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Europapremiere von "Krieg der Welten": Tom Cruise ist hoffnungslos verliebt

Er ist einer der größten Hollywood-Stars. Er ist Mitglied der umstrittenen Scientology-Sekte. Und er kann derzeit nicht nur einen neuen Film, sondern auch eine neue Freundin aufbieten - am Dienstag hat Tom Cruise Berlin besucht.

Von Florian Güßgen

Er ist ein glücklicher Mensch. Er lacht. Und das, obwohl er erst um vier Uhr morgens aus Tokio eingeflogen ist. Jetzt, an einem schwülen Nachmittag, sitzt Tom Cruise in einem Saal des Berliner Nobel-Hotels Adlon und stellt sich den Journalisten. Am Abend hat sein neuer Film "Krieg der Welten" Europa-Premiere. Frisch sieht er aus. Erholt, jugendlich mit der Blue-Jeans, dem schwarzen T-Shirt, und der eng anliegenden schwarzen Lederjacke. In keinem der Szene-Cafés im Prenzlauer Berg würde der 42-Jährige so auffallen. Hey, das ist lustig. Der Mann ist doch Weltstar, er ist der Pilot Pete "Maverick" Mitchell aus Top-Gun, der Vietnam-Veteran Ron aus "Geboren am 4. Juli", Charlie, der Bruder des Autisten aus "Rain Main", der Sportmanager Jerry Maguire, der Agent Ethan Hunt aus "Mission Impossible". Cruise ist einer der großen Fische in Hollywood - und offenbar immer noch bodenständig.

Spannung, Skandal und Sex

Derzeit ist Cruise vor allem aus dreierlei Gründen interessant. Erstens tourt er gerade durch die Welt, um den finsteren 133-Millionen-Dollar-Film "Krieg der Welten" zu bewerben, bei dem Steven Spielberg Regie geführt hat. Zweitens, und auch das macht ihn interessant, bekennt sich Cruise offen zu der sinistren Sekte der Scientologen, und drittens hat er seit kurzem eine offenbar wahnsinnig intensive Liebes-Affäre mit der 24-jährigen Schauspieler-Kollegin Katie Holmes, deren Film "Batman begins" just in dieser Woche startet. Der Mann liefert also alles, was der gemeine Medien-Konsument so braucht: Spannung, Skandal und Sex. Und das im Adlon zu Berlin.

"Ich kann mich nicht zuückhalten"

Ein Schelm freilich, der hinter Cruises Beziehung zu Holmes einen PR-Gag vermutet. Gerüchte, die Beziehung sei ein Fake im gegenseitigen Interesse, wischt Cruise an diesem Nachmittag beiseite - nicht unwirsch, nicht genervt, sondern mit einem Lachen. "Ich muss lachen, wenn ich so etwas höre", sagt er. "Es ist so lächerlich". Und dann erklärt er, wie es mit seinen Gefühlen zu der Nachfolgerin von Nicole Kidman und Penelope Cruz wirklich aussieht. "Ich bin so glücklich", sagt er. "Ich kann mich gar nicht zurückhalten. Sie ist eine außergewöhnliche Frau." Das Glück ist so ansteckend, dass der ganze Saal lacht, vor allem als Cruise hinzufügt: "Ich wünsche Euch allen so ein Glück". Ein Weltstar, ganz intim.

Die Sache mit Scientology

Überhaupt das Glück. Irgendwann steht eine Frau auf und sagt, sie sei glücklich, dass Tom so glücklich sei und das alle Berliner Scientologen ihn grüßen würden. Booom. Plötzlich ist wieder da, das zweite große Cruise-Thema, die Nebengeschichte zu dem Superstar, sein Bekenntnis zu den Scientologen - jener Sekte also, die in Deutschland nicht als Religionsgemeinschaft anerkannt wird. Cruise wirbt offen für die Sekte, in den USA und im Ausland. Während der Dreharbeiten zu "Krieg der Welten" hat ein Team der Sekte ständig ein Zelt in der Nähe des Sets errichten dürfen. Auch an diesem Tag macht Cruise keinen Hehl aus seiner Einstellung. "Ich bin ein Scientologe", sagt er. Und dass die Sekte und ihre Instrumente ihm in seinem Leben sehr geholfen hätten. Es hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack, dass der sympathische Cruise hier nicht nur für einen interessanten Film zu werben scheint, sondern auch für eine Sekte - und dass die Sektenmitglieder, perfekte PR, im Adlon offenbar auch als heitere Fragesteller auftreten.

Europapremiere ohne Kritik

Am Abend wird das alles vorerst vergessen sein. Da steht der neue Film im Mittelpunkt. "Krieg der Welten" heißt er und handelt davon, dass eine fremde Macht - Außerirdische - sich anschickt, die Erde eher brachial zu erobern. Es ist ein Endzeitfilm, in dem Cruise einen Vater spielt, der mit seinen zwei Kindern vor den zerstörerischen Wesen davonläuft - und alles unternimmt, um sie zu schützen Am 29. Juni hat der Film, der von Paramount Pictures und der Spielberg-Firma Dream Works produziert wurde, eigentlich erst Weltpremiere, jedoch wurde schon am Dienstag in Berlin eine Europa-Premiere zelebriert, mit einer Vorführung für Journalisten und einer Aufführung für ausgewähltes Publikum - mit Stars, dem roten Teppich und allem drum und dran. Nur, vor dem 29. Juni darf leider keine Kritik über den Film veröffentlicht werden, keine kommentierende Zeile - ob gut oder schlecht. Mit scharfen Sicherheitsvorkehrungen, mit denen kein US-Flughafen konkurrieren kann, stellen die Filmmacher in Berlin zudem sicher, dass auch nicht die klitzekleinste Kamera in das Kino geschmuggelt wird - Raubkopien sollen um jeden Preis verhindert werden.

Berlin bei "Mission Impossible 3" außen vor

Cruise hat damit nichts zu tun. Im Gegenteil. An diesem Nachmittag gelingt es ihm, die von den Methoden der Hollywood-Firma etwas irritierten Journalisten aufzuheitern, sie zu unterhalten. Der zweifache Vater spricht viel über das zentrale Thema des Films - Kinder, Familie und den Wert von Vaterschaft. Die Journalisten sind so hingerissen, dass fast jeder Fragesteller freiwillig Auskunft über seinen eigenen Entwicklungsstand gibt. "Ich habe selbst eine Tocher", sagt einer. "Ich werde im August das erste Mal Vater" sagt ein anderer. Cruise lacht erfreut, und plaudert weiter. Über den "Krieg der Welten", aber auch darüber, dass "Lola rennt" mit Franka Potente einer seiner deutschen Lieblingsfilme ist und dass der dritte Teil von "Mission Impossible" nach einigem hin und her nun wahrscheinlich doch nicht in Berlin gedreht werden wird.

"Ich wollte immer nur glücklich sein"

Irgendwann meldet sich ein mutiger Journalist und erzählt davon, was seine Freunde von Cruise halten. "'Ahh, Tom Cruise', sagen die, 'Der Typ hat immer so blendende Laune. Wir können ihn nicht ab.' Was sagen Sie dazu, Herr Cruise?" Der symphatische Hollywood-Star lacht fröhlich und sagt dann: "Ich wollte immer nur glücklich sein." In Berlin dürfte ihm das vor allem auch deshalb gelingen, weil dort am Mittwoch auch Katie Holmes erwartet wird - um ihren Film zu bewerben.

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo