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James Bond: Wo 007 geboren wurde

Rund 60 Kilometer nordwestlich von London liegt Bletchley Park. Das verschnörkelte Herrenhaus war im Zweiten Weltkrieg ein Zentrum der britischen Spionage. Und hier hat Ian Fleming James Bond erfunden. Ein Besuch an der Wiege von 007. Ex-Bond Roger Moore kommt auch mit.

Von Sophie Albers

Hubschraubergeknatter über dem kleinen Ort Bletchley nordwestlich von London. Auf der Wiese vor einem verwinkelten Herrenhaus mit lustig-bunten Giebeln landet ein Helikopter und heraus steigt Roger Moore. Alt, gefärbt, vielleicht auch ein bisschen festgezurrt, aber immer noch verdammt imposant.

Sieben Mal hat der Brite James Bond gespielt, von 1973 bis 1985. Er war bekannt dafür, in jeder noch so bedrohlichen Situation Witze zu reißen, so wie Daniel Craig nun dafür bekannt ist, einfach alles umzumähen, was sich seinem 007 in den Weg stellt. "Ein Quantum Trost" heißt der neueste Bond-Film, und er schreibt eine der größten Erfolgsgeschichten des Filmgeschäfts weiter.

"Größter Bond-Fan der freien Welt"

Insgesamt 14 Bond-Romane hat der britische Schriftsteller Ian Fleming geschrieben. Angefangen mit "Casino Royale" aus dem Jahr 1953 bis zu "Octopussy", der 1966 erschien. 1962 kam mit "Dr. No" der erste Bond-Film in die europäischen Kinos, und der von Sean Connery gespielte Superagent schaffte sogar den Sprung nach Amerika. Schließlich bezeichnete sich niemand Geringeres als Präsident John F. Kennedy als "größten James-Bond-Fan der freien Welt". Damit begann der Aufstieg einer Marke. Sechs Darsteller haben James Bond seitdem zur erfolgreichsten Filmreihe aller Zeiten gemacht. Deshalb ist Roger Moore auch in Bletchley. Er will für eine neue Edition der alten Filme werden.

Der Schauspieler zieht sein dunkelblaues Jackett mit den Goldknöpfen stramm, strahlt und geht auf das verschnörkelte Haus zu. Er kennt Bletchley Park. Jeder, der länger mit James Bond zu tun hatte, kennt Bletchley Park. Hier wurde 007 geboren. Hier hat Fleming erfahren, was er über Agenten und Geheimdienste wusste. Das durfte bis 1974 allerdings niemand wissen. So lange war Bletchley Park ein geheimer Ort.

Puzzlefreaks, Schachspieler und Ian Fleming

Zu dem Herrenhaus gehören mehrere Blocks Holzhütten und auch Steinbauten, die vor langer Zeit als Bunker dienten. Bletchley Park war im Zweiten Weltkrieg eine Spionagezentrale. Hier wurden Verschlüsselungs-Codes geknackt. Unter anderem der große Mathematiker und Computerpionier Alan Turing arbeitete hier an der Dechiffrierung der deutschen Kodierungsmaschine Enigma, mit der die Nachrichten der Wehrmacht verschlüsselt wurden. Viele Wissenschaftler aus den Eliteuniversitäten Oxford und Cambridge wurden nach Bletchley Park geholt. Aber auch begabte Schachspieler, Puzzlefreaks oder besonders schnelle Typisten, wie Dave Whitechurch einer war.

"1938/ 39 haben hier 200 Leute gearbeitet, 1944 waren es 9000", sagt der kleine Mann mit dem breiten Lächeln, der Besuchergruppen durch das Museum führt, das Bletchley Park heute ist. Fast bis Kriegsende hat er für eine Unterabteilung des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6 gearbeitet. Das Leben in der verschworenen Gemeinschaft der Code-Brecher sei "die beste Zeit" seines Lebens gewesen, sagt er, was ein bisschen seltsam klingt, schließlich war damals Krieg.

