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Filmkritik

"Werk ohne Autor": Düster, pathetisch, schwer: Dieser Film vertritt Deutschland bei den Oscars

Noch bevor Florian Henckel von Donnersmarcks neuer Film in die Kinos kam, war klar: "Werk ohne Autor" soll für Deutschland ins Oscar-Rennen gehen. Das war möglicherweise keine gute Idee.

"Werk ohne Autor"

Szene aus "Werk ohne Autor": Nach seiner Flucht in den Westen studiert Kurt Barnert (Tom Schilling) in Düsseldorf Kunst - und entwickelt einen neuen Stil.

DPA

Vor 14 wurde eine Geschichte aus dem Leben des Malers Gerhard Richter bekannt, die unglaublich erscheint, aber doch wahr ist. 1938 wurde Richters Tante Marianne Schönfelder im Zuge der Euthanasie durch NS-Ärzte zwangssterilisiert, 1945 wurde sie in der Tötungsanstalt Großschweidnitz ermordet. Mitverantwortlich war Heinrich Eufinger, SS-Obersturmbannführer und als Direktor der Städtischen Frauenklinik in Dresden maßgeblich an Hunderten von Zwangssterilisationen beteiligt.

Eufinger wurde später Richters Schwiegervater. Und als sei das nicht schon kurios genug, wurden beide vom Künstler verewigt - Täter wie Opfer. Die 1964 und 1965 entstandenen Bilder dürften auf Ausstellungen in unmittelbarer Nachbarschaft gehangen haben.

Eine so ungeheuerliche Geschichte gäbe einen exzellenten Filmstoff ab, zumal darein verschränkt auch die unterschiedlichen Wege eines Künstlers in zwei deutschen Staaten ist: Richter war bis zu seiner Flucht 1961 gefeierter Staatskünstler der und dem Realismus verpflichtet, im Westen kam er mit der Avantgarde in Kontakt - ehe er mit Künstlern wie Sigmar Polke einen neuartigen Stil kreierte, den man als Kapitalistischen Realismus bezeichnet hat.

Florian Henckel von Donnersmarck und der Pathos

Welch ein Leben! Leider hat sich mit der Falsche an diesen Stoff gewagt. Es hätte eines Regisseur bedurft, der diese tonnenschwere Thematik - Euthanasie, das Leben in zwei deutschen Diktaturen und die Existenz eines Täters in der eigenen Familie - etwas entschlackt und auf ein erträgliches Maß herunterdimmt. Der etwas Leichtigkeit und, ja, stellenweise sogar Humor reinbringt, um den Zuschauer nicht unter der Last der Tragik zu erdrücken.

Florian Henckel von Donnersmarck hat jedoch den entgegengesetzten Weg gewählt. Er legt noch eine gute Schippe Pathos obendrauf und walzt den Stoff zu einem 188-minütigen Film aus, der an jeder Stelle laut "Kunst" schreit. Nicht, weil der Protagonist ein Künstler ist, sondern weil der Regisseur so gerne einer wäre. Das Werk ist auf seine Art so ernst und verkniffen, als sei es eine Parodie auf das Bild, das man in anderen Ländern lange Zeit von hatte. Und mithin ein Beispiel dafür, wie deutsche Kunst nicht sein sollte.

"Wer ohne Autor"

Sebastian Koch spielt Professor Carl Seeband, den Schwiegervater des Malers Kurt Banert, der dessen Tante im Dritten Reich sterilisieren ließ.

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So kommt das herausragend besetzte Ensemble - für kleinste Rollen wurden Stars wie Ben Becker, Lars Eidinger, Jeanette Hain, Oliver Masucci, Hinnerk Schönemann oder Jörg Schüttauf angefeuert - kaum recht zur Entfaltung. Am meisten leiden freilich die Hauptdarsteller an der überladene Inszenierung. Zwischen den Protagonisten Tom Schilling und Paula Beer - die hier nicht und Marianne (Ema) Eufinger heißen - will einfach kein Funke überspringen, die Liebesszenen sind altbacken und kitschig.

"Werk ohne Autor" wird eine Frage beantworten

Selbst der in "Das Leben der Anderen" so glänzende Sebastian Koch kann seine Fähigkeiten kaum zur Geltung bringen. Dieses Werk gewann 2007 den Oscar als bester fremdsprachiger Film, seither gilt Donnersmarck als das Genie des deutschen Kinos. Ein Ruf, den er mit bei der Kritik durchgefallenen "The Tourist" 2010 aufs Spiel setzte.

"Werk ohne Autor" sollte nun die Frage beantworten, ob Donnersmarck ein großer Regisseur ist oder nicht. Noch vor dem Kinostart hat sich German Films festgelegt, den Film als deutschen Beitrag für die Oscars einzureichen.

Möglicherweise war diese Entscheidung etwas vorschnell. In spätestens einer Woche werden wir wissen, ob es dieser Film vermag, die Herzen der Zuschauer zu berühren.

Video: Neuer Henckel von Donnersmarck-Film feiert Weltpremiere in Venedig