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Interview Rupert Grint: Der Anti-"Harry Potter"

Seit fast zehn Jahren spielt Rupert Grint den tolpatschigen Ron Weasley, Harry Potters besten Freund. Dabei kann er auch ganz anders. stern.de traf den rothaarigen Schauspieler zum offenen Gespräch.

Von Sophie Albers

Rupert Grint hat ein Problem: Seit nun fast zehn Jahren sieht die Welt in ihm den loyalen, tolpatschigen, vor allem aber harmlosen Ron Weasley. Das ist der rothaarige Freund des Super-Zauberschülers Harry Potter, den Grint seit 2001 spielt. Dass aus dem niedlichen Milchgesicht mittlerweile ein junger Mann geworden ist, ist für viele Fans nur schwer zu akzeptieren. Da hilft nur Schocktherapie.

Zu diesem Zweck dreht der 20-Jährige Filme wie "Cherrybomb", der noch auf seinen deutschen Starttermin wartet. Ein zynisch-bitterböses Drama über außer Kontrolle geratene Jugendliche in Belfast. Es wird gekokst, gestohlen, geprügelt und mal mehr, mal weniger gefühlvoll gevögelt. Das hat wenig zu tun mit den zarten Liebesbanden, die gerade im neuen "Harry Potter und der Halbblutprinz" geknüpft werden.

Grint fühlt sich wohl mit seiner Drehbuchwahl. Bereits vor drei Jahren hat Alfonso Cuarón, Regisseur von "Harry Potter und der Gefangene von Askaban", gesagt, der Junge aus Hertfordshire sei der begabteste unter den drei "Harry Potter"-Stars. Der ignoriert solche Aussagen aber lieber und wirkt dann doch fast so schüchtern wie Ron Weasley, als er auf dem Sofa sitzt und auch nicht weiß, wer eigentlich der schreiende Glatzkopf auf seinem T-Shirt ist.

Mister Grint, dieser kokainschnupfende, Sex-getriebene Typ mit Tolle, den sie in "Cherrybomb" spielen, ist ein Anti-"Harry Potter"-Charakter ...

(lacht) Allerdings. Das hat mit Ron Weasley nicht viel zu tun. Es ist ein viel erwachsenerer Film. Das habe ich genossen.

War es eine bewusste Entscheidung, diese Rolle anzunehmen?

Nein, ja, vielleicht ...

Ist Ihr Agent nicht in Sorge, dass solch ein Film das Harmlos-Image von "Harry Potter" beschädigen könnte?

Kann sein. Aber der Film ist auch für ein anderes Publikum gedacht. Wir sind ja alle ein bisschen älter geworden, da komme ich mit so was durch. Ich bin jetzt 20.

Stimmt es, dass es bei "Harry Potter" eine Vertragsklausel gibt, die gutes Benehmen vorschreibt?

Davon habe ich noch nichts gehört. Ich habe wirklich einfach noch nie was angestellt.

Hatten Sie keine rebelllische Phase, mit 15 oder so?

Mein Leben ist ja etwas anders verlaufen... Ich hatte nicht diese Zeit nach der Schule, in der ich nicht wusste, was wird. Aber ich habe Freunde, die all das erleben.

Vermissen Sie nicht die eigene Erfahrung?

Nicht wirklich. Das ist eher ein kleines Opfer angesichts der großartigen Erfahrungen, die ich gemacht habe. Und ich bin nie wirklich gerne zur Schule gegangen. (lacht)

Freuen Sie sich auf den nächsten Potter-Dreh? "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" wird ein Zweiteiler.

Ja, rund 14 Monate wird es dauern. Das wird wirklich lang. Aber das ist es wert. Es ist ein tolles Buch und von großer Bedeutung, denn es ist der letzte Film.

Denke Sie schon über das Leben nach "Harry Potter" nach?

Ist ja noch ein bisschen hin, aber irgendwie schon. Ich hoffe, ich werde weiterhin viel zu tun haben.

Was hat der "Harry Potter"-Hype eigentlich mit Ihnen gemacht, mit ihrer Familie, mit Freundschaften, mit ihrem Bankkonto?

Natürlich hat es mein Leben total verändert! Aber es ging auch alles so schnell, und ich hatte eine großartige Zeit.

Fragen Sie sich manchmal, was ohne Ron Weasley aus Ihnen geworden wäre?

Oh ja. Und ich habe keine Ahnung. Wahrscheinlich Eisverkäufer, das war lange mein Ziel. (lacht) Aber ernsthaft: Ich hatte großes Glück.

Hat der Erfolg von "Harry Potter" Sie Freunde gekostet?

Nein, ich hatte die ganze Zeit Kontakt mit meinen Kumpels von früher. Ich hatte die Wochenenden frei, und ich habe ganz in der Nähe des Studios gewohnt. Ich konnte echt ein einigermaßen normales Leben leben.

Ist es nicht schwieriger geworden, Menschen kennenzulernen, weil man nie weiß, was die wirklich von einem wollen?

Stimmt, das wäre wohl so, aber ich habe zum Glück noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Vielleicht kommt das noch, denn zur Zeit lebe ich in so etwas wie einer Blase.