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Steven Spielberg: "Niemals aufgeben - das ist der Tim in mir"

Hollywoods größter Filmemacher kommt am Donnerstag mit "Die Abenteuer von Tim & Struppi" in die deutschen Kinos. Im stern.de-Interview verrät Steven Spielberg, warum er sich nach all den Jahren noch immer wie ein kleines Kind freut, wenn er auf dem Filmset herumhüpfen darf.

Von Frank Siering, Los Angeles

Er zählt zu den größten Filmemachern der Gegenwart. Steven Spielbergs Film-Schaffen liest sich wie die Erfolgsstory von Apple oder Google.

"Der Weiße Hai", "Indiana Jones", "E.T.", "Jurassic Park", "Schindlers Liste". Filme, die die Popkultur nicht nur massiv beeinflusst, sondern ganze Paradigmen-Schübe in der Gesellschaft hervorgerufen haben. In jüngerer Zeit folgten "Der Soldat James Ryan", "A.I.", "War of the Worlds", unzählige Aufträge als "Executive Producer" diverser Blockbuster.

Keiner kann mit Emotionen so gut spielen wie Steven Spielberg, schrieb einst die "New York Times". Er sei ein "Meister hinter der Kamera und ein Genie, wenn es um Details geht", beschrieb ihn Tom Hanks. Und "Indy" Harrison Ford sagt: "Spielberg ist der beste Filmemacher, den die Welt bisher gesehen hat, keine Frage."

Kooperation der Schwergewichte

Der "beste Filmemacher der Welt" selbst ist bescheidener, wenn es um Lobhuddeleien geht. "Mir macht meine Arbeit Spaß", sagt er dann oftmals. Oder: "Es gibt soviele gute Filmemacher". Doch natürlich weiß Spielberg um sein Talent. Natürlich gefällt es ihm, anerkannt zu werden. Auch heute noch.

Jeden Morgen steigt der als sparsam geltende Regisseur und Produzent in seinen Toytota Prius und tuckert zur Arbeit in Los Angeles, brütet über neuen Ideen und lässt sich auf Ideen ein, die auch für einen wie Spielberg Neuland bedeuten.

So kam auch die Kooperation mit dem anderen Schwergewicht in der Welt von Zelluloid und Popcorn zustande. Zusammen mit Peter Jackson ("Der Herr der Ringe", "King Kong") bringt Mr.Cinema jetzt die Verfilmung von "Die Abenteuer von Tim & Struppi" auf die Leinwand.

Der Film startet am Donnerstag in Deutschland. Der 64-jährige Spielberg sprach mit stern.de in San Diego über sein neues Herzensprojekt. Und darüber, warum er sich immer noch wie ein kleines Kind fühlt, wenn er auf dem Set herumturnen darf.

Mr. Spielberg, Sie sind der größte Filmemacher unserer Zeit. Wie fühlt sich das eigentlich an?

(Lacht). Oh, ich denke niemals in solchen Dimensionen. Es wäre ja auch nicht fair all meinen Kollegen gegenüber, die ebenfalls wunderbare Filme machen. Aber ich hatte schon einen ganz guten Lauf.

Wenn Sie schon so bescheiden sind, können Sie dann wenigstens verraten, was das Geheimnis des Filmemachens ist?

Am Ende des Tages geht es immer noch um die Geschichte. Wenn Du keine gute Story hast, dann helfen auch noch so viele technische Innovationen nichts. Und es geht immer um die Augen.

Die Augen?

Ja. In den Augen steckt die Wahrheit. In den Augen steckt das Herz eines jeden Charakters. Wenn Sie sich einen Film wie "Some like it hot" mit Tony Curtis und Jack Lemon anschauen, dann werden Sie feststellen, dass der Erfolg des Films darin liegt, wie sich die beiden Charaktere in die Augen schauen.

Sind Sie eigentlich ein egoistischer Filmemacher?