40.000 Enigma-Kodierungsmaschinen benutzten die Nazis. Wenn England den Krieg gewinnen wollte, musste es vor allem deren Marine-Codes knacken. Die deutsche U-Boot-Flotte war stark. Bis 1942 klappte das trotz raumfüllenden Dechiffrierungsmonstermaschinen wie der "Bombe" oder der "Colossus" allerdings nicht. Eine Enigma-verschlüsselte Nachricht barg rund 158 Trillionen Möglichkeiten. Ein Schlüssel musste her. "Und hier kommt Ian Fleming ins Spiel", sagt Whitechurch.

NID 17F anstatt 007

Der Sohn aus reichem Hause, dreisprachig, viel gereist, mäßig begabter Agenturjournalist und das, was man einen Dandy nennt, war die rechte Hand von Admiral John Godfrey, dem Chef des Marine-Geheimdienstes, der nach Möglichkeiten suchte, an deutsche Dekodierungsschlüssel zu kommen. Dabei war Flemings ausgeprägte Fantasie eine große Hilfe, wenn sie auch letztlich keine praktische Anwendung fand. Eine Codenummer hatte der Bond-Erfinder damals wirklich: allerdings nicht 007, sondern das weniger schmucke NID 17F.

Fleming war nie auf gefährlicher Mission unterwegs, dafür wusste er zu viel. Er hatte zum Beispiel Einsicht in den 007-Briefverkehr. 007 stand tatsächlich für eine Geheimhaltungsstufe. Fleming hatte sowohl mit dem MI6 als auch auch dem Inlandsgeheimdienst MI5 zu tun, die Spionage und Gegenspionage kontrollierten. Godfrey hatte zudem die Geheimdienstabteilung Royal Naval Volunteer Reserve gegründet. Der ordnete Fleming später auch Bond zu, als er beschrieb, was der Agent im Krieg gemacht hatte. Bletchley Park nannte er natürlich nicht, denn das war auch noch ein geheimer Ort, als Fleming 1964 starb. 30 Jahre galt die Geheimhaltungsfrist.

Der ganz reale Roger Moore

Roger Moore sitzt mittlerweile im Haupthaus an einem runden Tisch. In dem sonst unmöblierten Raum mit ausuferndem Stuck krachen in diesem Augenblick Realität und Fiktion aufeinander. Ein Schauspieler, der eine fiktive Figur verkörpert hat, sitzt innerhalb der Wände, wo deren Schöpfer sich zu ihr inspirieren ließ. Doch auf philosophische Zwischenebenen begibt Moore sich nicht. Der schlagfertige 81-Jährige ist so real wie der Erfolg seines Nachfolgers Daniel Craig.

Ob er es eigentlich in Ordnung fände, was Craig aus ihm gemacht hat, lautet also die Frage. Moore antwortet bestimmt: "Er ist nicht ich, er ist Bond. Und er ist sehr gut. Jedem seinen Bond, sage ich, denn jeder sieht darin etwas anderes." Aber Craigs Bond sei doch schon sehr anders. Ja, der junge Kollege komme eben mehr nach seinem Vorgänger Sean Connery. "Gibt es etwas, das alle 007-Darsteller gemeinsam haben? Gibt es ein James-Bond-Gen?" Moore grinst, zieht die Augenbraue nach oben und sagt: "Nein, du musst zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und dich daran erinnern, dass dein Name Bond ist."

Wenn man durch Bletchley Park schlendert, scheint es allerdings nicht der richtige Ort zu sein, wo einem all die wilden Verfolgungsjagden und Verschwörungen einfallen, die Fleming in seinen Romanen verewigt hat. Alte Bäume, Blumenbeete und hübsche Häuschen. Nur die durchnummerierten Holzhütten haben etwas von Krieg. Allerdings erinnern sie von außen eher an KZ-Baracken.

