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72. Golden Globes: Glamour-Gala mit Bombenhund und "Je suis Charlie"

Während Frankreich trauert, rollt in Hollywood die Award-Saison voran. Großer Gewinner der 72. Golden-Globes-Verleihung in Los Angeles war der Film “Boyhood”. Aber auch "Charlie Hebdo" war präsent.

Von Frank Siering, Los Angeles

Das hatte es auch bei den Golden Globes bislang noch nicht gegeben. Neben 1300 eingeladenen VIPs, 600 Flaschen Wein und 400 Magnum Moets, wurde am gestrigen verregneten Sonntag nachmittag auch ein Bomben-Spürhund im Beverly Hilton Hotel in Los Angeles angeliefert.

Im Zuge der jüngsten Terrorangriffe in Frankreich hatte sich auch die Hollywood Foreign Press Associaton (HFPA) auf einen möglichen Anschlag vorbereiten wollen. Die Sicherheitsvorkehrungen waren kurz vor der Veranstaltung extrem verstärkt worden.

Kein Wunder: War doch alles, was Rang und Namen hat in Hollywood, dabei, als die Vertretung ausländischer Journalisten zum 72. Mal die goldene Kugel verlieh. George Clooney war mit Ehefrau Amal angereist, Clooney hatte einen "Je suis Charlie" Button am Revert seines Smokings, Ehefrau Amal zeigte ihre Unterstützung mit einem Button auf ihrer Handtasche.

Auch Dame Helen Mirren und Jared Leto demonstrierten auf dem Roten Teppich und während der Show, das die Tragödie von Paris in Hollywood trotz Champagnerlaune nicht verdrängt wird. Leto sprach von seinen "Brüdern und Schwestern" in Frankreich und beendete seine Rede auf Französisch mit den Worten "Je suis Charlie".

Perfekte Liebeserklärung von George Clooney

Doch natürlich wurde an diesem ersten großen Abend auch viel gelacht und gefeiert. Die Moderatorinnen Tina Fey und Amy Poehler waren bereits zum dritten Mal als Hosts von der HFPA eingeladen worden und hatten keine Angst, diverse Promis durch den Kakao zu ziehen.

Mit einem Generalumschlag ging es gleich erst einmal los, indem sie die hoch dotierten Gäste im Saal als "verwöhnte und minimal talentierte Gören" bezeichneten. Alles sei aber in Ordnung an diesem Abend, da "Nordkorea die TV-Shows und Filme als okay abgesegnet habe". Eine freche Anspielung auf den Sony-Hackerskandal, der Tinseltown seit Wochen beschäftigt.

Auch Clooney, der an diesem Abend den Ehrenpreis der HFPA, den Cecil B. DeMille Award, erhielt, wurde sofort von den beiden grandiosen Komikerinnen vorgeführt. Eigentlich verdiene ja seine Frau diesen Ehrenpreis, da sie ,"als Anwältin im Enron Fall mitgewirkt , Kofi Annan in Syrien beraten und die Kriegsvergehen im Gazastreifen untersucht habe", so Fey.

Und dann fügte sie trocken hinzu: "Also deshalb verleihen wir ihrem Ehemann heute abend den Lifetime Achievement Award". Lautes Gelächter im Saal für den wohl besten Witz des Abends.

Clooney revanchierte sich galant und mit Stil, indem er seiner Frau eine perfekte Liebeserklärung machte. ,"Ich könnte nicht stolzer sein, dein Mann sein zu dürfen", fasste der 53-Jährige sein vergangenes Jahr zusammen.

“Boyhood” ist der Gewinner des Abends

Nicht ganz so geschmackvoll zeigte sich der seit Kurzem in Scheidung lebende Jeremy Renner. Als er die Bühne mit Jennifer Lopez betrat und sie diskutierten, wer den Umschlag mit dem Gewinner des besten Schauspielers in einer Mini-Serie öffnen sollte, sagte JLo: ,"Ich habe die Nägel, laß mich das machen."

Renner, nach einem kurzen Blick auf das sehr offene Dekoltee von Lopez, fügte hinzu: ,"Und du hast auch die Globes". Die Reaktion von Lopez ließ darauf schließen, dass sie über diese Bemerkung nicht besonders erfreut war. Schnell verließ sie die Bühne.

Die großen Gewinner an diesem Abend waren der Film "Boyhood", der als bester Film ausgezeichnet wurde. Auch der Regisseur des Streifens, Richard Linklater, siegte in seiner Kategorie.

Julianne Moore wurde ihrer Rolle als Favoritin für den Golden Globe als beste Schauspielerin mit ihrer Vorstellung als Alzheimer-Opfer in “Still Alice” gerecht und siegte. Ihr silberschimmerndes Kleid allerdings wurde schon vorab auf dem Red Carpet als “Mode-Katastrophe” zerrissen.

Eddie Redmayne siegte in der Kategorie "Bester Schauspieler" und setzte sich somit gegen Bendedict Cumberbatch ("The Imitation Game"), Steve Carell ("Foxcatcher"), Jake Gyllenhaal ("Nightcrawler") und David Oyelowo ("Selma") durch.

Eine kleine Überraschung war der Gewinn des Golden Globes für "The Grand Budhapest Hotel" in der Kategorie Komödie/Musical. Hier galt "Birdman" mit Michael Keaton als der Favorit. Keaton gewann in der Kategorie "Bester Schauspieler in einer Komödie".

Hollywood-Premiere für Conchita Wurst

Die deutschsprachigen Hoffnungen gingen in diesem Jahr leer aus. Sowohl Christoph Waltz, der für seinen Film "Big Eyes" nominiert war, als auch Komponist Hans Zimmer ("Interstellar") mussten ohne Golden Globe zu den After-Parties schlurfen.

Erstmals in diesem Jahr war auch Eurovisionsgewinnerin Conchita Wurst bei den Golden Globes. Mit Abendkleid und Vollbart selbst in Hollywood ein echter Hingucker auf dem Roten Teppich. ,"Eine total aufregende Sache, es ist mein erster Besuch in Amerika", so Wurst.

Zu einem kleinen Zwischenfall kam es während der Liveshow auch noch, als der Lebenspartner von Jane Fonda, Richard Perry, plötzlich an seinem Tisch, an dem auch Sienna Miller, Mark Ruffalo und Channing Tatum saßen, zusammenbrach. Er wurde noch im Hotel medizinisch behandelt, musste danach aber nicht von den herbeigerufenen Sanitätern ins Krankenhaus gebracht werden.

  • Frank Siering