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Stern Logo Academy Awards - Die Oscar-Verleihung

Academy Awards 2014: Der Oscar geht an ...

... Robert Redford auf jeden Fall nicht. Der wurde bei den Nominierungen übergangen. Ein Skandal. stern-Filmredakteur Matthias Schmidt sagt Ihnen nun, wer stattdessen gewinnen wird.

Beste Nebendarstellerin: Jennifer Lawrence

Die 23-jährige Überfliegerin aus Kentucky wird bei den Oscars kaum zu stoppen sein, nach ihrem Sieg im letzten Jahr für "Silver Linings" geht sie mit besten Chancen ins Rennen. Diesmal für ihren Auftritt als kratzbürstige Gattin eines Betrügers, die beim Staubwischen "Live And Let Die" trällert. Geheimtipp: die Filmdebütantin Lupita Nyong'o, die als gequälte Sklavin für die gerade in Nebenkategorien so beliebte Überraschung sorgen könnte.

Bester Nebendarsteller: Jared Leto

Mit seiner mitreißenden Darstellung eines Transsexuellen könnte Leto triumphieren. Dabei war die Schauspielerei für den Kopf der Band "30 Seconds to Mars" bislang eher ein nettes Hobby. Schlagen könnten ihn wohl nur Fassbender als Plantagenbesitzer oder - was eine Sensation wäre - der Newcomer Abdi als somalischer Pirat. Leider nicht am Start: Daniel Brühl als Niki Lauda.

Beste Hauptdarstellerin: Cate Blanchett

Die australische Schauspielgöttin hat in ihrer Karriere tatsächlich erst einen Oscar gewonnen: vor neun Jahren als Nebendarstellerin in "Aviator". Es ist also Zeit für die allerhöchsten Weihen. Die müssten ihr nach ihrer Rolle als gefallenes Luxusweibchen in Woody Allens Finanz-Tragikomödie fast sicher sein. Härteste Konkurrentin: Dame Judi Dench, die - Ironie des Schicksals - selbst erst einen einzigen Nebenrollen-Oscar im Regal hat, 1999 für "Shakespeare in Love". Nicht mal gewürdigt dagegen wird ihre englische Kollegin Emma Thompson fürs Disney-Drama "Saving Mr. Banks" - erstaunlich. Meryl Streep hat solche Sorgen nicht: Sie ist zwar chancenlos - aber schon zum 18. Mal nominiert.

Bester Hauptdarsteller: Matthew McConaughey

Es wird eng. Für die Verwandlung des Beach-Boys in einen ausgemergelten, homophoben Cowboy, der plötzlich an AIDS erkrankt, würde McConaughey normalerweise alle Preise abräumen. Aber nichts ist unmöglich in einer Saison, in der Forest Whitaker und Tom Hanks vergessen wurden. Und ein sensationeller Auftritt von Robert Redford (als Alleinsegler in "All is Lost") ignoriert wird - dabei hat der tatsächlich noch nie einen Schauspiel-Oscar bekommen! Riefen sie am Ende Christian Bale auf die Bühne: Ich würde mich nicht mehr wundern.

Bester Regisseur: Alfonso Cuarón

Die Weltraum-Oper des Mexikaners steht für mehr als einen Science-Fiction-Blockbuster in 3-D. "Gravity" (insgesamt zehnmal nominiert) ist ein Fest des Schauens und des Schwebens und zugleich eine tiefgründige Meditation über Verlust und Weiterleben. Zudem ist der Film technisch und visuell revolutionär - der 52-jährige Cuarón hat ihn in jahrelanger Detailarbeit konzipiert und realisiert. Das dürfte eigentlich reichen für die ganz große Kür, doch auch die Macher der anderen beiden Oscar- Favoriten "American Hustle" (zehn Nominierungen) und "12 Years a Slave" (neun Nominierungen) dürfen durchaus noch hoffen. Der Ausgang: völlig losgelöst ...

Bester Film: "12 Years a Slave"

Er hat es selbst immer wieder gepredigt: Es gäbe bedauerlicherweise so gut wie keinen amerikanischen Sklaven-Film aus der Opferperspektive, betonte Steve McQueen in zahlreichen Interviews. Auch deshalb führt an seinem schonungslosen, brillant gespielten Ausbeutungsdrama kein Weg vorbei. Und mit einer Oscarverleihung würde die Jury Geschichte schreiben: Es wäre der erste Film eines schwarzen Regisseurs, der die Königskategorie der Oscars gewinnt. Gefährlich werden kann ihm nur noch das Schurkenstück "American Hustle", dem Rest bleiben mehr oder weniger Statistenrollen.

Matthias Schmidt / print