HOME

"Hedi Schneider steckt fest" im Kino: Wenn fröhliche Menschen Angst-Attacken erleiden

Wie es wohl ist, wenn das Leben plötzlich von Angststörungen bestimmt wird. So geht es Hedi Schneider. Sie bleibt im Fahrstuhl stecken und kurz darauf auch im Alltag. Ein einfühlsames Spiel mit Witz.

Das Leben von Hedi (Laura Tonke) und Uli (Hans Löw) gerät aus den Fugen

Das Leben von Hedi (Laura Tonke) und Uli (Hans Löw) gerät aus den Fugen

Die Metapher könnte nicht deutlicher sein: Gerade noch ist Hedi (Laura Tonke) durch das bunte Frankfurt geradelt, da bleibt sie mit dem Fahrstuhl stehen. Sie nimmt es mit Gelassenheit und Humor, versucht sich die Zeit mit einer Plauderei mit dem Notdienst zu vertreiben.

Keine Spur von Panik. Die aber kommt wenig später. Ausgerechnet beim spielerischen Sex mit ihrem Mann Uli. Hedi glaubt zu sterben, und ihr Leben und das ihrer Kleinfamilie gerät komplett aus den Fugen.

Plötzlich geistert sie nachts durch die Stadt. Treibt einen Verkäufer in einer Zoohandlung zur Verzweiflung, bis sie schließlich ein kleines Kaninchen kauft. Läuft Uli (Hans Löw) auf eine Party nach, nachdem sie viel zu viele der Antidepressiva geschluckt hat und erbricht sich prompt bei einem Partygast aufs Hemd.

Entwicklung mit viel Geduld und liebevollem Witz

Regisseurin Sonja Weiss - selbst Erfahrung mit Angststörungen - erzählt in "Hedi Schneider steckt fest" diese Entwicklung mit viel Geduld und liebevollem Witz. Sie zeigt, wie das Leben einer fröhlichen Familie zusammenbrechen kann, erzählt von der Fragilität des Glücks und der Liebe und auch von der Verlorenheit einer Generation.

Mit um die 40 weiß Hedi noch nicht so recht, wo sie hin will. Macht einen Job in einer Reiseagentur ohne jegliche Ambitionen, aber immer fröhlich-freundlich. Unbeschwert wandelt sie durch ihr Leben und macht sich ihre Welt, wie sie ihr gefällt, ohne damit jemandem zu schaden. Das Leben scheint ein Spiel, so wie die kreativen Rollenspiele mit ihrem kleinen Sohn Finn.

Angst-Attacken treffen auch die fröhlichsten Menschen

"Wir müssen Geduld haben", sagt Uli immer wieder, wenn er sich gerade mal wieder eine neue Therapie angelesen hat oder Hedi eine Überdosis ihrer Pillen eingeworfen hat, die ihr offensichtlich unbegrenzt zur Verfügung stehen. Dass der kleine Sohn dabei zur kurz kommt, verwundert nicht. Dass die Kleinfamilie mit ihrer Selbsttherapie nicht so recht weiterkommt, auch nicht. Mit "Okay", reagiert Uli auf jede weitere Eskapade Hedis. Dabei ist doch nichts okay.

Natürlich zeigt der Film, dass Angst-Attacken jeden treffen können, auch die fröhlichsten Menschen. Doch manchmal steckt der Film selbst ein wenig fest. Dann, wenn man die Protagonisten am liebsten schütteln würde, weil sie vor allem abwarten, das Leben laufen lassen. Und doch ist "Hedi Schneider steckt fest" ungemein berührend, intensiv und in jedem Fall - auch dank des großartigen Spiels von Laura Tonke - unbedingt sehenswert.

DPA / DPA