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Elementarteilchen: Ausweitung der Spielzone

Von Zehlendorf nach Hollywood: Zurzeit erntet die in Berlin lebende Bayerin die Früchte ihrer Arbeitswut. Sie beeindruckt in der Literaturverfilmung Elementarteilchen, überzeugt im Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" - und drehte gerade unter Robert De Niro.

Berlinale, Premiere des Films "Elementarteilchen". Unter Blitzlichtgewitter Martina Gedeck im ärmellosen, eleganten schwarzen Kleid und auf Riemchenpumps, die Arme hinter dem Rücken verschränkt. Sie lächelt, lehnt sich an Moritz Bleibtreu, den Mann mit dem umwerfenden Haifischlächeln. Liebevoll umfasst er ihre Taille, zeigt mit gestrecktem Arm aufs Fotografenheer, als wolle er sagen: "Schau, das gigantische Leuchtfeuer, das sie für uns entfachen." Ein kleines Zögern, dann strahlt sie befreit, Star-like.

Man muss lange auf ihre erste Szene warten. Aber wenn sie auftaucht, geht es richtig los. Sie verbreitet eine Intensität, die den Film auf eine andere, bewegende Ebene hebt. Martina Gedecks Christiane. Mancher ist beim Lesen von Michel Houellebecqs aussichtsloser Romanvorlage depressiv geworden. Gedeck fand es lustig, wie der die Leute so frech und schonungslos reden lässt. "Mich hat's beschwingt, für mich war es Nahrung." Sie hat sich nicht von der höllischen Einsamkeit überwältigen lassen. "Er beschreibt, wie es ist. Der Mensch ist allein. Das ist nicht schlimm. Man kann sich begegnen, aber muss wissen, dass jeder ein eigener Stern ist. Das denke ich seit langem."

Im vergangenen Jahr ist Martina Gedeck ihrem Ruf, ein Arbeitstier zu sein, bis zum Äußersten nachgekommen. Dieses Jahr kann man die Früchte sehen, allein im Kino fünfmal: jetzt in "Elementarteilchen", Ende März in "Das Leben der Anderen" und später in "Sommer an der Schlei". Obendrein in zwei internationalen Großproduktionen. Francis Girod, daran gewöhnt, mit Größen wie Michel Piccoli zu drehen, engagierte sie für "Ein perfekter Freund". Robert De Niro ließ bitten für "The Good Shepherd". Ihr "Spielraum", eines ihrer Lieblingswörter, hat sich erheblich erweitert.

Trotz der vielen Drehs

ließ sie es sich nicht nehmen, auch noch altes Terrain zurückzuerobern. Regisseurin Barbara Frey lockte die Gedeck nach sechsjähriger Theaterabstinenz für die Rolle der "Minna von Barnhelm" ans Deutsche Theater Berlin. "Ein Sprung ins kalte Wasser", sagt Gedeck. Die Frey, "die liebe ich sehr", und ihre Kollegen Nina Hoss und Ulrich Matthes seien "wunderbar". Überhaupt fällt schnell auf, dass sie über Kollegen sehr herzlich spricht - wen sie nicht schätzt, der wird nicht erwähnt. Manche Namen tauchen im Gespräch immer wieder auf: Jo Baier, Dominik Graf, Oskar Roehler, Markus Imboden. Mit Letzterem ist sie nach langer Zusammenarbeit seit einem Jahr liiert. Sie schenkt sich bei seiner Erwähnung eine klitzekleine Pause. "Ich glaube, das ist richtig mit ihm."

Berlin, Brandenburger Hof. Eine Lady, dezent geschminkt, heiter, selbstbewusst und bescheiden. Wenn sie erzählt, was ihr wichtig ist, findet sie viele und schöne Worte. Sie ist nicht schwierig, wie gelegentlich in der Presse angemerkt, sie ist nur nicht einfach. Will selbst bestimmen. Nacktszenen? No way. Sie drängt sich weder auf, noch lässt sie sich drängen, besteht auf ihre eigene Art. Sie spricht nicht frei von der Leber weg, sondern mit Bedacht und, wenn es für sie richtig ist, von Herzen.

Gedeck lebt schon lange in Berlin-Zehlendorf, "Rückzugsort für meine kleinstädtische Seele", in einer Wohnung mit kleinem Garten. Seit Jahren hört sie zu Hause keine Musik mehr, nicht mal Radio. Sie weiß nicht, warum. Irgendwie macht Musik von Toten sie traurig. Sie hat keine Angst vor der Stille.

Bevor sie mit neun Jahren mit der Familie nach Berlin zog, hat sie in Landshut gelebt. Ihre liebsten Kindheitsbilder lassen erahnen, auf welche Reserven sie bei manchen Pleiten und Erschütterungen zurückgreifen kann: die endlose Weite bei Großmutter auf dem Lande. "Diese Unberührtheit morgens, wenn ich als Erste raus bin, auf die noch im Schatten liegende Wiese, die voller Gänseblümchen fast weiß war. Das Alleinsein habe ich geliebt. Und dass ich wusste, irgendwann kommen die anderen. Ich fühlte mich aufgehoben." Zum Vater, Manager einer Handelskette, beruflich viel unterwegs, habe sie die "Hinbewegung" gehabt. Die Mutter war immer für die drei Töchter da; sie konnten früh Flöte lernen, Klavier, Geige, im Chor singen, zum Ballett gehen. Kreativität, Dinge selbst erfinden, hatte höchste Priorität zu Hause. "Sonst hätte ich den Mut zur Schauspielerei nicht aufgebracht." Findet sie sich mutig? "Mut braucht man, wenn man Angst hat. Ich habe keine. Momentan bewege ich mich auf angstfreiem Territorium."

