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Lara Croft 2: Tomb Raider: "Die Wiege des Lebens"

Angelina Jolie darf ein weiteres Mal als Lara Croft die Menschheit vor verderbten Artefakten aus der Vergangenheit retten. Diesmal geht es um die Büchse der Pandora, die auf keinen Fall gefunden werden darf.

Die Archäologin Lara Croft musste bereits in vielen Computerspielen zusehen, dass sie bis zum Ende des Abenteuers alle Bösewichter ausgeschaltet und die gut verborgenen archäologischen Wertstücke gefunden hat. Die Actionspiele von Core Design verkauften sich aber nicht nur aus dem Grund so blendend, weil die Kids und Teenager hier etwas über Ausgrabungskunde und über die Geschichte der Menschheit lernen. Die Aufmerksamkeit der meist männlichen Spieler wird dann doch noch eher vom knapp sitzenden Höschen der Hauptdarstellerin, ihren prallen Kurven und ihrer coolen Machoart gefesselt. Kein Wunder, dass auf die PC-Spiele schon bald ein sehr erfolgreicher Comic und nun auch ein eigenes Hollywood-Franchise folgten.

Angelina Jolie mimt die Lara Croft auf der großen Kinoleinwand perfekt wie keine zweite Darstellerin. Ihr kurviger Body passt perfekt zur Figur der Lara. Die aufgeworfenen dicken Lippen der Jolie geben der Figur auch noch etwas sinnlich Morbides, eben die leise Verheißung heißer Nächte voller brennender Küsse, während die kalt blitzenden Augen zugleich klarmachen, dass es dazu nie kommen wird. Die Figur der Lara Croft profitiert auch von Jolies eigener geheimnisvoller Vita. Wir reden hier schließlich von der Frau, die das Blut ihres Exmannes Billy Bob Thornton in einem Fläschchen um den Hals getragen hatte. Angelina Jolie nimmt man außerdem die vielen knochenharten Actionszenen ab, die die Tomb-Raider-Filme auszeichnen.

Der erste Film um Lara Croft hat sehr schlechte Kritiken eingeheimst, an den Kinokassen aber extrem viel Geld eingespielt - 300 Millionen Dollar, um genau zu sein. Bei der Fortsetzung war es leider genau umgekehrt. Der zweite Teil ist deutlich besser als der erste, ging aber an der Kinokasse unter. Ob ein dritter Teil gedreht wird, steht damit noch in den Sternen. Den Filmfreund dürfte der magere Kassenerfolg nicht vom Kauf der DVD abschrecken. Den meisten Käufern kommt es schließlich darauf an, einen Film zu finden, der es im Heimkino ordentlich krachen lässt.

Concorde präsentiert die DVD mit allen nur erdenklichen Extras, die den Film zu einem echten Muss machen. Die extreme Bildbreite von 2,35:1 geht einher mit einer sehr guten Bildqualität und einem Sound, der in der DTS-Spur für Furore sorgt. Da "Tomb Raider" ziemlich stark auf die Action-Düse drückt und im Film so einiges lautstark kaputt geht, ist "Die Wiege des Lebens" das perfekte Mittel zum Zweck, um die eigenen Boxen einmal wieder so richtig mit Schmackes durchzupusten.

Die Büchse der Pandora

Doch worum geht es eigentlich in "Die Wiege des Lebens"? Lara Croft startet im neuen Abenteuer gleich in die Unterwasserwelt durch. Ein Erdbeben vor der griechischen Küste hat den lange versunkenen Luna-Tempel wieder zugänglich gemacht. Hier findet Lara eine gelbe Glaskugel, die einen geheimnisvollen Aufdruck zeigt, der sich schon bald als kodierte Ortsangabe erweist. Dummerweise kann sie sich nicht lange an ihrem bedeutungsvollen Fund erfreuen.

Der geldgierige Biowaffen-Experte Dr. Reiss (Ciaran Hinds) nimmt ihr noch unter Wasser die Kugel ab und lässt sie nach Hongkong bringen. Klar, dass Lara sofort die Verfolgung der Bösewichter aufnimmt. Schließlich weiß sie ganz genau, was der fiese Doktor vorhat. Die Kugel ist nämlich der Schlüssel, um die gut versteckte Büchse der Pandora zu finden. Dr. Reiss möchte sie öffnen, um die hier gefangenen Krankheiten zu befreien und so gegen gute Bezahlung ganze Kontinente zu entvölkern.

Lara Croft geht im neuen Film nicht eigenverantwortlich gegen den guten Doc vor: Sie ist im Auftrag ihrer Majestät unterwegs und erinnert im zweiten Film nicht selten an eine besonders weibliche und skrupellose James-Bond-Vertreterin. Da wundert es den Zuschauer auch nicht, dass Lara in Form des Spitzbuben Terry (Gerard Butler) auch noch einen Sidekick bekommt, den sie zumindest zeitweise befummeln und abschlecken kann.

