemanns arbeiten, in Deutschland war es bis 1977 so. Volpe braucht keine großen Effekte, um den Film wirken zu lassen, die biedere Eintönigkeit von Noras Leben wird in Kleinigkeiten spürbar. Etwa wenn der Schwiegervater nonchalant die Füße hochhebt, ohne einen Blick von der Zeitung abzuwenden, damit Nora darunter staubsaugen kann.

Beherzter Blick in den Spiegel: "Frauen, liebt Eure Vagina!"

Dazwischen werden die üblichen Siebziger-Jahre-Motive hervorgekramt, die es so gerade auch bei der großartigen Serie "Good Girls Revolt" zu sehen gab. Das wirkt ein bisschen schablonenhaft, aber Charme hat es trotzdem, wenn Nora sich zum ersten Mal einen Spiegel zwischen die Beine hält und ehrfürchtig feststellt: "Ich hab einen Tiger!" Zur sexuellen Befreiung gesellt sich aber schnell sehr viel Wut im Bauch und so wird Nora unverhofft zur Anführerin eines Frauen-Streiks.

Wie die Geschichte ausgeht, ist bekannt. Dass sie so ausging, ist aber keinesfalls selbstverständlich - was aktueller denn je scheint.

"Die Göttliche Ordnung" läuft ab dem 3. August im Kino