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Rumänien: "Dummköpfe" verklagen Borat

Zwei rumänische Dörfler haben die Produzenten des Kino-Hits "Borat" verklagt. Die Bewohner des Drehorts fühlen sich übers Ohr gehauen: Niemand hatte ihnen gesagt, dass sie als "Dummköpfe, Diebe, Vergewaltiger" dargestellt würden.

Im armen rumänischen Karpatendorf Glod, das mehrheitlich von Roma bewohnt wird, könnte es demnächst einen Geldsegen aus Hollywood geben. Dort wurden die Dorfszenen für den Kino-Hit "Borat" mit Sacha Baron Cohen gedreht. Allerdings sollen die Produzenten die Dorfbewohner, die in großer Zahl als Statisten mitgewirkt haben, über den Inhalt des Films im Unklaren gelassen haben. Zwei von ihnen haben jetzt mit Hilfe des bekannten Anwaltsduos Michael Witti aus München und Ed Fagan aus New York die 20th Century Fox und deren Partner auf insgesamt 30 Millionen US-Dollar Schadensersatz verklagt.

Die beiden Anwälte haben bereits bekannte Verfahren wie den Entschädigungsfonds für NS-Zwangsarbeiter sowie Klagen von Patienten, die mit dem umstrittenen Medikament Lipobay behandelt worden waren, verfochten. Vor dem Europäischen Gerichtshof wollen die beiden Juristen höhere Entschädigungen für die Angehörigen der Opfer des Seilbahnunglücks von Kaprun erstreiten.

Riesendildo an Stumpf montiert

In der Klageschrift, die Witti jetzt den Klägern Spiridon Ciorobea und Nicolae Todorache in Glod erläuterte, wird den Filmproduzenten vor allem Diskriminierung einer international geschützten Minderheit (der Roma) sowie Irreführung und Betrug vorgeworfen. Die Filmleute hätten den Dorfbewohnern erklärt, sie würden in einem Dokumentarfilm mitwirken, der die Situation in ihrem Dorf darstellen solle. Um die Menschen zum Mitwirken zu bewegen, habe man ihnen absichtlich verschwiegen, dass es sich um einen Spielfilm handle, in dem sie als "Dummköpfe, Diebe, Vergewaltiger und Rassisten" dargestellt würden. Dabei habe man den niedrigen Bildungsstand und die Gutgläubigkeit der Menschen in Glod ausgenutzt.

Der 68-jährige Ciorobea wird in dem Film als "Schweißer und Abtreibungsgynäkologe" dargestellt. Im Film ist er mit einem Schweißbrenner in der Hand zu sehen, sein angeblicher Nebenberuf als "Gynäkologe" wird von der Figur des Borat im Film genannt. Der 57 Jahre alte Todorache, von Beruf Wächter in einem Fabriklager, war für die Dreharbeiten angeheuert worden, weil ihm eine Hand fehlt. An den Stumpf montierten die Requisiteure ein Plastikobjekt, von dem Todorache erst später erfuhr, dass es ein Riesendildo war.

Ohne Wasseranschluss und Kanalisation

Glod ist ein armes Roma-Dorf in den Südkarpaten. Die etwa 1800 Bewohner leben kümmerlich vom Verkauf der großen Kieselsteine aus dem Fluss Ialomita an Baufirmen und vom Sammeln von Waldbeeren und Pilzen. Das Dorf hat keinen Wasseranschluss und keine Kanalisation. Zum größten Teil leben die Menschen in ärmlichen Hütten.

Der Prozess soll am 4. Dezember vor dem Bundesgericht in New York beginnen. Neben der 20th Century Fox wurden 15 weitere Parteien verklagt - darunter Produktionsfirmen, Produzenten und Drehbuchschreiber. Neben der Millionen-Entschädigung verlangen die Kläger, dass sich die Filmproduzenten entschuldigen - und zwar nicht nur bei ihnen, sondern bei allen Dorfbewohnern und bei allen Roma.

Kathrin Lauer/DPA / DPA