Das kann ich sein (lacht). Ich bin in Bezug auf die Reichweite meiner Filme sehr egoistisch. Jedes Mal, wenn ich ein Set betrete, möchte ich so viele Menschen wie möglich glücklich machen. So war ich schon immer. Ich bin kein Mensch, der Kontroversen schüren möchte. Mein Ziel war und ist es, so viele Menschen wie möglich mit einzubeziehen.

Sie haben lange Zeit an einer Kinoversion von "Tim & Struppi" mit Peter Jackson herumgebastelt. Jetzt kommt der Film in die Kinos. Wie ist das, wenn zwei Giganten wie Spielberg und Jackson auf dem Set kollidieren?

Wir kollidieren nicht. Das Gegenteil ist der Fall. Ich bin wie ein kleines Kind auf dem Set und ganz aufgeregt. Peter ist ganz anders. Die Ruhe selbst, nichts kann ihn aus der Fassung bringen. Ich habe 1000 neue Ideen, Peter sieht das Gesamtprojekt. Wir arbeiten wie zwei Wissenschaftler, die einen Code knacken wollen, es ergänzt sich sehr gut.

Er hat mit "Herr der Ringe" einen Welterfolg gefeiert, Sie mit diversen anderen Streifen. Da gibt es wirklich keine Ego-Probleme?

Nein, kein Ego. Es hilft natürlich, dass wir beide große "Tim & Struppi"-Fans sind. Wir lieben die Bücher, und wollten nur sichergehen, dass wir ihnen mit unserem ersten Film gerecht werde.

Erster Film?

Ja, wir hoffen schon, dass wir noch weitere "Tim & Struppi"-Steifen drehen können. Ich wünsche mir schon jetzt, dass Peter beim zweiten Film Regie führt.

Warum lieben wir "Tim & Struppi" so sehr?

Tim ist ein Reporter, der oftmals selbst Teil der Story wird. Und er lässt Nein als Antwort nicht gelten. Das ist der Part, bei dem ich mich mit ihm identifizieren kann. Das ist der Tim in mir. Niemals aufgeben, immer weitermachen.

Schon als Kind war ich ein totaler Fan. Ich kann mich gut daran erinnern, wie ich mir ein Ticket für die Universal Studios Bustour gekauft habe und dann heimlich länger geblieben bin, um mir die verschiedenen Sets anzuschauen. Es hat mich nie wieder losgelassen.

Das Filmemachen hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Machen 3D und Motion Capture das Kino wirklich besser?

Ich verrate Ihnen an dieser Stelle mal ein Geheimnis. Ich bin nicht wirklich ein großer Computer-Fan. Ich habe sogar Schwierigkeiten, E-Mails zu verschicken (lacht). Aber neue Technologien haben unseren Arbeitsprozess heute sicherlich einfacher gemacht. Doch zum Schluss musst Du immer noch Deine Vorstellungskraft mitbringen. Ohne die geht gar nichts. Und wie schon gesagt, die Story ist immer noch das Wichtigste.

Wie lange haben Sie an diesem Tim & Struppi Projekt schon gearbeitet?

Es hat fünf Jahre gedauert, um es zu entwickeln. In dieser Zeit haben wir viele Dinge zum Leben erweckt für diesen Film, von denen wir glaubten, es sei niemals wirklich möglich.

Sind Sie eigentlich ein großer 3D-Anhänger?

Ganz ehrlich, ich hoffe 3D erreicht bald einen Punkt, da die Menschen es gar nicht mehr merken, dass sie einen 3D-Film anschauen. Und mir gefällt nicht, dass die Kinobetreiber solch exorbitante Preise verlangen, nur damit wir einen 3D-Streifen sehen zu können. Und es ist doch wohl auch ein bisschen übertrieben, wenn wir jetzt auch schon kleine Liebesfilme in diesem Format aufgetischt bekommen. Das ist meiner Meinung nach nicht notwendig.

Mitarbeit: Fred Topl