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Ermordeter Bürgerrechtler: Netflix-Doku warf Fragen auf: Wird der Fall Malcolm X wieder aufgerollt?

Sein Tod erschütterte Mitte der 60er-Jahre die ganze Welt: Malcolm X wurde von drei Männern mit Waffen niedergestreckt. Doch wurden damals die richtigen drei verhaftet? Eine neue Netflix-Doku sagt: Nein! Und der New Yorker Staatsanwalt scheint zuzuhören.

Malcolm X kämpfte für die Rechte der schwarzen Bevölkerung und bezahlte dafür mit seinem Tod

True-Crime-Dokumentationen, also Filme, die sich mit den Hintergründen wahrer Kriminalgeschichten auseinandersetzen, sind so beliebt und erfolgreich wie nie. Gerade beim Streaming-Anbieter Netflix scheint es gefühlt jede Woche eine neue Premiere zu geben. Immer wieder scheiden sich die Geister der Fans, die ihre Theorien zu Schuld oder Unschuld in zahlreichen Foren diskutieren. Und während die Publicity der Dokumentationen den Protagonisten in einigen Fällen vielleicht sogar weiterhelfen kann, haben sie bislang selten wirklichen Einfluss auf die Entscheidungen der Justiz. Doch das könnte sich in einem ganz bestimmten Fall nun ändern.

Seit einigen Tagen gibt es eine neue Dokumentation auf Netflix, die sich mit einer Frage auseinandersetzt, über die seit Jahrzehnten diskutiert wird: Wer tötete Malcolm X? Der Bürgerrechtler war am 21. Februar 1965 während einer Ansprache in New York von drei Männern angegriffen und mit zahllosen Schüssen niedergestreckt worden. Er starb, kurz nachdem er das Krankenhaus erreicht hatte. Zuvor hatte X immer wieder seine Angst geäußert, dass Mitglieder der Nation of Islam, eine religiös-politische Organisation, der er bis kurz zuvor auch noch angehört hatte, aufgrund intensiver Uneinigkeiten, seinen Tod wollten.

Drei Männer wurden des Attentats verdächtigt und mussten vor Gericht: Talmadge Hayer, Norman 3X Butler und Thomas 15X Johnson – allesamt Mitglieder der Nation of Islam. Während Hayer vor Gericht stand, weigerte er sich, seine Komplizen preiszugeben. Er sagte allerdings so viel: Butler und Johnson waren es nicht. Dennoch wurden alle drei Männer zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Norman Butler, der heute als Muhammad Abdul Aziz lebt, wurde 1985 auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen. Der heute 81-Jährige hält immer noch an seiner Unschuld fest. Auch Johnson, der seinen Namen in Khalil Islam ändern ließ, durfte das Gefängnis 1987 verlassen. Bis zu seinem Tod 2009 lebte er jedoch mit dem Stigma eines Mordes, den er laut eigener Aussage nie begangen hatte.

Der New Yorker Staatsanwalt will sich den Fall Malcolm X neu anschauen

In der Netflix-Dokumentation begibt sich Historiker Abdur-Rahman Muhammad auf die Spuren von Malcolm X und versucht herauszufinden, wie er ermordet wurde. Gemeinsam mit dem "Innocence Project", einer Non-Profit-Organisation, die sich um das Aufklären von Justizirrtümern bemüht, will er beweisen, dass Norman Butler und Thomas Johnson nicht an dem Attentat auf Malcolm X beteiligt waren. Laut den Anwälten des "Innocence Project" gibt es neben der Aussage von Talmadge Hayer auch keinerlei physischen Beweise, die Butler oder Johnson mit der Tat in Verbindung bringen.

Am Montag äußerte sich die Bezirksstaatsanwaltschaft von New York. Da es neue Entwicklungen in dem Fall geben würde, wolle man ihn sich noch einmal anschauen. In einem Statement, das "CNN" vorliegt, heißt es: "Staatsanwalt Vance hat sich mit Vertretern des 'Innocence Project' und zugehörigen Anwälten getroffen. Er hat entschieden, dass die Staatsanwaltschaft eine vorläufige Prüfung des Falles vornehmen wird, die dann bestimmen wird, welche weiteren investigativen Schritte vorgenommen werden müssen."

Es besteht nun also die Möglichkeit, dass ein 81-jähriger Mann nach 55 Jahren die faire und gründliche Untersuchung seines Falles bekommt, die von vielen Beobachtern seit Jahren gefordert wird. 

Quelle: "CNN"

jgs
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