Länderpunkte sammeln

Wer den ersten Teil der Lara-Croft-Serie gesehen hat, wird in der Fortsetzung an vielen Stellen ein Deja-vu erleben. Fast macht es den Anschein, als hätte der Autor im Drehbuch des zweiten Teils nur die Namen der Orte, der Artefakte und der Bösewichter ausgetauscht. Trotz aller Ähnlichkeiten: Der Film funktioniert und hat auch nicht mehr ganz so viele peinliche Szenen, bei denen Lara Croft so übermächtig stark und geschickt erscheint, dass es lächerlich wirkt.

Kein Wunder: Für den zweiten Teil des Films wurde der erfolgreiche Regisseur Jan De Bont anstelle von Simon West ins Boot geholt. De Bont hat bereits mit "Twister" und "Speed" bewiesen, dass er ein Händchen für starke weibliche Heldenrollen hat.

Schade ist aber trotzdem, dass es der Regisseur vermeidet, dem Film einen eigenen Stempel aufzudrücken. Der Film lebt wie der Erstling von den fast nahtlos aneinander gereihten Actionszenen, die Lara Croft immer wieder aufs Vorteilhafteste ins Bild setzen. Lara darf tauchen, sich im Paraglider-Anzug von einem Hochhaus stürzen, Jetski und Cross-Motorrad fahren, viele Karatekämpfe gegen Bösewichter bestehen und mit ihren beiden Pistolen ballern, was das Zeug hält. Die Actionszenen sind sehr professionell umgesetzt und lassen den Zuschauer oft genug mit offenem Mund staunen. Oft wirken sie aber konstruiert und etwas zu sehr gewollt.

Für tolle Szenen sorgen natürlich auch die herrlichen Kulissen. Lara reist auf der Suche nach der Büchse der Pandora nach Griechenland, nach China und nach Hongkong, nur um am Ende in Afrika am Fuß des Kilimandscharo fündig zu werden.

Trotz einer soliden Story, guten Schauspielern und sehr viel gut inszenierter Action: Wie schon beim ersten Teil, so springt auch hier der finale Funke nicht über. Lara Croft ist eben kein Charakter, mit dem man als Zuschauer richtig mitfiebert. Angelina Jolie wirkt gefühlskalt, überheblich, fast arrogant in ihrer Art. Sie ist trotz ihrer hautengen Kampfanzüge kein Sexobjekt zum Anhimmeln, sondern eine moderne Amazone, vor der man als Mann fast schon Angst bekommen kann. Wie sie sich im Film freudig in jede Kampfszene stürzt, hat nichts mehr mit Action zu tun, sondern erinnert eher an ein überzogenes Fitness-Workout einer durchgeknallten Martial-Arts-Actrice. So bleibt uns als Zuschauer die Lara fern und fremd. Man beobachtet sie wie einen Käfer unter der Lupe, aber nicht wie einen Freund, als den man den Held in einem Actionfilm sehen sollte.

Ein Problem, das der Film hat, ist auch seine fehlende Glaubhaftigkeit. Während die völlig unrealistischen Szenen bei James Bond mit einem leicht selbstironischen Lächeln gleich an Ort und Stelle entschuldigt werden, nimmt sich der Lara-Croft-Film selbst ganz besonders ernst. Umso stärker fallen dann die extremen Logiklöcher in der Handlung auf. Fast kann man sich den Drehbuchautor bei seiner Arbeit vorstellen, wie er erst die Handlungsorte auf dem Globus festlegt, dann die Actionszenen erfindet, um anschließend verzweifelt darüber nachzugrübeln, wie sich das denn um Himmels Willen alles unter einen Hut bringen lässt.

Schlussendlich bietet "Tomb Raider 2" aber solides Actionkino fürs eigene Wohnzimmer. Es kracht und scheppert, der Film ist nie langweilig und am Ende darf man auch noch dabei zuschauen, wie der zweite Bösewicht im Film - unser deutscher Star Til Schweiger - von übernatürlichen Wächtern in Stücke gerissen wird.

Jede Menge Extras

"Die Wiege des Lebens" wird im edlen Pappschuber ausgeliefert und bietet gleich zwei DVDs an. Die erste DVD speichert den Film und einen Audiokommentar vom Regisseur. Auf der zweiten Scheibe entdeckt der Fan dann die originalen und die deutschen Trailer, sechs gelöschte Szenen, ein alternatives Ende, den Screen-Test von Gerard Butler, Produktionsnotizen und mehrere Featurettes. Korn bietet das Musikvideo zum Titel "Did My Time" an, während von den Davey Brothers das Video zu "Heart Go Faster" vorliegt. Im DVD-ROM-Part stehen außerdem Bildschirmschoner, Desktop-Tapeten und Lara-Sprüche für den Anrufbeantworter zur Verfügung.

Carsten Scheibe

Verleih: Concorde
Ton: DD 5.1/DTS
Bild: 2,35:1
FSK: ab 12 Jahren
Laufzeit: ca. 112 Minuten
Preis: ca 20 Euro