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Filmkritik zu "Love & Other Drugs": Sex, Lügen und Parkinson

Ein Liebespaar in Zeiten des Zynismus und von Viagra. "Love & Other Drugs" könnte oberflächlich schillernd untergehen wie die 90er. Doch dann entscheiden sich Jamie und Maggie anders.

Von Sophie Albers

Die 90er. Hochzeit des Zynismus. Gefühle sind was für Warmduscher, und Harald Schmidt ist die tägliche Rosskur dagegen. Jeder Satz, der im Verdacht der Seriösität steht, endet mit einem fiesen kleinen Lachen, an dem man sich das Herz aufschneiden kann. Eigentlich kein Wunder, dass ausgerechnet in dieser Zeit Viagra erfunden wurde, um auch aus dem letzten Weichei einen harten Jungen zu machen. Das ist die Prämisse für "Love & Other Drugs", ein Liebesfilm mit Jake Gyllenhaal und Anna Hathaway, zwei Schauspieler, denen man gerade beim Erwachsenwerden zugucken kann.

Jamie (Gyllenhaal) ist ein Mistkerl. Hedonist in Reinform, dessen höchstes Ziel zwischen Frauenbeinen liegt. Seinen ausschließlich zur Erreichung dieses Bestimmungsorts trainierten Charme kann er besonders gut als Pharmavertreter einsetzen. Die Szenen, die ihn beim Kundenfang zeigen, sind großes Unterhaltungskino. Bei einem Verkaufsbesuch beim Arzt trifft er Maggie, die zwar jung ist, aber trotzdem an der Nervenkrankheit Parkinson leidet. Weil Jamie wie immer meint, dass dreist gewinnt, ist er bei einer Untersuchung dabei, als Maggie ihren Busen freilegt. Sie findet heraus, dass Jamie nicht Assistenzarzt sondern Pharmavertreter ist und verprügelt ihn auf dem Parkplatz. Das macht den körperfixierten Jamie natürlich ganz kirre.

Liebe und Potenzstörungen

Auch wenn Maggie eigentlich auch nichts anderes will, als das warme Gefühl im Bauch befriedigen, kommt es, wie es im Kino kommen muss: Die Beiden mögen sich richtig gern. Das verstört sie zwar etwas, aber sie sind auch neugierig. Bis dahin ist "Love&Other Drugs" ein unterhaltsamer, hervorragend gespielter Liebesfilm, der freizügiger ist, als man es aus Hollywood gewohnt ist, aber der auch nicht mehr über Liebe und Potenzstörungen zu berichten weiß als andere Filme.

Doch dann traut sich Regisseur Edward Zwick ("Legenden der Leidenschaft", "Der letzte Samurai") ein ziemlich großes Fass aufzumachen und dessen Inhalt, der so gar nicht in die 90er passt, auf klassisch schöne Weise an den Kinozuschauer zu bringen. Es geht um Maggies Parkinson-Krankheit und deren Bedeutung für die doch so wild-entspannte Beziehung. Und so sehr sich Nebencharaktere wie Jamies wirklich überflüssig Mario-Barth-mäßiger Volltrottel-Bruder Josh auch bemühen, den "American Pie"-Humor zu befriedigen, driftet "Love & Other Drugs" zunehmend in Richtung des gefeierten Liebesdramas "Love Story".

Gyllenhaal und Hathaway

Dass man die Geschichte von Jamie und Maggie am Ende wirklich ernst nimmt, liegt vor allem an Hathaway und Gyllenhaal. Gyllenhaal hat ja schon in "Donnie Darko", "Broke Back Mountain" und "Zodiac" bewiesen, dass er ein ernstzunehmender Schauspieler ist. Aber er hat die Leichtigkeit seines Spiels tatsächlich noch perfektioniert. Hathaway hat nach Vorlagen wie "Plötzlich Prinzessin", "Der Teufel trägt Prada" bis "Get Smart" einiges Schubladendenken zu überwinden. Aber ihre Maggie hat eine herzerreißende Tiefe, die der von Ali McGraw in "Love Story" in nichts nachsteht, und die eine spannende Zukunft mit der 28-Jährigen verspricht.

Geht doch, möchte man am Ende sagen. Wäre nur dieser dämliche Bruder nicht. Aber der stammt eben noch aus den 90ern.