Nach dem Abitur studiert sie Germanistik und Geschichte. Überfüllte Seminare, wenig inspirierend. Sie bewirbt sich am Berliner Max-Reinhardt-Seminar. Und wird genommen. Alle hatten gelacht, als sie Maria Stuart und Elisabeth im Doppel gab und mit Verve beim Rollenwechsel den Mantel von sich warf. Wie hatte ihr vorher eine Studentin gesagt? "Wir wollen nicht sehen, was du kannst, sondern wie du bist." Unter Umständen ziemlich komisch.

Ermutigung bekam sie zuerst durch Dominik Graf. Er gab ihr die Hauptrolle in "Die Beute". In Jo Baiers "Hölleisengretl" spielt sie nach kleineren Rollen ihre nächste große: eine bucklige Bäuerin, die ihr Lebensglück gegen den Widerstand der Dörfler sucht. Bei Baier fühlt sie sich "zu Hause". Der habe wie sie ein "bayerisches Urvertrauen, einen Glauben an das Leben". Für ihre Gretl bekam sie 1995 den Bayerischen Fernsehpreis, der Anfang eines nicht enden wollenden Preissegens: Bundesfilmpreise für ihre Kellnerin Serafina in "Rossini", die schlampige Lilo in "Das Leben ist eine Baustelle" und die eigenwillige "Bella Martha"; für "Tod eines Mädchens" den Goldenen Löwen; Grimme-Preise für vier Rollen und den Deutschen Fernsehpreis für "Hunger auf Leben", die Verfilmung des Lebens der Schriftstellerin Brigitte Reimann.

"Inzwischen", sagt sie, "hab ich Freiheit gefunden in dem, was ich tue." Sie muss sich mit ihrer Arbeit identifizieren können. "Ich fordere das ein, will selbst meine Rollen entwickeln, meine eigene Handschrift haben." Eine gewisse Melancholie und Unergründlichkeit meinen manche darin zu erkennen. Das hält sie für "ungenau". Sie suche nach dem Wesen, den Sollbruchstellen, der Eigenart.

Ein Berufsethos,

das Robert De Niro zu schätzen weiß, der sie daher für die Rolle einer Spionin im Nachkriegs-Berlin ins Auge fasste. Beim Casting waren sie nur zu dritt. Er, Leonardo Di Caprio und eine aufgeregte Martina. Eine Stunde wurde probiert. Zwischendurch kam De Niro und sagte - sie flüstert es im typischen De-Niro-Sound vor: "Sorry, please, everything is fine, but don't let us know how much you want him." Sie ist so gut, sie könnte glatt De Niro spielen. "Ich war beglückt, es war mir scheißegal, ob ich die Rolle bekommen würde." Danach Warten, erst Wochen auf die Zusage, dann Monate auf den Drehbeginn. Der Apparat war aufwendig. Man konnte nicht einfach zu De Niro gehen und mit ihm reden. Beim Proben konnten Matt Damon (Di Caprio musste absagen) und sie ungestört ihre Szenen entwickeln. "De Niro sagt nicht viel, höchstens "Ich könnte stundenlang zugucken"; der freut sich richtig. Da kam so eine Spiellust auf! Da hebst du ab." Eine Nebenrolle, relativiert sie ihren Begeisterungsschwung.

Weit weg die Anfangszeiten, in der ihr nicht alles und alle zuflogen. Nach der Schauspielschule galt sie als "privat mehr präsent als auf der Bühne", als schwer vermittelbar. Wilfried Minks holte sie ans Deutsche Schauspielhaus Hamburg. Der Anfang war gemacht. Bald darauf auch der Anfang einer großen ungewöhnlichen Liebe zu ihrem Kollegen und langjährigen Lebensgefährten Ulrich Wildgruber. Sie spielten gemeinsam im "Heimatabend". Eine Ost-West-Soap, die neun Jahre lang zum Jahresende ausgestrahlt wurde. Einen Tag vor Probenbeginn für den letzten Teil nahm sich Uli Wildgruber das Leben.

Was sie Wildgruber verdankt?

"Alles. Kann ich gar nicht aufzählen. Uli ist der größte Schauspieler seines Jahrhunderts, unbenommen, das muss ich leider so sagen. Da kommt niemand hin. Ich bin gesegnet, dass ich mit ihm so lange leben konnte. Das prägt dich fürs ganze Leben. Ich hab eine riesige Sicherheit durch ihn bekommen. Unheimliche Lebensfreude. Er hatte so eine überbordende Lebenskraft, der hat sich so dem Leben gestellt." Sie lacht und lacht, als sie sich erinnert. ",Der BH ist aus dem Westen, die Füllung aus dem Osten." Das war so ein Text von Uli. Wir haben Brüderschaft geküsst auf der Bühne. Wir waren so verliebt. Eine einzige durchgehende Liebeserklärung an mich und umgekehrt É" Sie strahlt. "Es war ein großes Fest."

Wenn ein Film "Das Leben der Gedeck" gedreht würde: Wer sollte Regie führen? Gefühlte zehn Minuten Pause. Man kann zugucken, wie sie im Geiste alle durchgeht. Schließlich: Billy Wilder. "Soll ja eine Komödie werden!"

Annette Rupprecht
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(