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Kinostart "Die drei Musketiere": In 3D und abgewrackt wie nie

Kaum ein Roman wurde so häufig verfilmt wie "Die drei Musketiere". Nun kommt die erste 3D-Version in die Kinos - mit Christoph Waltz als Kardinal Richelieu und Orlando Bloom als Herzog von Buckingham. Die Helden strahlen allerdings weniger als in den alten Filmen.

Futuristische Luftschiffe, ausgefeilte Waffen und drei abgewrackte Helden: Die erste 3D-Version von "Die drei Musketiere" wartet neben spektakulären Kampfszenen vor allem mit modernster Technik auf. Athos, Porthos und Aramis müssen sich gemeinsam mit ihrem jungen Freund D'Artagnan nicht nur den Intrigen ihrer Feinde stellen, sondern auch Feuerkanonen auf Luftschiffen - und das Ganze vor der Kulisse des 17. Jahrhunderts. Gedreht wurde drei Monate lang vor allem in bayerischen Schlössern wie der Würzburger Residenz oder dem Ludwig-Schloss Herrenchiemsee.

Anders als in früheren Ausgaben des Mantel-und-Degen-Klassikers sind die Hauptfiguren im Film von Regisseur Paul W.S. Anderson keine heroischen und unantastbaren Kämpfer, sondern ausgediente Fußsoldaten. Seit einem gescheiterten Auftrag ist Athos (Matthew Macfadyen) Trinker, Porthos (Ray Stevenson) ein bankrotter Raufbold und Aramis (Luke Evans) ein ehemaliger Kirchenmann ohne Perspektive. Die Charaktere erinnern dadurch stark an andere Neuauflagen von Klassikern wie "Sherlock Holmes" von Guy Ritchie. Auch hier bekamen die altbekannten Figuren neue, weniger charmante Charakterzüge.

Selbst Orlando Bloom ist in der Constantin-Produktion nicht wie in "Herr der Ringe" oder "Fluch der Karibik" der Gute, sondern der durchtriebene Herzog von Buckingham. "Er wollte unbedingt mal einen Bösewicht spielen", erklärt Produzent Martin Moszkowicz im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Während sich dieser berufliche Wunsch erfüllte, lief auch privat alles glatt für den Hollywood-Beau: Seine Frau Miranda Kerr brachte im Januar Söhnchen Flynn zur Welt. Bei den Dreharbeiten im Herbst pendelte der 34-Jährige deshalb zeitweise zwischen Deutschland und seiner schwangeren Liebsten.

Naiver Neuling, heruntergekommene Helden

In der Geschichte wird der Herzog vor allem zum Opfer der durchtriebenen Agentin Milady de Winter (Milla Jovovich). Er glaubt sie auf seiner Seite, in Wahrheit jedoch arbeitet sie auch für Kardinal Richelieu (Christoph Waltz). Gemeinsam mit de Winter plant der Geistliche, König Louis XIII. (Freddie Fox) zu stürzen. Diesen Plänen jedoch stellen sich die drei Musketiere gemeinsam mit dem unbedarften und naiven D'Artagnan (Logan Lerman) entgegen. Der war nach Paris gekommen, um ein Musketier im Dienste der königlichen Armee zu werden. Schon in seinen ersten Stunden in der Hauptstadt kämpft er mit Athos, Porthos und Aramis gegen die Truppen des Agenten Rochefort (Mads Mikkelsen).

Mit wieder entfachter Abenteuerlust machen die Vier Richelieus Pläne zunichte. Dabei kämpfen die Freunde nicht nur am Boden, sondern auch auf den futuristischen Luftschiffen - bis zum großen Showdown samt Degenkämpfen in 3D. Gerade die Kampfszenen in "Die drei Musketiere" wirken dreidimensional besonders gelungen: Mal rauscht ein brennendes Luftschiff auf den Betrachter zu, mal rasseln die Degen vor der Nasenspitze gegeneinander. Auch das Paris des 17. Jahrhunderts wird durch Animationen wieder zum Leben erweckt.

Zwischen viel Action, den Intrigen der Bösewichte und einer gehörigen Portion Patriotismus der Helden kann vor allem Christoph Waltz als süffisant-bösartiger Kardinal Richelieu überzeugen. Ähnlich wie in seiner oscarprämierten Rolle als SS-Offizier in Quentin Tarantinos Film "Inglourious Basterds" braucht er nur wenige Gesten, um sein Gegenüber schachmatt zu setzen. In einer Szene mit Milady de Winter spielt Richelieu beispielsweise Schach gegen sich selbst - und merkt an, dass ihm bisher kein anderer ebenbürtig war.

"For Bernd"

Den Gegenpol zu Waltz spielt der 19 Jahre alte Logan Lerman alias D'Artagnan gekonnt. Mit seiner flapsigen und unbedarften Art mischt er die abgetakelten Musketiere auf - und durch ihn finden sie zu altem Glanz zurück. Natürlich darf auch in einem Mantel-und-Degen-Film eine Romanze nicht fehlen. D'Artagnan verliebt sich in Hofdame Constance und riskiert für sie sein Leben - wie man es von einem echten Musketier erwartet.

Gewidmet hat Regisseur Anderson ("Resident Evil") den Film übrigens Bernd Eichinger. Der Produzent und Constantin-Gründer war im Januar unerwartet in Los Angeles gestorben. "Ich verdanke ihm unendlich viel", sagt Anderson in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Cinema". Am Ende des Films steht deshalb noch vor dem Abspann ein schlichtes "For Bernd". "Wir wollten uns einfach nur bei ihm bedanken. Schließlich ist es der erste große Constantin-Film nach seinem Tod", betont Constantin-Vorstand Moszkowicz.

Katia Rathsfeld, DPA / DPA