Kodierungsmaschine Lektor erinnert an "Liebesgrüße aus Moskau"

In einer der Hütten erzählt Dave Whitechurch gerade von den 40 Brieftauben, die in Bletchley Park lebten, die von den Nazis beschossen wurden, als sie herausfanden, wozu die Tiere gut waren. Da kommt Mavis Batey um die Ecke. Sie war 19 Jahre alt, als sie 1940 zu den Code-Brechern nach Bletchley Park geholt wurde. Vorher hatte sie in London die Lyrik der deutschen Romantik studiert. Batey hat gerade das kleine Buch "From Bletchley With Love" verfasst, in dem sie in den Bond-Romanen nach Hinweisen auf Ian Flemings Zeit in Bletchley suchte. So erinnere zum Beispiel die Kodierungsmaschine Lektor in "Liebesgrüße aus Moskau" natürlich an Enigma. Seinen ersten Bond, "Casino Royale", schrieb Fleming in seinem jamaikanischen Feriendomizil "Goldeneye". 1941 versuchte Fleming angeblich im Casino von Estoril bei Lissabon deutsche Spione auszunehmen. Tatsächlich mischt sich Realität und Fiktion, auch wenn es meist nur Details sind. "Fleming wusste nicht all das über Bletchley, was Sie heute sehen können", sagt die Frau mit dem grauen Lockenkopf.

Aber er wusste etwas anderes, und das ist eine herbe Desillusionierung: "Fleming wusste, dass Geheimdienstoperationen statt kaltblütiger Abenteuer harte Arbeit, viel Geduld, hochentwickelte technische Fähigkeiten und wahnsinnig vorsichtige und kompetente Organisation bedeuteten", zitiert sie einen damaligen Kollegen des Autoren. Lebt James Bond also all das aus, was die Realität nicht hergab?

Zusätzliche Löcher im Hintern

Nach Ende des Krieges traf sich Fleming in London regelmäßig mit Geheimdienst-Kameraden, die den sogenannten 36 Club gegründet hatten. Die Männer saßen zusammen, rauchten, tranken, plauschten und beschwerten sich darüber, "dass es den traditionellen fiktionalen Spion nicht mehr gibt", beschreibt Batey. Fleming habe daraufhin eines Abends Abenteuer zusammenfantasiert, die er im Krieg hätte erleben können, wenn man ihm völlige Freiheit gelassen und unbegrenzt Geld zur Verfügung gestellt hätte. Wie bei Bond eben.

Und wie sieht das einer, der mal Bond war? Moore sieht das alles weiterhin sehr pragmatisch: Was die stärkste Erinnerung an seine Zeit als 007 sei? "Außer dass ich ordentlich bezahlt wurde? Ach wissen Sie, wundervolle Orte, die ich besuchen durfte, dass ich einen Jet Bird fahren konnte, die Alligatoren... aber die sind keine schöne Erinnerung."

Aber ist denn nach sieben Mal Bond etwas übrig geblieben? Hat der Schauspieler vielleicht Narben davongetragen? Kurzes Lachen, dann sagt er voll britischer Selbstironie: "Ich habe ein paar zusätzliche Löcher am Hintern, weil sie mich in 'Der Spion, der mich liebte' fast in die Luft gesprengt haben. Ich saß auf einem Stuhl, und Curd Jürgens sollte unter dem Tisch eine Rakete auf mich feuern. Zwar hatte der Stuhl eine Metallplatte hinten drin, damit ich nichts abkriege. Aber dazu hätte ich rechtzeitig aufstehen müssen."

Kurz darauf verlässt Roger Moore Bletchley Park, überlässt es wieder seinen Besuchern und seiner Geschichte. Er lächelt, winkt und steigt in einen silbergrauen Aston Martin. Zumindest in diesem Augenblick sind sich Fleming und Moore plötzlich ganz nah.

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James Bond in Bild, Ton, Wort und online

  • "James Bond 007 - Ein Quantum Trost" ist am 6. November angelaufen.
  • Der Soundtrack zu "Quantum of Solace" von David Arnold ist bei Sony/BMG erschienen
  • Flemings Bond-Romane sind unter anderem im Heyne-Verlag erschienen
  • Die MGM Blu-ray James Bond Edition gewährt einen blitzblanken Blick auf die alten Filme
  • Anfang 2009 erscheint Roger Moores Autobiografie
  • Und wenn Sie mehr über Bletchley Park erfahren möchten: www.bletchleypark.org.uk
  • Wenn Sie ein Codierungs-Freak sind: www.codesandciphers.org.uk
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(