HOME

Golden Globes 2013: Afflecks Geniestreich und Spielbergs Enttäuschung

Ben Afflecks Iranfilm "Argo" gewinnt zwei Goldene Weltkugeln, die TV-Serie "Homeland" um einen mutmaßlichen Terroristen bekommt drei. Weitere Preise gehen an Michael Haneke und Christoph Waltz.

Der Politthriller "Argo" ist der große Gewinner der diesjährigen Golden Globes. Das im Iran spielende Werk von Regisseur Ben Affleck wurde als bester Film ausgezeichnet, eine weitere Trophäe gab es für die beste Regie. Bei der Gala in der Nacht zum Montag konnten in Los Angeles auch Michael Haneke und Christoph Waltz jubeln: Der Österreicher Haneke gewann für sein Drama "Liebe" einen Globe in der Kategorie "Fremdsprachiger Film". Für den deutsch-österreichischen Schauspieler Waltz und seine Leistung in "Django Unchained" gab es einen Preis als bester Nebendarsteller.

Herbe Enttäuschung dagegen für Starregisseur Steven Spielberg: Er war mit "Lincoln" sieben Mal nominiert, doch am Ende gewann nur Hauptdarsteller Daniel Day-Lewis einen Globe. Möglicherweise hat Spielberg bei den Oscars Ende Februar mehr Glück - er geht mit zwölf Nominierungen ins Rennen.

Ben Afflecks "Argo" basiert auf wahren Begebenheiten und handelt von einer aberwitzigen CIA-Befreiungsaktion von US-Geiseln im Iran. Der Film wurde von Kritikern in den USA und Europa bereits nach seinem Erscheinen hoch gelobt, sorgte aber im Iran für Kontroversen. Das Land kündigte Medienberichten zufolge an, einen Film mit der iranischen Sichtweise auf die US-Geiselbefreiung im Jahr 1980 zu drehen. "Argo" ist Afflecks dritte Regiearbeit, er spielt in dem Werk auch selbst mit. Der US-Amerikaner feierte Ende der 90er Jahre mit "Good Will Hunting" seinen Durchbruch. Dafür bekam er damals auch zusammen mit Matt Damon einen Oscar für das Drehbuch.

Zweiter Golden Globe für Christoph Waltz

Michael Haneke setzte bei den Globes mit "Liebe" seinen Erfolgszug fort. Für das berührende Altersdrama hatte der 70-Jährige bereits die Goldene Palme bei den Filmfestspielen in Cannes und vier Auszeichnungen beim Europäischen Filmpreis gewonnen. Bald könnten weitere Ehrungen hinzukommen: Die deutsch-österreichisch-französische Koproduktion "Liebe" ist für fünf Oscars nominiert.

Auch Christoph Waltz, 56, triumphierte einmal mehr. Nach einem Globe für seine Rolle in Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" vor drei Jahren gab es nun die zweite Goldene Weltkugel für den in Wien geborenen Schauspieler - ebenfalls für ein Werk von Tarantino.

Die vom Verband der Hollywood-Auslandspresse (HFPA) vergebenen Golden Globes gelten als wichtigste Vorboten für die Oscars, die am 24. Februar verliehen werden. Anders als bei den Oscars gibt es bei den Globes allerdings einen Hauptpreis sowohl für das beste Drama als auch in der Sparte Musical/Komödie. In diesem Jahr gingen an Tom Hoopers Filmmusical "Les Misérables" drei Trophäen: für das beste Musical, für Hauptdarsteller Hugh Jackman und seinen Co-Star Anne Hathaway in einer Nebenrolle.

Wirbel um Jodie Foster

Die Preise in Form einer Weltkugel werden auch im Fernsehsektor verliehen. Dort gewann die Serie "Homeland" um einen mutmaßlichen Terroristen drei Golden Globes. Sie wurde zum zweiten Mal in Folge in der Kategorie "Drama" als beste Serie ausgezeichnet. Darüber hinaus gab es Trophäen für die Hauptdarsteller Claire Danes und Damian Lewis. "Homeland" wird in Deutschland ab 3. Februar bei Sat.1 gezeigt.

Maggie Smith, 78, die Grande Dame des britischen Kinos und Fernsehens, erhielt einen Globe als beste Nebendarstellerin. Sie wurde damit für ihre Leistung in der Historien-Serie "Downton Abbey" geehrt. Die erste Staffel war im Dezember im ZDF zu sehen.

Die glamouröse Golden-Globe-Gala wurde von den Komikerinnen Tina Fey und Amy Poehler moderiert. Das freche Frauen-Duo, das die Zuschauer mit zahlreichen bissigen Witzen amüsierte, löste damit den Briten Ricky Gervais ab.

Für jede Menge Wirbel sorgte auch Jodie Foster: Als die 50-Jährige den Ehrenpreis für ihr Lebenswerk und ihre Verdienste um die Filmkunst annahm, hielt sie eine lange Dankesrede - in der sie auch offen über ihre Homosexualität sprach und ihrer langjährigen Ex-Lebensgefährtin für deren Unterstützung dankte. Beim Kurznachrichtendienst Twitter löste Foster damit innerhalb kürzester Zeit eine Flut von Kommentaren aus. Viele Nutzer sprachen dem Hollywoodstar ihre Anerkennung aus. Einige erklärten gar, dass Foster sie zu Tränen gerührt habe.

Barbara Munker und Aliki Nassoufis, DPA / DPA